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Nordwestmecklenburg Weniger Unfälle mit Wildschweinen
Lokales Nordwestmecklenburg Weniger Unfälle mit Wildschweinen
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22:28 30.10.2013
Das Schwarzwild stand in den vergangenen beiden Wintern besonders lange im Fokus der Jäger.

Die Sicht hinter der Autoscheibe ist schlecht. Es regnet auf dem Weg von der Arbeit nach Hause und ist dunkel. Laub liegt auf der Straße. Es ist schmierig. Kein Licht erhellt den Seitenstreifen am Waldrand. Da ist es schon zu spät. Ein Wildschwein läuft genau in das Scheinwerferlicht des Fahrzeuges, ein Zusammenstoß ist unvermeidbar. Das Wildschwein überlebt nicht, das Auto ist stark beschädigt. Ein Szenario, das sich im Bereich des Polizeireviers Grevesmühlen von Januar bis Ende September 2012 57 Mal ereignet hat. In diesem Jahr waren es im gleichen Zeitraum bisher nur 31 Fälle, in denen Fahrzeuge mit Wildschweinen, dem sogenannten Schwarzwild, zusammenstießen, wie Polizeipressesprecher André Falke auf Anfrage mitteilte. Damit zeichnet sich im regionalen Bereich ein gegenläufiger Trend zum Bundesdurchschnitt ab. Denn der ist um 29 Prozent gestiegen.

Ein regionaler Rückgang, den Grevesmühlens Forstamtsleiter Peter Rabe auf die letzten beiden Winter zurückführt. „Die Winter waren lang und es lag viel Schnee. Die Jäger konnten fast 24 Stunden auf Jagd gehen und hatten immer gute Sicht“, erklärt der 44-Jährige. Renee Pollak, Vorsitzender des Kreisjagdverbandes, sieht das ähnlich, fügt aber noch hinzu: „An vielen Unfallschwerpunkten haben wir die blauen Reflektoren an die Leitpfosten gebaut. Das zeigt bisher eine positive Wirkung.“

Folge: Es kommt zu weniger Unfällen, obwohl der Schwarzwildbestand immer noch hoch ist. Dennoch warnt Peter Rabe: „Die Schweine müssen sich nach der Maisernte neue Quartiere suchen und gehen außerdem in der Dämmerung auf Nahrungssuche. Das fällt derzeit auf die An- und Abreise zur und von der Arbeit vieler Menschen“, erklärt Rabe.

„Wir haben in den vergangenen beiden Jahren rund 300 Schweine pro Jahr geschossen. Normal sind 220. Wir haben also eine hohe Dichte, die in den vergangenen beiden Jahren erfolgreich dezimiert wurde“, erklärte der 44-jährige Forstamtsleiter. Fest macht der Everstorfer das an den verbesserten jagdlichen Möglichkeiten, wie zum Beispiel an Gesellschaftsjagden, den sogenannten Drückjagden. Damit starten die Jäger am Freitag in die Herbstsaison. In Selmsdorf werden Jäger und Treiber ab 9 Uhr das Schwarzwild zusammentreiben und erlegen. „Die Wildbestände müssen reduziert werden. Das werden wir in insgesamt zwölf gemeinschaftlichen Jagden versuchen“, sagte Peter Rabe. Dabei könnten die Teilnehmer insgesamt 4000 Hektar Flur durchkämmen. Denn so viel Fläche gehört zum Forstamt Grevesmühlen.

Dann kommen die Jäger und Treiber auch in den Questiner Wald. Wenn Peter Rabe an dieses Stück Natur denkt, läuft ihm ein Schauer über den Rücken. „Hier gibt es jede Menge Dammwild. Leider auch viele Pferdekoppeln, von denen im Winter immer wieder die Zäune nicht demontiert werden. Die Hirsche verhaken sich häufig darin“, erklärt der Forstamtsleiter und verweist auf einen Fall vor wenigen Tagen.

„Der Hirsch hatte gut 20 Meter Zaun im Geweih und hatte sich an einem Baum verfangen. Sie glauben nicht, was das für ein Anblick ist, wenn so ein riesiger Hirsch Panik bekommt, aber nicht wegrennen kann“, erzählt Rabe und bittet deshalb noch einmal alle Koppeleigentümer, die Umzäunung im Winter zu entfernen, und die Autofahrer um vorsichtiges Fahren.

Gegenläufiger Trend
Nach einer aktuellen vorläufigen Hochrechnung des Deutschen Jagdverbandes ist bundesweit die Zahl der Wildunfälle gestiegen: In der Jagdsaison 2012/2013 (April 2012 bis März 2013) gab es knapp 210 000 Kollisionen zwischen Mensch und Tier. Das ist ein Plus von sieben Prozent im Vergleich zur Vorjahressaison (April 2011 bis März 2012). Vor allem die Zahl der Unfälle mit Wildschweinen ging in die Höhe. 22 000 Wildschweine waren an Verkehrsunfällen beteiligt — ein Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr.


Im Bereich des Grevesmühlener Forstamtes ist hingegen ein gegenläufiger Trend erkennbar. Es wurden aufgrund der beiden letzten langen Winter deutlich mehr Wildschweine erlegt, dadurch ist die Unfallquote um 46 Prozent gefallen.

Maik Freitag

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