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Nordwestmecklenburg Wenn Abflussrohre Musik machen
Lokales Nordwestmecklenburg Wenn Abflussrohre Musik machen
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20:23 05.01.2016
DJ Felix Jaehn war der Stargast beim Weihnachtskonzert seiner ehemaligen Schule in Schönberg.

Mit Flip-Flops Musik machen. Geht nicht? Geht doch! Das beweisen Maximilian Lau (16) und Philip Schulz (17). Das Duo hämmert damit auf einem selbst gebauten Instrument — und begeisterte damit schon auf dem Weihnachtskonzert des Schönberger Ernst-Barlach-Gymnasiums im Dezember. Auf der Veranstaltung, auf der auch DJ Felix Jaehn als Stargast auftauchte, gab es für ihren Auftritt jede Menge Applaus.

Über Monate haben die beiden Schüler an ihrem Musikinstrument gebaut. Vor rund einem Jahr hatte Philip Schulz die Idee. „Ich wollte etwas Besonderes machen, weil es mein letztes Weihnachtskonzert war“, sagt der Zwölftklässler. So klimperte er im Musikraum des Gymnasiums auf Rohren, die dort herumstanden. Er fand‘s toll, mit seiner Begeisterung steckte er Maximilian Lau an. Das Projekt war geboren.

„Zuerst wollten wir etwas mit PVC-Rohren machen“, erzählt Philip. „Da solche Rohre aber zertifiziert und somit sehr teuer sind, haben wir die Idee verworfen.“ Klar war ihnen aber, dass es nicht ganz billig wird, ein eigenes Musikinstrument zu entwickeln. Deshalb brauchten sie Sponsoren.

Einen fanden sie in Peter Trame, Chef der Schönberger Firma TLB-Haustechnik. Der gab den Schülern den hilfreichen Tipp, dass sogenannte HT-Rohre ähnlich klingen wie PVC-Rohre, allerdings wesentlich günstiger sind. Der Firmenchef bot sogar an, alle Rohre für das Musikinstrument auf Länge zu schneiden — kostenlos. Doch zuvor mussten die beiden Schüler des Gymnasiums genau berechnen, wie lang jedes einzelne Rohr sein muss, damit alle Töne zusammen passen.

Der Ton A, erzählt Philip, hat zum Beispiel entweder die Frequenz 55 Hertz oder 110. „Das staffelt sich nach oben. Der nächste Ton wäre dann 55 Hertz plus die zwölfte Wurzel von zwei.“ Das Rohr für den Ton A musste somit laut Maximilian rund 3,5 Meter lang sein. Insgesamt haben er und Philip in ihrem Instrument 36 Töne eingebaut, der tiefste ist mit dem F ein 3,6 Meter langes Rohr. Das kürzeste ist 50 Zentimeter für den höchsten Ton — E 3.

Insgesamt haben Philip Schulz und Maximilian Lau 60 Meter HT-Rohre für ihr Musikinstrument verarbeitet. Hinzu kamen 120 sogenannte 90-Grad-Bögen und noch einmal 50 Bögen mit einem Radius von 45 Grad.

Als sie alles für ihr Instrument berechnet, geplant und das Material zusammen hatten, begann die handwerkliche Arbeit.

Drei Wochen ihrer Sommerferien haben die Schüler geopfert, und jeden Tag die Rohre nebeneinander aufgestellt, sie ausgerichtet und miteinander verbunden. Mirko Schulz, der Vater von Philip, stand den beiden mit Rat und Tat zur Seite. Ihm gehört die Dassower Firma HTS. „Ohne Herrn Schulz hätten wir das Instrument nie fertig bekommen, da wir das fachliche Wissen über den Bau von HT-Rohren einfach nicht hatten“, sagt Maximilian.

Als Schlagzeug dienen die Flip-Flops. Die Laschen hatten Philip und Maximilian entfernt, sie passend zugeschnitten und mit Dichtungsband umwickelt. „Es war allerdings gar nicht so leicht, die passenden Flip-Flops zu finden“, sagt Philip Schulz. „Einige waren zu hart, andere zu weich.“

Das Instrument steht nach dem fulminanten Auftritt jetzt im Ernst-Barlach-Gymnasium. Hier soll es auch bleiben. „Ich werde es vielleicht beim Weihnachtskonzert im nächsten Jahr noch einmal nutzen“, erzählt Maximilian Lau. Nun haben die Beiden sogar eine Einladung zur Hanseschau in Wismar erhalten, um dort zu spielen.

Ich wollte etwas Besonde- res machen, weil es mein letztes Weihnachtskon- zert war.“ Philip Schulz (17)

Steffen Oldörp

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