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Werner von Siemens: Das verdrängte Genie

Schönberg/Menzendorf Werner von Siemens: Das verdrängte Genie

In seiner früheren Heimat erinnert 200 Jahre nach der Geburt nur wenig an den berühmten Erfinder und Firmengründer.

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Ein Grab erinnert im Menzendorfer Ortsteil Lübsee an die Eltern von Werner von Siemens. Der Name ihres berühmten Sohnes ist in der Gegend nirgendwo auf einem Schild oder an einem Gebäude zu lesen. FOTOS/REPRO: JÜRGEN LENZ

Schönberg/Menzendorf. In den prägenden Jahren der Kindheit und Jugend lebte Werner von Siemens im Schönberger Land. „Die Heimat“ nannte er bis zum Lebensende die idyllische Gegend im Nordwesten von Mecklenburg, die damals zum Land Ratzeburg gehörte. Gegen Ende seines Lebens blickte er gerne zurück: „Es waren glückliche Jugendjahre, die ich in Menzendorf mit meinen Geschwistern, ziemlich frei mit der Dorfjugend aufwachsend, verlebte.“ Doch wer heute durch die Straßen der Orte geht, in denen Werner von Siemens aufwuchs und lernte, der sucht vergebens nach etwas, das 200 Jahre nach seiner Geburt an den berühmten Pionier der Elektrotechnik und Gründer eines Unternehmens von Weltrang erinnert. Warum ist das so?

LN-Bild

In seiner früheren Heimat erinnert 200 Jahre nach der Geburt nur wenig an den berühmten Erfinder und Firmengründer.

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Ein Sohn von Siemens schenkte Schönberger Schule eine Büste

Heute erwartet die Siemens AG Bundeskanzlerin Angela Merkel und mehr als 100 weitere Gäste zu einer Gala-Veranstaltung, mit der das weltweit führende Unternehmen den 200. Geburtstag von Werner von Siemens feiert. Ähnlich festlich ging es am 2. Februar 1936 in der Realschule in Schönberg zu. Der Anlass: Übergabe einer Büste, die Werner von Siemens jüngster Sohn, Karl Friedrich von Siemens, der Schule schenkte, und einer Gedenktafel, die der Schönberger Verein ehemaliger Realschüler stiftete und die danach für alle Besucher und Passanten gut sichtbar neben dem Haupteingang der Schule hing. Werner von Siemens Enkel, Hermann von Siemens, übergab die Büste mit dem Hinweis, dass sein Großvater dem Lande Ratzeburg, der zweiten Heimat seiner Eltern, sein ganzes Leben hindurch treue Anhänglichkeit bewahrt habe und dass, wenn irgend jemand, so die Persönlichkeit Werner von Siemens in ihrem Werden und Wirken der heranwachsenden Jugend für ihr eigenes Streben die Wege weisen könne. Die stolzen Schönberger würdigten den Erfinder mit Reden und der Aufschrift der Siemens-Gedächtnistafel: „Der geniale Begründer der Elektrotechnik besuchte diese Schule.“

Zur DDR-Zeit stand die Büste

auf dem Gang zur Toilette

Davon sollte bald keine Rede mehr sein. Die Gedenktafel wurde abgenommen, die Siemens-Büste entfernt. Zwar wäre in der DDR ein ehrendes Gedenken an den bahnbrechenden Erfinder Siemens geduldet worden und die stillen Geschäfte des „Arbeiter- und Bauernstaates“ mit dem Siemens-Konzern erreichten in den 1980er Jahren dreistellige Jahresumsätze, doch ein mit Werner von Siemens verbundenes Erinnern an einen Gründer eines „kapitalistischen“ Unternehmens war nach der Ideologie der herrschenden Partei undenkbar. Von dieser Ächtung Werner von Siemens in 40 Jahren DDR hat sich das Verhältnis seiner „Heimat“ zu ihm bis heute nicht erholt.

Das Museum in Schönberg rettete die Büste und die Gedenktafel in der Zeit der SED-Herrschaft vor der Vernichtung. Bezeichnend ist allerdings die Stelle, an der die beiden Erinnerungsstücke zunächst standen. Die Museologin Heidemarie Frimodig berichtet: „Die Büste und die Tafel standen im Keller.“ An ihnen kam vorbei, wer zur Toilette wollte. Aber auch diese Präsenz wurde dem Kreis Grevesmühlen zu viel. Büste und Tafel mussten in einem Kellerraum untergebracht werden, der für die Besucher nicht zugänglich war.

Weder Siemens-Straße noch Gedenktafeln an Häusern

Möglich und erwünscht war dagegen das Erinnern an Ernst Barlach, der ebenfalls in Kinder- und Jugendjahren im Schönberger Land gelebt hatte. Eine Straße erhielt den Namen des Künstlers. An zwei Häusern, in denen die Familie Barlach gewohnt hatte, wurden Gedenktafeln angebracht. Ähnliches gibt es für Werner von Siemens bis heute weder in Schönberg, noch im benachbarten Menzendorf, wohin Siemens 1823 mit seinen Eltern und Geschwistern gezogen war. Geboren wurde er 1816 auf dem Gut Lenthe bei Hannover. Knapp sieben Jahre später pachtete sein Vater Christian Ferdinand Siemens das Staatsgut in Menzendorf. Der Sohn wurde zunächst von seiner Großmutter unterrichtet, später vom Vater, dann in der Schule unweit des Oberteichs in Schönberg und schließlich wieder in Menzendorf von einem Hauslehrer. Von 1832 bis 1834 lernte Werner im Katharineum in Lübeck. Dann verließ er das Gymnasium und die alte Heimat. Seine Mutter starb 1839 in Menzendorf. Ihr folgte ein Jahr später der Vater. Beerdigt wurden die beiden auf dem Friedhof in Lübsee.

Das Gymnasium

zog Ernst Barlach vor

Die Stadt Schönberg berücksichtigte den berühmten Erfinder nicht, als sie Straßen neu- oder umbenannte. Die Bildungsstätte, die der junge Werner besuchte, erhielt Anfang der 1990er Jahre den Namen „Grundschule Am Oberteich“. Mittlerweile ist sie einer von zwei Standorten der „Regionalen Schule mit Grundschule Schönberg“. Das Gymnasium in der Stadt gab sich im Jahr 2000 den Namen „Ernst-Barlach-Gymnasium“.

Kein Platz für Siemens

in neuer Dauerausstellung

Büste und Gedenktafel für Werner von Siemens stehen heute in einem Flur der Schule in der Amtsstraße. Der Schönberger Museumsleiter Olaf Both bietet auf Wunsch Führungen in Lübsee an. In der künftigen Dauerausstellung des Museums in Schönberg wird der Erfinder und Unternehmensgründer nicht vorkommen.

Jürgen Lenz

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