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Nordwestmecklenburg Vorsicht, Schwarzkittel!
Lokales Nordwestmecklenburg Vorsicht, Schwarzkittel!
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13:03 09.11.2017
Ein Wildschwein verlässt im Questiner Wald sein Versteck. Schwarzkittel sind in der dunklen Jahreszeit an besonders vielen Verkehrsunfällen beteiligt. Quelle: Karl-Ernst Schmidt

 2016 gab es im gesamten Jahr 1614 Unfälle mit Wildtieren auf den Straßen des Nordwestkreises. Eine genaue Auswertung für 2017 soll es allerdings erst 2018 geben.

 

Der zerstörte Mercedes. Quelle: Foto: Polizei

Alljährlich gibt es im November besonders viele Unfälle mit Wild(schweinen). Gründe dafür: „Zum einen sind jetzt die Felder abgeerntet, jetzt muss sich das Wild auf Futtersuche bewegen“, erklärt Ulf-Peter Schwarz, Sprecher des Landesjagdverbandes MV. Zum anderen ist es die Zeitumstellung. Eine Stunde mache enorm viel aus, so Schwarz: „Die meisten Autofahrer begeben sich in der Dämmerungsstunde auf den Heimweg – und das ist nun einmal die Hauptwechselphase des Wildes.“ Andere Faktoren kommen hinzu – rutschiges Laub, schlechte Sicht – und schon ist ein Unfall passiert.

Doch nicht nur in der dunklen Jahreszeit häufen sich die Wildunfälle: Zwischen dem 14. und 19. April meldeten 20 Autofahrer in Nordwestmecklenburg Kollisionen mit Wildtieren, Schwerpunkt war die Bundesstraße 105 zwischen Gägelow und Dassow. Zwischen dem 22. und 29. Juni ereigneten sich in Nordwestmecklenburg 33 Wildunfälle. Rückläufig ist übrigens die Zahl der Wildunfälle in der Rostocker Heide, wie Amtsleiter Jörg Harmuth mitteilt. Im vergangenen Jahr habe es hier neun Unfälle gegeben. 2017 seien es aktuell fünf. Im Bad Doberaner Umland gehört die Landesstraße 122 bei der Westhofer Kreuzung zu den Schwerpunkten – dort gab es bisher acht Unfälle. Dicht gefolgt von der Landesstraße 11 (vom Kreisel Satow Richtung Kröpelin bis Altenhagen) mit sieben Unfällen.

Zahl der Wildschweine wächst

Eine Ursache für die hohe Zahl der Unfälle: Seit Jahren wächst der Schwarzwildbestand in MV. Eine Folge der zu milden Winter und des überreichlichen Futterangebotes, zählt Ulf-Peter Schwarz auf. Bringt der Winter keine Minustemperaturen, überleben fast alle Frischlinge eines Wurfes.

Das Land hält jetzt dagegen – mit verstärktem Abschuss soll die Zahl der Schwarzkittel verringert werden. Die Strecke geschossener Wildschweine soll sich um 20 Prozent erhöhen – auf insgesamt 80 000 Stück Wildbret landesweit. Ab dem 1. Dezember sollen Jäger zudem für das Erlegen von Frischlingen mit einem Gewicht bis 25 Kilogramm und für den Abschuss von älteren Bachen, deren Frischlinge keiner Führung mehr bedürfen, als Anreiz 25 Euro Aufwandsentschädigung je Tier erhalten.

Wildunfälle in Mecklenburg-Vorpommern.

Tempo verringern

Einen 100-prozentigen Schutz gegen einen Wildunfall gibt es nicht. Doch es helfe ein wenig, sagt Ulf-Peter Schwarz, wenn man seine Geschwindigkeit reduziere. „Wer sein Tempo von 100 km/h auf nur 80 km/h verringert, hat bereits einen 25 Meter kürzeren Bremsweg. Das kann schon ausschlaggebend sein, um einen Zusammenstoß zu vermeiden.“

Und noch andere Tipps hat: „Das Licht abblenden, kontrolliert bremsen und hupen.“ Das geblendete Wild bleibt in den meisten Fällen komplett orientierungslos und wie angewurzelt auf der Straße stehen.

Ist der Zusammenstoß nicht mehr zu vermeiden, gibt es noch zwei Dinge, um schwere Schäden zu vermeiden. Kontrolliert bremsen und das Lenkrad festhalten – also auf das Wild zufahren – nicht auf die Gegenfahrspur oder in den Straßengraben lenken.

Möglichst nicht ausweichen

Ilona Gläser vom Forstamt Bad Doberan erklärt zudem: „Es gilt nicht als Wildunfall, wenn man, weil man ausgewichen ist, gegen einen Baum gefahren ist. Wenn es keine Zeugen gibt und kein Wild verletzt wurde, es also fliehen konnte, wird die Polizei keinen Wildunfall attestieren.“ Ilona Gläser erklärt auch, dass das Forstamt grundsätzlich nicht bei einem Wildschaden zuständig ist, sondern die die Untere Jagdbehörde des jeweiligen Landkreises. „Die wissen, welcher Jäger in dem jeweiligen Abschnitt Jagdrecht hat.“ Diese erlösen dann das Wild fachgerecht von seinem Leid, sollte es noch leben, oder entsorgen den Tierkadaver.

Zuerst die Polizei anrufen

Doch grundsätzlich, so Peter Rabe, vom Forstamt Grevesmühlen, ist es besser, bei einem Wildunfall immer die Polizei zu rufen. „Diese hat 24-Stunden-Dienst und hat auch die Berechtigung, notfalls mit der Dienstwaffe dem Leiden des Tieres ein Ende zu setzen.“ Rabe weiter: „Wildtiere sind freie Kreaturen, laut Bürgerlichem Gesetzbuch gehören sie niemandem, auch nicht dem Jäger in seinem Jagdgebiet. Er hat lediglich das Jagdausübungsrecht“, sagt der Forstamtsleiter. Es haftet also per se keiner für ein Wildtier – und demzufolge auch nicht für den Schaden, den es verursacht. Dennoch zahlen die Versicherungen, denn Wildunfälle gehören zu den Schadensfällen, die aus „höherer Gewalt“ passieren. Es sei denn, der Autofahrer war nachweislich zu schnell oder hat fahrlässig gehandelt.

Totes Wild nicht mitnehmen

Wild, das man umgefahren hat, einfach mitzunehmen, ist ebenfalls nicht ratsam. Dabei handelt es sich zum einen um eine Straftat, um Aneignung und Wilderei, zum anderen darf bei einem Unfall getötetes Wild nicht verspeist werden, erklärt Landesjagdverbandssprecher Schwarz. Denn Wildschweine sind oft Trichinen-Träger (winzige Fadenwürmer), die für einen Menschen tödlich sein können.

Auch bei Unfällen mit beispielsweise Füchsen ist es ratsam, die Polizei zu informieren, um bei Schäden den Versicherungsschutz nutzen zu können. Auch die Untere Jagdbehörde sollte informiert werden, damit die zuständigen Jäger die toten Tiere vom Straßenrand entfernen und sie entweder zum Abdecker oder einem dafür geeigneten Entsorgungsbetrieb bringen können.

Mercedes prallt gegen verletztes Wildschwein

Besonderer Unfall mit Wildbeteiligung: Der 18-jährige Fahrer eines Mercedes stieß mit seinem Auto am 28. Oktober zwischen Hohenkirchen und der Wohlenberger Wiek gegen ein Wildschwein, das, vermutlich aufgrund eines anderen Unfalls, bereits verletzt auf der Fahrbahn lag. Durch den Zusammenstoß verlor der Fahrer die Kontrolle über sein Fahrzeug, kam von der Straße ab und stieß dort gegen einen Straßenbaum. Durch den Aufprall wurden der Fahrer sowie seine 19 Jahre alte Beifahrerin schwer verletzt.

Treibjagden erfolgen

Treib- und Drückjagden haben in diesem Jahr bereits Ende Oktober begonnen. Als Grund für das frühe Ausrufen der Saison nennt das Landwirtschaftsministerium die Sorge, dass bei den Wildschweinen die „Afrikanische Schweinepest“ ausbrechen könnte. Tiere in Polen und Tschechien haben diese Krankheit bereits. „Wenn sie auf unsere Wildbestände übergreift“, so Ulf-Peter Schwarz vom Landesjagdverband, „müssen im betroffenen Gebiet alle Wildschweine gekeult werden.“

Die Straßen in den Waldgebieten, in denen solch eine Jagd stattfindet, werden mit Schildern gekennzeichnet. Autofahrer sollten dann noch achtsamer fahren. Da die Tiere aber ein paar Kilometer laufen, könnten auch Straßen außerhalb des Treibjagdgebietes gekreuzt werden.

 Annett Meinke, Michaela Krohn, Lutz Werner und And

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