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Nordwestmecklenburg Wenn das Geld auf der Straße liegt
Lokales Nordwestmecklenburg Wenn das Geld auf der Straße liegt
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20:23 02.11.2013

Fahrräder, Portemonnaies, Schmuck: Wohl so gut wie jeder hat schon einmal etwas verloren, das ideell oder finanziell einen hohen Wert hat. Dann ist der Ärger groß, doch umso besser das Gefühl, falls das Vermisste wieder auftaucht. Deswegen haben es sich Straßenmeistereien und Fundbüros zur Aufgabe gemacht, Fundsachen zu sammeln oder zu bewahren. „Wir bekommen Fundstücke, die uns Finder und die Polizei bringen. Als Kommune sind wir dazu verpflichtet diese für ein halbes Jahr aufzuheben“, sagt Stadtsprecherin Regina Hacker über das Grevesmühlener Fundbüro. Auch für die Fundbüros der Ämter Schönberger Land und Klützer Winkel ist dies die Regel.

Der einzelne Bürger macht bei Verlorenem oft den Unterschied, ob sie verschwunden bleiben oder an den Eigentümer übergeben werden. Denn anders als in dem bekannten Sprichwort, gehören Fundsachen nicht dem Finder. „Ich habe vor etwa zwei Jahren ein Kinderportemonnaie gefunden und beim Grevesmühlener Fundbüro abgegeben. Ich würde das genauso immer wieder tun, auch wenn es eine Million Euro wäre“, erklärt die Grevesmühlenerin Ilona Beutler mit Inbrunst. Ob das Kind sein Eigentum wiederbekam, wurde der 57-Jährigen nie mitgeteilt.

„Nicht immer können wir verlorene Dinge vermitteln. Aber manchmal kann auch eine höhere Geldsumme einem Eigentümer zurückgegeben werden. Hingegen kommen gerade viele Zimmerschlüssel, Schlüsselbunde oder Autoschlüssel hier an, nach denen gar nicht gefragt wird“, sagt Anett Schliep vom Amt Klützer Winkel. Im Fundbüro des Amtes Schönberger Land wird etwas anderes besonders häufig abgegeben, berichtet die Sachbearbeiterin Christina Langer: „Fahrräder haben wir hier ohne Ende, davon sind immer ein paar da.“

Neben anderen Klassikern wie Handys, Fotoapparaten, Geldbörsen, Kleidungsstücken, Brillen, Uhren oder Taschen findet sich auch Kurioses in den Kammern der Fundbüros. Regina Hacker sagt: „Bei der letzten Versteigerung in Grevesmühlen kam eine Bibel mit kyrillischen Buchstaben unter den Hammer.“ Christina Langer berichtet von noch selteneren Funden: „Wir hatten mal einen herrenlosen Katamaran am Strand gefunden, auch ein Kanu. Das wurde später für 80 Euro versteigert.“

Wenn ein Fundstück im Fundbüro ist, muss sich erst noch ein Besitzer innerhalb der Frist melden. Geschieht dies nicht, werden die Fundsachen entweder verschrottet oder versteigert. „Wir versteigern nur etwas, das funktionstüchtig oder leicht zu reparieren ist. Der Erlös fließt dann in den Haushalt der Stadt“, sagt die Grevesmühlener Pressesprecherin. Auch im Amtsbereich Schönberger Land werden jährlich die Kammern der Fundbüros geleert. Bei diesen Versteigerungen werden durchschnittlich zwischen 250 und 500 Euro eingenommen, die dem Amt zufließen. Für das Amt Klützer Winkel sind solche Versteigerungen bisher Neuland. „Wir sammeln schon ein paar Jahre und haben nun einen größeren Bestand. Bevor der Hauptschwerpunkt Boltenhagen uns 2011 zugeordnet wurde, hat es sich einfach nicht gelohnt“, sagt Anett Schliep. Im Frühjahr 2014 soll die erste Versteigerung organisiert werden.

Weniger mit verlorenen als vielmehr mit mutwillig entsorgten Dingen haben dagegen die Straßenmeistereien zu tun. „Wir haben noch nichts Brauchbares gefunden“, erzählt Marko Wulff von der Kreisstraßenmeisterei Nordwestmecklenburgs. Gesammelt werde vor allem während der laufenden Arbeiten.

„Wir finden verstärkt Flaschen, mit denen besonders bei den Mäharbeiten gekämpft wird, da sie im hohen Gras vorher nicht zu sehen sind. Elektrogeräte gibt es auch einige, manchmal ist ein Kühlschrank dabei. Ansonsten viele Autoreifen oder Campingstühle. Im Monat kommen dabei so etwa vier Kubikmeter Müll zusammen“, erklärt der Kreisstraßenmeister. Dieser Müll muss kostenpflichtig zur Verwertung gegeben werden. Und das geht zulasten der Straßenerhaltung. „Jeder, der etwas entsorgt, sollte das nächste Mal, wenn er durch ein Schlagloch fährt, daran denken, wo das Geld hingelaufen ist“, äußert sich Wulff bitter.

Auch die Autobahnmeisterei Upahl kennt das Problem „Müll finden wir immer. Einige Leute sind so frech und lassen ihren Sondermüll einfach stehen“, sagt Autobahnmeister Mitschke. Alles, was dann entsorgt werden müsse, zahlt der Steuerzahler. „Alle drei Wochen wird der 20-Kubik-Container geleert, allerdings inklusive Raststätten-Müll. Miete und Entsorgung kosten 1000 Euro. Das ist enorm“, sagt Mitschke. Aber auch Wertgegenstände werden an der A20 gefunden: „Oft wird die Brille, der Ausweis oder das Portemonnaie auf das Autodach gelegt und vor der Weiterfahrt vergessen.“ Diese Fundsachen werden der Polizei gegeben, die es dem Eigentümer oder einem Fundbüro bringt.

Johanna Hegermann

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