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Nordwestmecklenburg Wegen Holzwürmern: Schulzenhaus muss saniert werden
Lokales Nordwestmecklenburg Wegen Holzwürmern: Schulzenhaus muss saniert werden
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18:07 19.10.2018
Fachmann Uwe Noldt untersucht und dokumentiert Schäden, die der Gescheckte Nagekäfer am Bechelsdorfer Schulzenhaus anrichtet. Quelle: Olaf Both
Schönberg

 Totenuhr: So nennt der Volksmund den Gescheckten Nagekäfer, weil das Männchen während der Paarungszeit mit dem Kopf auf Holz schlägt, um Weibchen anzulocken. Das Geräusch, das dabei entsteht, ähnelt dem Ticken einer Uhr. Im Bechelsdorfer Schulzenhaus dürfte es zu hören sein. Untersuchungen haben gezeigt: Das gesamte Hauptgebäude des Freilichtmuseums in Schönberg weist einen massiven Befall durch den Holzschädling auf. Das Fachwerk ist bereits geschädigt. Mitarbeiter der auf holzzerstörende Insekten spezialisierten Firma Noldt Consulting empfehlen vor dem nächsten Ausschlüpfen des Gescheckten Nagekäfers im Februar/März kommenden Jahres eine intensive Grundreinigung und eine komplette Bekämpfung des gesamten Gebäudes mittels Heißluft oder feuchte-regulierter Warmluft oder durch ein Begasungsverfahren.

"Wir müssen wirklich etwas gegen den Befall durch den Gescheckten Nagekäfer tun." Olaf Both (39), Leiter des Volkskundemuseums in Schönberg Quelle: Jürgen Lenz

Der Schönberger Museumsleiter Olaf Both stimmt den Schädlingsexperten zu. Er sagt: „Wir müssen wirklich etwas gegen den Befall durch den Gescheckten Nagekäfer tun."

Dass am Bechelsdorfer Schulzenhaus nicht nur der Zahn der Zeit nagt, sondern auch ein Käfer, fiel bereits 2001 einem Experten des Instituts für Holzbiologie und Holzschutz beim Bundesforschungsinstitut für Forstwirtschaft auf. Mitarbeiter der Stadtverwaltung hofften damals, die Schädlinge in Schönberg könnten sogar Objekt einer wissenschaftlichen Untersuchung werden, der Stadt würden dadurch keine Kosten entstehen. Doch aus der geplanten Bekämpfung wurde nichts.

Deutlich wurde jetzt: Der Einsatz von Holzschutzmitteln in der Vergangenheit hatte keine langfristige Wirkung. Die Experten von Noldt Consulting fanden bei der Untersuchung von behandelten Deckenbalken unzählige Ausschlupflöcher in den Papierabklebungen, die in den Jahren 2001/2002 vorgenommen wurden.

Besonders intensiv war der Befall, wie berichtet, in einem „Altenteiler“ genannten Bereich des Schulzenhauses. Dagegen ging das Museum vor. „Dort hat eine Mikrowellenbehandlung stattgefunden“, erläutert Olaf Both. Auch wurde im Altenteiler der Pilz bekämpft, der Fußboden entfernt und ein Betonunterbau für einen neuen Fußboden geschaffen. „Wir haben weiterhin eine Baustelle“, bedauert der Leiter des Museums. Auch müsse eine etwa sieben bis acht Meter lange Schwelle neu gemacht werden. Ein Grund: „Es zieht, weil es nicht ganz dicht ist.“ Mikrowellenbehandlung und Bauarbeiten führten jedoch auch zu einem Erfolg. Im Altenteiler gibt es keine lebenden Käfer mehr. Das stellten die Experten fest. Sie beobachteten aber auch, dass der Befall nicht wie gehofft einzelne Räume betrifft, sondern flächendeckend im gesamten Gebäude vorliegt.

Larven des Nagekäfers befallen Holz. Quelle: Fotolia

Um die Schädlinge abzutöten, müssen sie über eine längere Zeit einer Hitze von rund 70 Grad ausgesetzt werden. Vorher ist das Schulzenhaus einzuhüllen. Gesamtkosten der Schädlingsbekämpfung: zwischen 85 000 und 90 000 Euro. Olaf Both berichtet: „Von der Denkmalpflege wurde ein Zuschuss mündlich in Aussicht gestellt.“ Die Stadt habe gute Chancen, 50 Prozent gefördert zu bekommen, wenn bis Ende Oktober ein Antrag gestellt wurde. „Eine schnelle Entscheidung wäre nötig“, erklärt der Leiter des Museums. Nächster formaler Schritt wäre, die Kosten und den Zuschuss in den städtischen Haushalt für 2019 einzustellen. Dann hätte im nächsten Jahr für die Totenuhr im Bechelsdorfer Schulzenhaus die letzte Stunde geschlagen.

Arbeiter errichteten das Bauernhaus in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und setzten es in den 1960er Jahren von Bechelsdorf nach Schönberg um. In der später nach Schönberg transportierten Scheune des Schulzenhofes fanden die Schädlingsexperten jetzt keine Gescheckten Nagekäfer.

Das Bechelsdorfer Schulzenhaus ist das Hauptgebäude des Freilichtmuseums in Schönberg. Errichtet wurde es um 1525. Quelle: Jürgen Lenz

Nicht mehr ermitteln konnten die Fachleute, wann und wie es zum Befall des Schulzenhauses gekommen ist. Die fünf bis sieben Millimeter langen Schädlinge nisten sich gern an feuchtem und pilzbefallenem Holz ein und zerstören es.

Jürgen Lenz

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