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Nordwestmecklenburg Wilderer schießen jungem Rehbock ins Ohr
Lokales Nordwestmecklenburg Wilderer schießen jungem Rehbock ins Ohr
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21:29 14.06.2016
Ein einjähriger Rehbock im Steffiner Umland – angeschossen mit Kleinkalibermunition am rechten Ohr. Jäger Roger Krancher hat den Bock erlegt und sucht nun nach den Wilderern. Quelle: privat

Es war ein Freitag Anfang Juni, als Krancher an einem Feldrand im Steffiner Umland durchs Fernglas spähte. Ein Bock stand dort – ein junger Rehbock. Mit einem Loch im rechten Lauscher. Das Ohr durchschossen mit der Patrone eines Kleinkalibergewehrs.

Jagdpächter im Raum Dorf Mecklenburg setzt 500 Euro Belohnung zur Ergreifung der Täter aus.

Mir fehlten Beweise. Mit dem durchschossenen Ohr konnte ich nun Anzeige erstatten.“ Roger Krancher

„Da war mir klar, dass das, was ich schon seit drei Jahren vermutete, wohl tatsächlich wahr ist – Wilderer sind hier unterwegs“, sagt Krancher. Woran er das festmacht? Am Kleinkaliber, sagt er. Jäger würden Großkaliber benutzen, weil die ein Tier schnell und zuverlässig töten. Kleinkaliber hingegen schafften das nicht. „Das Tier wird getroffen und leidet. Leidet lange.“

So wie der Rehbock, den ein Jagdkollege ein paar Tage später gesehen hat. Am Ortsrand von Karow auf einem angrenzenden Feld. Der Bock zog einen Hinterlauf hinterher, ist dann jedoch im dichten Feld verschwunden. Ob der noch lebt? Krancher zuckt mit den Schultern. Er weiß es nicht.

450 Hektar hat der Architekt gepachtet. Seit 1992 geht er zwischen Karow, Steffin, Dorf Mecklenburg und Rosenthal auf die Jagd. „Eine wunderbare Natur“, schwärmt der 62-Jährige. Doch der Verdacht, dass Wilderer in dem Gebiet unterwegs sind, lässt ihm keine Ruhe. Dass der Bestand des Rehwilds in den vergangenen drei Jahren gesunken ist, für ihn ein weiteres Indiz. Dass das Wild plötzlich scheuer ist, viel früher flüchtet als sonst, noch eines.

Von den Schüssen, die er ab und an hört, wenn er nach der Arbeit oder am Wochenende in seinem Revier unterwegs ist, ganz abgesehen. Krancher hat einen Stapel Papier unterm Arm. „Jagdwilderei als Straftatbestand“, „Bundesjagdgesetz“, „Tierschutzgesetz“. Wilderei ist alles andere als ein Kavaliersdelikt. Bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe stehen auf den besonders schweren Fall, der beim Wildern mit Kleinkalibermunition gegeben ist. Krancher hat nun Anzeige erstattet bei der Polizei.

Mit dem durchschossenen Ohr des jungen Rehbocks, den er dann erlegt hat. Nach ersten Erkenntnissen habe sich der Sachverhalt wohl auch so zugetragen, sagt Polizeisprecherin Nancy Schönenberg auf LN-Anfrage. Jedoch seien die ermittlungstaktischen Maßnahmen sehr begrenzt. Die Beamten seien deswegen auf Hinweise angewiesen.

Sollten Anwohner im Zusammenhang mit einem Knall etwas Ungewöhnliches bemerken – etwa eine fremde Person oder ein fremdes Auto – mögen sie die Polizei informieren. Roger Krancher hofft auf die Bevölkerung. Für den entscheidenden Hinweis zur Ergreifung der Wilderer setzt er eine Belohnung von 500 Euro aus.

 Nicole Buchmann

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