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Nordwestmecklenburg „Willkommen im Paradies“
Lokales Nordwestmecklenburg „Willkommen im Paradies“
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22:20 07.11.2017
Rote Bete aus dem Gewächshaus – Florian Fust freut sich und erklärt Rezepte. Drei große Gewächshäuser gehören zum Komplex der Tressower Kulturgärtnerei.
Tressow

„Willkommen im Paradies“, lacht Lina-Maria Köhn und steigt aus dem Transporter. Ihr und nicht nur ihr eineinhalb Hektar großes Paradies ist die „KulturGärtnerei“

Kulturgärtnerei Tressow: Zwischen Permakultur, Gewächshausmusik und Bootsbauwochenende.

Adventsbasteln

Zum Adventsbasteln wird am 23. November von 16 bis 20 Uhr in die Kulturgärtnerei eingeladen, es gibt verschiedene Mitmachkurse zum kleinen Unkostenbeitrag und natürlich gemütliches Beisammensein.

Wer zum Verein und zur Kulturgärtnerei Kontakt aufnehmen möchte, kann das über ☎ 01 71 / 3 03 75 57 oder die Facebookseite „Kulturgärtnerei Tressow“.

in Tressow – ein Vereinsprojekt mit drei großen Gewächshäusern, fünf Frühbeeten und Platz für viele Ideen, 15 Kilometer vor Wismar zwischen Barnekow und Bobitz gelegen.

„Das ist hier wie ein Rohdiamant, der nur noch geschliffen werden muss“, erzählt die studierte Schmuckdesignerin, die seit eineinhalb Jahren zu denjenigen gehört, die „schleifen“. Und schon viel geschafft haben in der Zeit: entrümpelt, den mannshohen Brombeerbüschen und den Wildschweinen Einhalt geboten, erste Veranstaltungen organisiert, Bienen und das Konzept der Permakultur angesiedelt, gepflanzt, gesät und geerntet, eingekocht und getrocknet.

Aus der ehemaligen Lehrgärtnerei des Vereins „VFBJ Tressow“ als Bildungsträger und Träger der freien Jugendhilfe wurde und wird mit neuem Trägerverein (dot.kom e.V.) ein Garten voller Kultur im weitesten Wortsinne. Eine Gärtnerei für Kulturinteressierte, eine Rückbesinnung auf sinnvolle Gartenkultur, ein Kulturtreffpunkt im Garten. Und mehr. Im Sommer gab es das erste kleine Konzert im großen Gewächshaus, zwischen den Tomatenpflanzen.

„Ich kann gar nicht übers Gelände gehen, ohne mal zu naschen“, lacht Lina Köhn und pflückt sich eine der kleinen Cherrytomaten. Die haben die Ehrenamtler gerade getrocknet als gesunde und höchst leckere Nascherei für zwischendurch. Viel Ehrenamt, viel Enthusiasmus und noch mehr Ideen: Workshops, Seminare, Konzerte und kleine familiäre Festivals könnten organisiert werden. „Vielleicht ein Bootsbaukurs übers Wochenende, an dem gemeinsam Kanus gebaut werden. Die dann im Tressower See ihre Jungfernfahrt erleben“, macht Florian Fust (36, gelernter Bootsbauer und nun leidenschaftlicher Kulturgärtner) Lust auf das handwerkliche Erfolgserlebnis, das Miteinander.

Igelhäuschen, Insektenhotel, Vogelhäuser – in der Holzwerkstatt dort könnte einiges entstehen. Benjamin Rathsack (31, gelernter Maler) arbeitet dort gerade einen alten Tisch auf. „Ich war einmal hier zum frische Luft schnappen und hab mich dann verliebt, das ist unser Baby, das langsam größer werden muss“, erzählt er. Beim Start hat die landesweite NDR-Bingo-Umweltlotterie geholfen und unterstützt das Projekt bis zu drei Jahre lang.

Aber das „Baby“ braucht Spenden und noch mehr Engagement zum Wachsen. Dank vieler Gespräche und manch einem Zufallsfund im digitalen Kleinanzeigenmarkt haben die Ehrenamtler schon Bäume, Pflanzen, Setzlinge und Möbel beispielsweise bekommen, gespendete Glasvitrinen werden zum Minigewächshaus für die Anzucht, aus Büromöbeln und Europaletten wird ein stylischer Küchentresen. Der Seminarraum, in dem beispielsweise mal Yogakurse stattfinden könnten, bräuchte noch einen Teppich. Die Holzwerkstatt Werkzeuge und Maschinen. In der Küche hat gerade das Cerankochfeld – eine Spende – den Geist aufgegeben. Genauso wie die Heizung, die nicht ganz so arbeitet, wie sie sollte. „Vielleicht finden wir auch da jemanden, der uns ehrenamtlich unterstützen möchte“, hofft Lina Köhn.

Der Anspruch der Nachhaltigkeit zieht sich durch die ganze Kulturgärtnerei. Ein essbarer „Waldgarten“ entsteht. Bäume wurden im Halbkreis Richtung Süden gepflanzt. „Eine Sonnenfalle“, erzählt Lina Köhn. Unter die Bäume kommen Erdbeeren und Kräuter beispielsweise, beschützt vom Baum wachsen die besser. Der Grundgedanke der Permakultur im Garten. Lina: „Die meisten Gärten sind Pflanzensammlungen, wir pflanzen so, dass die Pflanzen sich gegenseitig ergänzen und dauerhafte und naturnahe Kreisläufe entstehen.“

Die eigenen Bienen sind da logische Schlussfolgerung. Florian Fust hat dank Hilfe aus dem Dorf mit dem Imkern angefangen, als Nahrungsquelle entsteht eine Blumenwiese im Frühling. Aber vorher kommen Herbst und Winter – Kürbisse, Mangold, Salate, die letzten Tomaten und Paprika, Salate und Rote Bete beispielsweise werden derzeit geerntet, mit Spaten, Schaufel und Kraft. Dinge erledigt, für die man eigentlich schweres Gerät und Minibagger braucht.

Auch im Winter ist einiges zu tun: an den Fensterabdeckungen der Frühbeete löst sich die Farbe. „Die muss ganz runter, wir wollen die Farbe ja nicht in der Erde haben“, erklärt Florian Fust. Die Frühbeete werden mit Laub und Pflanzenresten gefüllt für frischen Kompost, Kräuter werden getrocknet, Geerntetes eingekocht zu Tomatenmarmelade oder leckeren Chutneys, die Samen für die kommende Saison aufbereitet. Und genauso wichtig: eine Webseite und Flyer entstehen, um mehr Aktive in die Kulturgärtnerei zu locken.

Nicole Hollatz

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