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Nordwestmecklenburg Von den ersten E-Books auf die Bestsellerlisten
Lokales Nordwestmecklenburg Von den ersten E-Books auf die Bestsellerlisten
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21:40 10.08.2016
Nancy Salchow (35) aus Wismar schreibt viel und ist erfolgreich. Hauptberuflich arbeitet sie aber ganz klassisch im Büro. „Das Sonnenblumenhaus“ ist ihr zweites Taschenbuch. Es ist im Knaur-Verlag erschienen. Quelle: Nicole Hollatz

Nancy Salchow aus Wismar hatte schon immer ein Ziel: „Dass ich einmal eine berühmte Autorin werde“, sagt sie und schmunzelt. Lachend setzt sie hinzu: „Bisher liege ich ganz gut im Rennen!“ Die 35-Jährige schreibt für ihr Leben gern. Lyrik, Kurzgeschichten, Romane. Der aktuelle, „Das Sonnenblumenhaus“, ist im renommierten Knaur-Verlag erschienen. Und ein Verlag hat fürs nächste Buch schon angefragt.

Im November 2014 erfüllte sich mein absoluter Kindheitstraum: mein Roman „Kirschblütentage“ war mein Taschenbuchdebüt. Im Juni 2016 erschien bei Knaur mein zweiter Roman, „Das Sonnen- blumenhaus“.Nancy Salchow (35), Autorin

Aber von vorn: 2010 wurde aus den bis dato in privaten digitalen Schubladen gehaltenen Schreibergebnissen mehr. Nancy Salchow stellte unter dem nicht ganz ernst gemeinten Pseudonym Novalee Namenlos Leseproben aus den vielen angefangenen Romanen bei www.neobooks.com ins Internet – ein Wettbewerbsprojekt der Verlagsgruppe Droemer Knaur. „Novalee“ überzeugte, landete mit mehreren Werken in den „Top Ten“ der Lesercharts, war zeitweise sogar Erstplatzierte und bekam viel positive und Kraft gebende Resonanz.

Am 14. April, dem 30. Geburtstag von Nancy Salchow, endete der Wettbewerb. Und sie bekam den Anruf, von dem jeder Autor träumt: Der Verlag wollte eine der Leseproben als Roman veröffentlichen. Genau den, der fertig in der Schublade lag und den sie schon vergeblich an zig Verlage geschickt hatte. So erschien 2011 das erste E-Book von Nancy Salchow, der Debütroman „Herzliche Restgrüße“ bei Droemer Knaur.

„Er verkaufte sich so gut, dass mir der Verlag gleich einen Vertrag schickte“, erzählt die Autorin. Im Frühjahr 2012 ging ihre E-Book-Edition an den Start, „Das Glück im Augenwinkel“ und „Das Luftblumenhaus“ waren die ersten Titel. Fast zeitgleich versuchte sich Nancy Salchow im Selfpublishing, veröffentlichte ihre E-Books ohne einen Verlag, ohne Lektorat, ohne Werbebudget. Aber mit mehr Erfolg, als viele andere, die so etwas wagen. Ihr Roman „Schlaflos in Tofuwürstchen“ war in den Amazon-Top-20 als Jahresbestseller für 2011. Ihr Roman „Unser sechzehntes Jahr“ schaffte es in die Top 20 der Kindle-Jahresbesteller 2012, Rubrik Romane. Nancy Salchow war überrascht, verdiente auf einmal Geld mit ihrem Hobby und ihrer Leidenschaft. „Ich dachte, nun geht es los, aber zum Glück habe ich nicht den Job aufgegeben.“

Die Wismarerin ist seit 16 Jahren Verwaltungsmitarbeiterin und in der Buchhaltung der Wismarer Werkstätten beschäftigt. Der Job gibt ihr die Sicherheit und den Freiraum für ihren großen Traum. Nancy Salchow lacht: „Vielleicht kann ich ja zwei Jahre vor der Rente von der Schreiberei leben!“

Anfangs, so versucht sie, ihren Erfolg zu erklären, sei die Konkurrenz auf dem E-Book-Markt noch nicht so groß gewesen. „Danach ging es dann richtig los mit dem Selbstverlag bei Amazon. Das haben alle gemacht, egal ob sie was konnten oder nicht.“ Die Konkurrenz wurde von Jahr zu Jahr größer und folgerichtig sank der Ruf der selbstverlegten E-Books.

Nancy Salchow schrieb weiter, immer mehr, um die familiären Schicksalsschläge von 2012 zu verarbeiten. Der Zwillingsbruder und die Mutter erkrankten schwer, 2013 folgte der eigene Zusammenbruch. „Zuvor habe ich mitunter 30 Seiten am Tag geschrieben, dann konnte ich gar nichts mehr.“ Ende 2012 war sie noch auf der Buchmesse, bekam das Angebot für ihr Taschenbuchdebüt. Kurze Zeit später kam der Klinikaufenthalt, Diagnose Burnout und Depression. „Das Leben, Zimmer 18 und Du“ heißt ihr Roman mit diesen Erfahrungen. Das E-Book verkaufte sich rasend schnell, im nächsten Jahr soll es gedruckt im Heine-Verlag erschienen. Weil ein Buch über dieses Thema viele Leser haben könnte, gab es sogar einen Vorschuss. „Ich weiß, wie es ist, wenn man heulend im Klinikbett liegt.“ Ihr half die Liebe – vielleicht sind die „Frauenbücher“ über Liebe und Weltschmerz auch deswegen ihr Ding.

Mehr als 20 Bücher veröffentlichte Nancy Salchow in sechs Jahren. Sie ist fleißig in ihrer Freizeit. Aber: „Sobald schreiben zum Stress wird, höre ich damit auf.“

 Nicole Hollatz

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