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Nordwestmecklenburg Wasserversorgung noch nicht an der Grenze
Lokales Nordwestmecklenburg Wasserversorgung noch nicht an der Grenze
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21:24 27.07.2018
Grevesmühlen

Kein Hitzefrei für die Wasserwerker des Zweckverbands Grevesmühlen. Die langanhaltende Wärme in den vergangenen Wochen bedeutet auch eine langanhaltende Hochlastversorgung für Verbraucher. „In dieser Dauer haben wir das noch nie gehabt“, bekräftigt Zweckverbands-Vorsteher Eckard Bomball.

Spitzenwert aber längst übertroffen / Täglich werden mehr als 15 Millionen Liter Wasser im Verbreitungsgebiet verbraucht.

Die technisch mögliche und genehmigte Höchstkapazität von 22000 Kubikmetern Trinkwasser, die die drei Wasserwerke in Wotenitz, Dassow und Klütz täglich insgesamt rausgeben können, sei zwar noch nicht erreicht. Der Spitzenwert des täglichen Wasserverbrauchs habe sich aber deutlich erhöht; der bisherige sei am 26. Juli sogar übertroffen worden. Hatte der tägliche Wasserverbrauch in dem 670 Quadratkilometer großen Versorgungsgebiet des Zweckverbandes am 8. Juni noch bei 13349 Kubikmetern gelegen, wurden jetzt 15537 Kubikmeter gemessen. Das bedeutet, dass die 46000 Einwohner, die vom Zweckverband mit Wasser versorgt werden, umgerechnet mehr als 15 Millionen Liter Wasser täglich verbrauchen.

„Not haben wir aber nicht“, beruhigt Eckhard Bomball und fügt im Scherz hinzu: „Wir können alle noch duschen und müssen nicht riechen.“ In der Vergangenheit wurden durch regenreiche Perioden ausreichend Grundwasser-Vorräte geschaffen, um aus 100 Metern Tiefe durchgängig versorgen zu können. Eckhard Bomball beschreibt es als „wunderbare Grundwasserneubildung“. Eine Herausforderung für das Unternehmen sei die Hitze aber allemal, nicht zuletzt auch, weil die Filter öfter gespült werden müssen, damit sauberes, qualitativ gutes Wasser über das 800 Kilometer lange Verbundnetz gewährleistet werden kann. Zwischenzeitlich mussten die Rückspülzyklen in die sehr frühen Morgenstunden verlegt werden, weil ansonsten in den Tagesspitzen nicht genügend Wasser für die Kunden da ist. Ein Ende der Hitzeperiode ist trotz der angekündigten Gewitter nicht in Sicht.

Im Vergleich zum vergangenen Jahr werden in den Morgenstunden von 3 bis 5 Uhr 75 Prozent mehr Wasser verbraucht. Bei Prozessingenieur Tilmann Lucas schrillten gleich die Alarmglocken, als er die Zahlen auf dem Papier sah. Zunächst vermutete er irgendwo einen Rohrbruch. Dann stellte sich heraus, dass viele ihre Gärten über Nacht sprengen, gerade in Hotelanlagen an der Ostsee sei das der Fall.

Der höchste Wasserverbrauch im Verbreitungsgebiet des Zweckverbands ist mit einem gemessenen Durchschnittswert von 871 Kubikmeter pro Stunde von 19 bis 20 Uhr, wenn die Verbaucher ihre Pflanzen im Garten mit Wasser beglücken. Die größte Abweichung im Vergleich zum Vorjahr mit 81 Prozent liegt zwischen 21 und 22 Uhr. Wurden zu der Zeit im Jahr 2017 413 Kubikmeter Wasser pro Stunde verbraucht, liegt der Wert nun bei 746 Kubikmeter.

Probleme bereiten den Ingenieuren im Moment die Messanlagen, die über den Verbrauch und über Störungen informieren. Mehr als 70 sind im Verbreitungsgebiet verbaut. Der hochmodernen Technik macht die Hitze mitunter zu schaffen und sie meldet nach Grevesmühlen Fehler. Bei Tilmann Lucas läuft das am Computer als blinkender Punkt auf. „Mitarbeiter gehen der Störung dann nach“, beschreibt er.

Neben den Wasserwerken in Dassow, Klütz und Grevesmühlen – vor der Wende gab es im Altkreis Grevesmühlen übrigens 34 Wasserwerke – ist auch eine Versorgung über sogenannte Speicherhochbehälter gewährleistet. Die beiden größten stehen in Hamberge mit jeweils 900 Kubikmeter Fassungsvermögen, weitere gibt es in Schönberg, Hohen Schönberg, Wahrsow und an den Standorten der Wasserwerke. „In den Behältern ist ein Drittel der Tagesmenge“, berichtet Tilmann Lucas. In dem unwahrscheinlichen Fall, dass ein Wasserwerk ausfällt, ist die Versorgung zumindest erst einmal gesichert.

Übrigens: Mit der Hochleistung der Pumpen löst der Zweckverband keinen ökologischen Notstand aus. Der Strom wird selber hergestellt.

Kühlung der Eisdiele war ausgefallen

Brita Buttkewitz, die an der August-Bebel-Straße in Grevesmühlen eine Eisdiele betreibt, war in dieser Woche aufgrund der Hitze in einer Notsituation. Urplötzlich war ihre Kühltheke ausgefallen. Um die Eisdiele nicht schließen zu müssen, stellte sie kurzerhand einen Verkaufswagen mit Kühlung vor den Eingang. Eineinhalb Tage dauerte es, bis Handwerker die eigentliche Kühlung im Laden repariert hatten. Die Eisdielenbetreiberin fürchtet, Sondernutzungsgebühren für das Aufstellen des Wagens zahlen zu müssen. Von der Stadt Grevesmühlen gibt es die Information, dass Buttkewitz sich auf eine Rechnung einstellen müsse. Die könnte aber so gering ausfallen, dass geprüft werden könne, ob man von einer Forderung ablässt.

Wasser für Grünanlage nutzen

Um Bäume und Büsche in Boltenhagen sorgte sich in dieser Woche eine Dame, die am Dünenweg wohnt. Sie berichtete von der dortigen Baustelle für das Hotel Baltischer Hof. Dort werde Grundwasser abgesenkt, das nun in den Regenwasserkanal geleitet wird. „Die Grünanlage auf der anderen Straßenseite könnte das Wasser bei der jetzigen Trockenheit bestimmt gut gebrauchen“, war der Hinweis der Anwohnerin. Doch es scheint nicht unkompliziert zu sein, das abgepumpte Wasser dorthin zu leiten. In mindestens vier Metern Höhe müsste der Schlauch über die Straße verlegt werden. Außerdem müsste überprüft werden, ob die Grünanlage die Wassermengen aufnehmen könne, erklärte Thomas Zellner vom Ordnungsamt in Klütz. Es müssten also Anträge gestellt und Genehmigungen erteilt werden.

Mab Jana Franke

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