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Nordwestmecklenburg „Willi“ & Co. haben ein neues Zuhause
Lokales Nordwestmecklenburg „Willi“ & Co. haben ein neues Zuhause
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18:29 26.12.2017
„Anni“ und ihre neun Welpen einige Tage nach dem Wurf.
Grevesmühlen/Dassow

Plüschtiere findet „Willi“ cool. Und Pfandflaschen, die er sich im Vorbeigehen aus dem Einkaufskorb fischt. Rein ins Hundekörbchen, schnell einen treuherzigen Blick aufgesetzt – und sein Gegenüber kann ihm überhaupt nicht böse sein. Sandra Eichberg streichelt dem Vierbeiner übers glatte Fell. Die 36-Jährige wird ihm in Dassow ein neues, liebevolles Zuhause bieten.

Die Welpen der im September in Gostorf ausgesetzten Beagle-Dame „Anni“ sind wohlauf.

Mittlerweile 13 Wochen ist der kleine Beagle alt. Dass er es bis hierhin geschafft hat, ist seinen Rettern Susanne Ostwald aus Roxin und vor allem Doreen Kröplien aus Grevesmühlen zu verdanken.

„Willi“ ist einer von zehn Welpen einer Beagle-Dame, die im August in Gostorf von einem Unbekannten hochträchtig ausgesetzt worden war. Susanne Ostwald und Doreen Kröplien griffen sie Wochen später auf einem Feld auf, Doreen Kröplien – selbst hochschwanger – nahm sie zu sich und taufte sie auf den Namen „Anni“. Schon in der kommenden Nacht warf die Hündin ihre zehn Nachkommen, von denen neun überlebten. Teilweise mit der Flasche zog Doreen Kröplien die Kleinen auf, bat in der Öffentlichkeit um Futterspenden. Dieser Hilferuf erreichte auch Sandra Eichberg. Mit ihrer Tochter Joline (14) machte sie sich von Dassow auf den Weg nach Grevesmühlen und brachte Futter und Welpenmilch vorbei.

„Willi“ fiel beiden sofort auf. „Er war der Ruhigste im Wurf“, erinnert sich Sandra Eichberg. Aus der anfänglichen Spendenaktion wurden regelmäßige Besuche und die Entscheidung, den kleinen Racker endgültig zu sich zu nehmen. „Im Mai ist unser Beagle mit 13 Jahren verstorben. So schnell wollten wir eigentlich keinen neuen Hund“, resümiert die angestellte Baufinanzierungsberaterin. Aber irgendwie hatte es der Vierbeiner der Familie angetan. Im Haus und auf dem dazugehörigen Grundstück in Dassow fühlte sich „Willi“ schnell pudelwohl. Wie zur Bestätigung leckt „Willi“ Joline das Gesicht. Zur Hundeschule seien sie auch schon gewesen, erzählt sie.

Nun hat es „Willi“ ein Schlüsselband angetan, das er sich aus der Fototasche am Fußboden angelt. Er steuert in Richtung Doreen Kröplien, die mit ihrer Tochter, die einige Wochen nach dem Wurf von „Anni“ das Licht der Welt erblickte, auf der Couch sitzt. „Es ist schon okay für mich, dass es jetzt ruhiger im Haus wird. Keine Pfützen mehr, kein zerschreddertes Kaminholz“, zählt sie lächelnd auf und ergänzt: „Ich freue mich, dass alle Welpen ein neues, liebevolles Zuhause gefunden haben. Nächstes Jahr ist ein Treffen geplant.“ Alle neuen Herrchen/Frauchen sind in einer gegründeten Beagle-WhatsApp-

Gruppe, in der regelmäßig Kontakt gehalten und Fotos ausgetauscht werden. „Anni“ ist ausgezogen, als die Welpen acht Wochen alt waren. „Zum Schluss war sie einfach überfordert und gestresst durch die Welpen“, erläutert die Hundekennerin. Eine Familie in Schwerin hat sie zu sich geholt. „Sie hat sich gut eingelebt und ist zur Ruhe gekommen“, weiß Doreen Kröplien. Neben „Willi“ sind nun auch „Fiete“, „Emi“, „Lotta“ „Amelie“, „Alexa“, „Käte“, „Emma“ und „Bella“ gut untergebracht – fünf Hunde sind im Landkreis Nordwestmecklenburg geblieben, zwei haben in der Nähe von Flensburg, einer in Nordrhein-Westfalen und einer in Hessen ein neues Zuhause gefunden.

Diese plötzliche Ruhe im Haus ist für die große Tochter von Doreen Kröplien, Tessa, dann doch etwas ungewohnt. 25 Pflegehunde hat sie in ihrem Leben bereits miterlebt. Ihre Mama engagiert sich nämlich seit mehr als zehn Jahren im Tierschutz und ist Vorsitzende des Vereins „Denia Dogs“, der sich um die Vermittlung spanischer Straßenhunde bemüht. Von dort hat sie auch ihren Haushund „Maya“

mitgebracht, der seit mittlerweile drei Jahren bei der Familie lebt. „Von Mitte Februar bis Mitte März fahren wir wieder zur Auffangstation“, erklärt sie. Die ganze Familie und Hund „Maya“ kommen mit. „Wir wollen neben dem vorhandenen Hundehaus zwei weitere bauen. Finanziert wird das ausschließlich aus Spenden“, erklärt die Grevesmühlenerin. Auch das Geld, das sie aus dem Verkauf der neun Welpen eingenommen hat, fließt in die Vereinsarbeit. „Insgesamt haben wir 250 Hunde in der Vermittlung“, zählt sie auf. Unterstützung in Spanien hat sie von 20 ehrenamtlichen Helfern. „Willi“ liegt in seinem Körbchen und nagt an einem Plüschtier. Der ganze Trubel hat ihn jetzt doch ein wenig müde gemacht. Er legt seinen Kopf auf die Vorderbeine. Nun ist er endgültig bei Familie Eichberg angekommen; wird die nächsten Tage Frauchen Sandra Eichberg auf Arbeit begleiten. „Mein Arbeitgeber ist in diesem Punkt sehr kulant, meine Kollegen sind alle schon sehr neugierig und freuen sich auf ihn“, sagt die 36-Jährige und krault das neue Familienmitglied am Kopf. Und „Willi“ selbst lässt sich gerade durch nichts erschüttern.

Jana Franke

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