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Nordwestmecklenburg Wenn Augen und Ohren den Dienst versagen
Lokales Nordwestmecklenburg Wenn Augen und Ohren den Dienst versagen
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21:10 26.01.2017
Grevesmühlen

„Rechte bleiben nur Papier, wenn sie nicht genutzt werden.“ Diese Worte eines Unbekannten hat sich das Kompetenzzentrum für Menschen mit Hör- und Sehbehinderungen zur Maxime gemacht. Um ihrem Leitspruch noch besser gerecht werden zu können, informiert und berät die Einrichtung in Trägerschaft des Schweriner Vereins Haus der Begegnung einmal im Quartal auch während einer Sprechstunde in Grevesmühlen.

Hilfe suchte dort in dieser Woche ein Mann, dessen Grad der Sehbehinderung einmal mit 20 Prozent eingestuft worden war. Viel schlechter sei es aber inzwischen geworden, doch was nun?

Dana Pahl, die Leiterin des Kompetenzzentrums, die zur Sprechstunde immer in der Malzfabrik anzutreffen ist, riet zur Neufeststellung der Behinderung und half zugleich bei der Antragstellung.

Der Dame, deren Hörgerät schon sechs Jahre alt ist, wies sie den Weg zu einem neuen, nicht ohne ihr Möglichkeiten der Finanzierung und der individuellen Auswahl für ihr ganz persönliches Problem aufzuzeigen. Drei Frauen und zwei Männer kamen an diesem Vormittag in die Sprechstunde.

„Die Versorgung mit Hilfsmitteln ist eines der großen Themen“, erklärt Dana Pahl zum Hilfespektrum des Kompetenzzentrums. Sie spricht von Blitzwecker und Blitzklingel als visuelle Hinweisgeber, klappe es mit dem Hören nicht. „Sprechende“ Uhren, Thermometer oder Taschenrechner sowie Vorlesegeräte seien dem Sehbehinderten wertvolle Helfer.

Vieles drehe sich bei der Beratung auch um Antragstellungen. Das Feststellen einer Schwerbehinderung, ein Reha-Antrag bei der Rentenversorgung oder wenn es um die Gewährung von Blindengeld gehe – nicht nur Tipps würden gegeben, sondern auch ganz praktische Hilfe beim Ausfüllen der Formulare geleistet. Formulierungshilfe für Widersprüche gegenüber Kostenträgern gibt es ebenfalls.

Barrierefreiheit umzusetzen, sei ein weiteres Thema, dessen sich das Kompetenzzentrum annehme, erklärt Dana Pahl.

Dabei verweist die 42-Jährige zum Beispiel auf die Ausleihe von hörverstärkenden Geräten für Vereine, wenn diese Veranstaltungen abhalten. Sollen Flyer oder andere Schriftstücke zusätzlich mit Brailleschrift versehen werden, kann das Zentrum ebenfalls helfen. Das treffe auch zu, gehe es um taktile Orientierungspläne.

Wichtig sei es Dana Pahl auch, noch einmal darauf hinzuweisen, dass „unser Zentrum Präventionsarbeit gegen Lärm und für die Gesundheit leistet – speziell für Kinder und Jugendliche“.

Unterrichtsstunden oder Projektwochen werden dabei genauso unterstützt wie Elternabende oder Lehrerversammlungen.

Informationsveranstaltungen für Menschen im erwerbsfähigen Alter und auch für Senioren werden ebenfalls angeboten. Dabei gehe es dann nicht nur um allgemeine Fragen zu Themen wie Hören und Hörschädigung, sondern auch um Hilfsmittel für hörgeschädigte Menschen, woher sie sie bekommen, was sie kosten und wer die Kosten dafür übernimmt. „Dafür stehen wir Seniorenverbände auch gern als Gesprächspartner zur Verfügung“, betont Dana Pahl. Sie ist sich sicher, die eigene Internetrecherche zu diesen Themen könne das persönliche Gespräch nicht ersetzen.

Sehr am Herzen liege ihr auch das: Menschen mit Hörgeräten wüssten oft gar nicht, dass sie eines mit eingebauter Induktionsspule, auch als sogenannte Telefonspule bekannt, besitzen.

Diese müsse lediglich vom Akustiker aktiviert werden, damit sie vom Nutzer manuell ein- und ausgeschaltet werden könne. In vielen Kirchen zum Beispiel gäbe es schon Induktionsanlagen, auch an Schaltern bei Sparkasse oder Bahn. „Das Hören wird dann zum Beispiel durch Ausblenden von störenden Nebengeräuschen bedeutend erleichtert.“

Cornelia Roxin

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