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Nordwestmecklenburg Wird die Kirchenstruktur auf den Kopf gestellt?
Lokales Nordwestmecklenburg Wird die Kirchenstruktur auf den Kopf gestellt?
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12:33 20.01.2016

Wird die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde Roggenstorf neu geordnet? Es gibt Überlegungen, die Struktur zu verändern — nicht zuletzt auch deshalb, weil sie derzeit ohne Pastorin ist. Hanna Blumenschein wechselte vor einer Woche nach Schlagsdorf. Ekkehard Maase aus Dassow und Hans-Georg Meyer aus Schwerin übernehmen vorerst die Vertretung. Die Stelle von Hanna Blumenschein wird ausgeschrieben.

Die Vergangenheit zeigte bereits, dass es schwierig ist, jemanden für diesen Posten zu finden. Vor Hanna Blumenscheins Amtsantritt im Herbst 2012 war die Stelle neun Monate vakant. Gemeindepädagogin Heidrun Fischer glaubt den Grund dafür zu kennen: „Gottesdienste und Verwaltungsarbeit für vier Kirchen — die Arbeit schafft kein Pastor auf Dauer allein.“ Zur Kirchgemeinde mit insgesamt 48 Dörfern gehören die vier Kirchdörfer Lübsee, Börzow, Kirch Mummendorf und Roggenstorf, zwischen denen die Pastoren hin- und herpendeln. Mit einer Neustrukturierung könnten neue Zentren geschaffen werden, wie Hans-Georg Meyer erläutert. So gibt es die Überlegung, die Kirchen den jeweiligen Amtsbereichen zuzuordnen. Das würde für Lübsee bedeuten, dass die Kirche dann zur Kirchgemeinde Schönberg gehört, Börzow und Kirch Mummendorf zu Grevesmühlen sowie Roggenstorf in Teilen zu Grevesmühlen und Dassow.

Für die Kirchgänger selbst würde das heißen, dass sie bei Verwaltungsangelegenheiten andere Wege gehen müssten, so Maase. Doch manche sehen das ganz anders; haben Angst, dass das Gefälle zwischen Stadt und Land zu groß wird und das Dorf nur als Anhängsel gilt, im Großen untergeht. „Ich bin gegen ein Auseinanderbrechen der Kirchgemeinden. Es wäre ein Auseinanderbrechen ohne Not“, glaubt Thomas Lenz, Prädikant (Laienprediger ) in der Kirchgemeine Roggenstorf. Und: „Die Wege werden ja nicht kürzer, die Einzugsgebiete mit einem Aufbrechen immer größer.“ Rosemarie Roxin aus Kirch Mummendorf stimmt mit ein. „Wichtig ist, dass in dünn besiedelten Gebieten die Kirche, das Leben im Dorf bleibt!“

Der Kirchgemeinderat sammelt nun erst einmal Stimmen. Die sind in Kirch Mummendorf eindeutig. Die Gemeindemitglieder sperren sich gegen eine Neuordnung, wünschen sich, dass alles so bleibt wie es ist. Ähnlich in Lübsee — zwar nicht einstimmig wie in Kirch Mummendorf, aber mehrheitlich. In Roggenstorf, so Ekkehard Maase, könne man sich eine Trennung vorstellen. Das habe eine Gemeindeversammlung ergeben. Nun liegt es an Börzow. Entscheidet sich die Gemeinde am kommenden Sonntag in ihrer Versammlung gegen eine Neuordnung, könnte in der Tat alles so bleiben wie es ist, erläutert Maase. Das Problem mit der neuen Pastorenstelle ist damit dann allerdings noch nicht gelöst. Das bereitet auch Schönbergs Amtsvorsteher Frank Lenschow Kopfzerbrechen.

„Liegt das an der derzeitigen Struktur? An den Kirchgemeindemitgliedern jedenfalls nicht“, führte er aus. Dass die Kirchgemeinde ob der Überlegungen verunsichert ist, könne er verstehen. „Wichtig ist aber, dass wir jetzt kein Konkurrenzdenken entstehen lassen.“ Mit einer eventuellen Neuordnung, so Ekkehard Maase, sollen auch keine Feinde herbeigeredet werden, wie er sagt. Die Kirchgänger könnten auch weiterhin Gottesdienst in ihrer Kirche besuchen. Denn: „Kirchgebäude stehen nicht zur Debatte. Die sollen erhalten bleiben.“

Jana Franke

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