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Nordwestmecklenburg Von Neukloster nach Colorado
Lokales Nordwestmecklenburg Von Neukloster nach Colorado
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20:10 03.07.2013
Neukloster

Bei Imke Fritzsche, Marcel Lehmann und Danny Maaß steigt die Aufregung. Ende der Woche fliegen die Schüler des Überregionalen Förderzentrums Sehen in Neukloster in die USA. Nicht um Ferien zu machen, sondern um sportliche Leistungen zu vollbringen. Die drei sehbehinderten Schüler sind top im Goalball. Nach ihrem Erfolg bei den Bundesfinalspielen für „Jugend trainiert für die Paralympics“ in Berlin wurden sie und Mitschülerin Francesca Richter zu den Jugendweltmeisterschaften in Colorado Springs eingeladen.

Marcel Lehmann gibt sich selbstbewusst: „Ich erwarte, dass wir dort siegen — sonst brauchen wir ja gar nicht erst anzutreten.“ Er, Imke und Danny geben eine kleine Demonstration. Sie setzen sich die dunklen Brillen auf und gehen auf dem Spielfeld in Stellung. Ein Mitschüler wirft von der gegenüber liegenden Seite den blauen Ball. Die Glöckchen in seinem Inneren klingeln leise, er setzt auf und rollt in Richtung Tor. Geistesgegenwärtig wirft sich Marcel dem Ball entgegen und hält.

Der 16-Jährige kommt aus Heinrichshof bei Ueckermünde und spielt seit neun Jahren Goalball. Mit sechs Jahren kam er nach Neukloster, damals noch ins Internat der Landesschule für Blinde und Sehbehinderte. „Frau Erpen war Gruppenleiterin bei uns“, erklärt er und zuckt mit den Schultern, als wäre alles andere eine logische Folge. Und irgendwie ist es das auch. Denn Christina Erpen (50) trainiert die Goalballer. Er habe einige Sportarten ausprobiert, sagt Marcel Lehmann, doch Goalball habe ihm von Beginn an am besten gefallen. Mittlerweile spielt er auch in der Bundesliga.

„Bei mir war es relativ ähnlich“, sagt Imke Fritzsche. Allerdings habe sie nicht so kontinuierlich durchgespielt wie Marcel. „Aber seit etwa zwei Jahren bin ich ganz aktiv dabei“, erklärt die 15-Jährige, die jeden Abend nach Hause fährt, nach Güstrow.

Für Danny Maaß kommt das nicht infrage. „Greifswald ist einfach zu weit weg.“ Er lebt wie Marcel im Internat. „Das hat auch Vorteile“, sagt der 13-Jährige, „man hat seine Freunde immer in der Nähe und kann quatschen.“ Außerdem hat er jetzt auch einen Teil der Familie in Neukloster: Sein jüngerer Bruder ist seit diesem Schuljahr ebenfalls im Internat.

Zum Goalball ist Danny gekommen wie seine Schulfreunde: durch Christina Erpen. „Als ich hier anfing, gab es bereits eine Gruppe“, erinnert sich die Lehrerin und Trainerin. Bei der Blindenanstalt in Nürnberg habe sie dann professionelles Goalball-Spiel gesehen, „und das fand ich super“. Kontinuierlich hat die 50-Jährige in Neukloster die Spieler aufgebaut. „Alles in allem haben wir 20 Mann in der Bundesliga und viele unserer ehemaligen Schüler haben sogar in der Nationalmannschaft gespielt“, berichtet Christina Erpen.

Die Lehrerin war es auch, die die Schüler über die Amerikareise informierte. „Als Frau Erpen uns das gesagt hat, haben wir erst mal gedacht, es ist ein Spaß“, sagt Imke Fritzsche. Denn sie hatten nie damit gerechnet, dass sie wirklich in die USA reisen würden.

Nun heißt es allmählich Koffer packen, denn am 6. Juli geht es los. „Wir werden zwei Tage eher da sein, damit sich die Schüler akklimatisieren können“, sagt Christina Erpen. Sie kennt das College, in dem die Schüler untergebracht sein werden. „Es ist sehr schön dort, wir werden sehr gutes Essen bekommen, es gibt vier Turnhallen, eine Eishalle und zwei Schwimmhallen und jede Menge Felder, um Sport zu treiben.“

Sylvia Kartheuser

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