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Nordwestmecklenburg Wie Feuerwehrleute ein Leben retteten
Lokales Nordwestmecklenburg Wie Feuerwehrleute ein Leben retteten
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12:47 25.10.2018
Rainer Berger (57, r.) und sein Sohn Christian (35) sind Brandschützer in Groß Siemz (Nordwestmecklenburg). Wenn es darum geht, zu helfen, handeln sie auch in Zivil als Feuerwehrleute. Quelle: Jürgen Lenz
Groß Siemz

Die beiden Retter trugen bayerische Lederhosen, doch das spielte keine Rolle mehr, als ihre Rückfahrt vom Oktoberfest in Bonnhagen (Nordwestmecklenburg) vor einem brennenden Haus in Grieben endete. Auch ohne Einsatzbekleidung machten Rainer Berger (57) und sein Sohn Christian (35) in der Nacht zum 21. Oktober, was sie als Angehörige einer Freiwilligen Feuerwehr gelernt haben: Leben retten. Sie weckten die 89-jährige Bewohnerin, brachten sie nach draußen, in Sicherheit. Kaum zehn Minuten später schlugen Flammen aus dem Fenster, hinter dem die Frau geschlafen hatte. Es wäre ihr Tod gewesen.

Familie Berger war in der Nacht gegen 1.30 Uhr auf der Fahrt zurück nach Groß Siemz, als Rainer Berger in der Ferne etwas sah, das ein Feuerschein sein könnte. „Fahren wir mal links lang“, sagte er und bog ab in Richtung Grieben. Und tatsächlich: Als die Familie ein abgelegenes Haus erreichte, sah sie, dass ein Anbau lichterloh brannte. Im Haus war alles dunkel. „Zuerst haben wir gedacht, es ist gar nicht bewohnt“, berichtet Rainer Berger. Seine Frau Ute griff zum Handy, rief die Leitstelle an, die beiden Männer stiegen aus dem Auto, gingen zur Haustür, klopften, riefen. Der Schlüssel steckte außen, doch die Tür ließ sich nicht öffnen. Eine Kette war vorgehängt. Rainer Berger erzählt: „Dann haben wir ein bisschen Gewalt angewendet.“ Und schon war die Tür offen. Rainer Berger rief im Flur. Alles war dunkel. Dann hörte Rainer Berger ein leises „Ja?“ Es war die 89-jährige Bewohnerin des Hauses. Die beiden Retter geleiteten sie nach draußen. Christian Berger holte aus dem Haus einen Stuhl. Die Frau setzte sich. Dann ging der junge Feuerwehrmann noch einmal rein. Das Licht funktionierte nicht. Christian Berger leuchtete die Räume mit seiner Handylampe aus. Jetzt war schon alles verraucht. Einen weiteren Menschen oder ein Tier entdeckte der Feuerwehrmann nicht.

Ein Haus in Grieben (Nordwestmecklenburg) ist ausgebrannt. Die Bewohnerin wurde gerettet. Sie blieb unverletzt. Quelle: Jürgen Lenz

Nun sitzt Familie Berger zu Hause auf dem Wohnzimmersofa. Rainer Berger sagt: „Im Nachhinein ist mir klar geworden, wie brenzlig und knapp es war.“ Doch als es darum ging zu helfen, haben die beiden Brandschützer von der Freiwilligen Feuerwehr Groß Siemz nicht lange gefackelt.

War es Zufall, dass sie zur rechten Zeit am rechten Ort waren? „Vielleicht war es Vorsehung“, sagt Christian Berger.

Fest steht: Er wird in seiner Familie nicht der letzte sein, der sich ehrenamtlich engagiert. Sohn Moritz (12) und Tochter Martha (9) sind in der Jugendwehr von Groß Siemz.

Tausendfaches Engagement

Rund 40 000Männer, Frauen und Kinder in Mecklenburg-Vorpommern engagieren sich nach Auskunft des Landesfeuerwehrverbands in über 980 Freiwilligen Feuerwehren, 640 Jugendfeuerwehren und den Berufsfeuerwehren von Wismar, Rostock, Stralsund, Greifswald, Schwerin und Neubrandenburg. Der 1958 gegründeten Freiwilligen Feuerwehr Groß Siemz gehören 30 Erwachsene an. In ihrer Jugendwehr lernen zehn Mädchen und Jugend das Abc des Brandschutzes und der technischen Hilfeleistungen.

Die 89-jährige Frau ist wohlauf. Angehörige haben sich um sie gekümmert. Sie hat eine neue Bleibe.

Sind Rainer und Christian Berger Helden? Beide antworten: „Nein.“ Rainer Berger sagt: „Wir haben die Frau rausgeholt und fertig. Dann war die Sache erledigt und wir zufrieden.“

Jürgen Lenz

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