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Nordwestmecklenburg Wir sind die starken Frauen aus Klütz
Lokales Nordwestmecklenburg Wir sind die starken Frauen aus Klütz
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20:21 22.06.2013

Sie tragen derbes Schuhwerk, robuste Kleidung und schwere Schläuche, die Feuerwehrfrauen der neuen Frauenstaffel der Klützer Wehr. Und eine große Verantwortung, die tragen sie auch. „Das Schöne: Bei der Feuerwehr ist es ganz egal, ob du Frau oder Mann bist — Einsatz ist Einsatz, Ausbildung ist Ausbildung. Einen Unterschied, den gibt es nicht“, sagt Jeannette Jenner (33) aus Goldbeck. Seit Mai ist sie Mitglied der Frauenstaffel — sowie weitere fünf Mitstreiterinnen.

Gebildet hat sich die Staffel aus einer spontanen Idee heraus beim Feuerwehrball im April. „Ich habe beim Zählen sechs potenzielle Mitglieder zusammenbekommen“, erklärt Jenner: „Und da lag es eben nahe eine Frauenstaffel umzusetzen“, so die Goldbeckerin. Gesagt, getan: Alle Kameradinnen wurden angerufen und eine nach der anderen hat zugesagt. Wichtig für die Umsetzung der Frauenstaffel: Die Umkleiden und Duschen der Klützer Feuerwehr, die ausschließlich den Damen vorbehalten sind. Das erste gemeinsame Training fand dann zum Amtsfeuerwehrtag am 25. Mai statt. „Wir haben nur dreimal trainiert“, sagt Sabine Statz (42) aus Wismar: „Und trotzdem haben wir alles fehlerfrei hingekriegt“. Nur mit der Zeit, mit der haperte es.

„Die Männer sagten, dass es Spaß gemacht habe, zuzugucken“, erzählt Jeannette Jenner. Auch gab es viel Applaus für die neue Frauenstaffel. Doch es gab auch Sprüche. Einige sollen laut Jenner durchaus lustig, andere jedoch auch sexistisch gewesen sein. „Ärgerlich“, äußert die 33-jährige. „Insgesamt fällt auf, dass die Jüngeren es eher gut finden, die Älteren uns jedoch noch skeptisch gegenüberstehen“, macht Sabine Statz klar. „In unserer Wehr wurde man als Frau immer schon gut aufgenommen“, sagt Jeannette Jenner. Sie wisse jedoch, dass es in anderen Wehren auch ganz anders aussieht und die Akzeptanz für weibliche Brandschützer eben nicht so hoch ist. „Unsere Männer haben uns unterstützt“, sagt Sabine Statz. Das merke man auch daran, dass Tipps gekommen sind von ihnen.

Tipps gibt auch Eike Barkentien (28) aus Klütz en masse. Sie ist Gruppenführerin bei der Klützer Feuerwehr, betreut sowohl Männer als auch Frauen. „In der Feuerwehr ist es wichtig, als Team zusammenzuarbeiten“, sagt sie. Und: „Wenn wir schlecht sind, dann sind wir eben schlecht — aber wir sind ein Team“, verdeutlicht sie. „Wenn du einmal in der Feuerwehr bist, dann bleibst du dabei“, äußert Jeannette Jenner. Sie würde sich freuen, auch noch eine Gruppe umsetzen zu können. Für diese werden jedoch statt sechs insgesamt neun Feuerwehrleute benötigt. „Frauen ran“, ruft mit Daniel Jenner der Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Klütz aus. „Es wäre schön, wenn sie noch viel, viel mehr werden würden, die Frauen“, sagt er und fügt auch hinzu, warum. „Frauen haben komplett die gleiche Einsatzkraft wie Männer“, erklärt Jenner. Jörn Barkentien, Zugführer bei der Klützer Feuerwehr und Trainer unter anderem der Frauen, sieht dies ganz ähnlich. „Die Frauen fahren zu Einsätzen, wie jeder andere auch“, sagt er und Daniel Jenner fällt mit ein: „Sie fahren auch zur Ausbildung, wie jeder andere auch“. Die Ausbildung absolvieren die in der Frauenstaffel organisierten Frauen zusammen mit den männlichen Kollegen. Und auch bei Einsätzen bestehen die Gruppen aus Männern und Frauen. Alles ist ganz selbstverständlich.

Dies war nicht immer so. Zwar gab es bereits 1917 Löschzüge, die zur Hälfte aus Frauen bestanden, nur war dieser Umstand vor allem damit zu begründen, dass die Männer an der Front und damit für die Feuerwehr nicht verfügbar waren. Die Zeitschrift „Der Feuerwehrmann“ berichtet 1917 über „Die Frau als Feuerwehrmann“. Einen besonders hohen Anteil an Frauen in der Feuerwehr gab es auch in der DDR.

Der Grund: Sie nahmen andere Aufgaben wahr, als Männer, kümmerten sich um Brandschutzerziehung und vorbeugenden Brandschutz. 2007 startete eine Kampagne des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV) mit dem Ziel, mehr Frauen unter den Feuerwehrhelm zu bringen und das Image der Feuerwehrfrau zu verbessern. Ihr Titel: „Frauen am Zug“.

Auf fünf Plakaten stehen Überschriften wie „Wir Frauen sind zu schwach — vertreten“ und „Frauen sind Katastrophen — gewachsen“.

Dana Dolata

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