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Nordwestmecklenburg Wismar und Poel: Trend zu Kurzurlaub hält an
Lokales Nordwestmecklenburg Wismar und Poel: Trend zu Kurzurlaub hält an
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17:58 10.07.2018
Auch auf der Insel Poel steigen die Übernachtungszahlen im Vergleich zum Vorjahr leicht an. Quelle: Ulrich Jahr
Wismar

Gute Nachrichten für Nordwestmecklenburgs Tourismusbranche: Im Vergleich zu den restlichen Reiseregionen in Mecklenburg-Vorpommern sind die Übernachtungszahlen seit Jahresbeginn bis April gestiegen – und zwar um um satte vier Prozent in ganz Westmecklenburg, in Wismar sogar um mehr als zehn Prozent.

Davon können andere Regionen im Land derzeit nur träumen – Rügen und Hiddensee hatten einen Einbruch von 7,9 Prozent, die Halbinsel Fischland-Darß-Zingst von immerhin 4,7 Prozent im Vergleich zum selben Zeitraum im Jahr 2017 zu verzeichnen. Das bestätigt der Verband Mecklenburgischer Ostseebäder, in dem unter anderem auch die Insel Poel, die Hansestadt Wismar und der Landkreis Nordwestmecklenburg Mitglieder sind.

Die Ostseebäder im Verbandsgebiet zwischen Graal-Müritz und Boltenhagen seien für den Tourismus insgesamt gut ausgebaut, lobt Verbands-Geschäftsführerin Anett Bierholz. Dennoch: In vielen Bereichen müsse an der Qualität gearbeitet werden.

Verband: Investitionen in Infrastruktur und Hotels sind nötig

„Investitionen sind in größerem Maße vor circa 25 Jahren getätigt worden. Mecklenburg-Vorpommern kommt jetzt an einen Punkt des Investitionsstaus. Hoteliers zum Beispiel sollten investieren und Geld in die Hand nehmen, um einen guten Qualitätsstandard zu erreichen. Das erwarten die Urlauber“, sagt Anett Bierholz. Doch auch in das Radwegenetz müsse investiert werden. „Wir wollen zukünftig in Mecklenburg-Vorpommern unter anderem die herrlichen Guts- beziehungsweise Herrenhäuser zur Besichtigung fokussieren. Daraus resultierend müssen wir aber auch ein gutes Fahrradnetz dorthin anbieten, um eine Tagesfahrradtour durchführen zu können“, erläutert die Geschäftsführerin.Wichtig sei aber auch, dass Busverbindungen ebenfalls obligatorisch sind, um auch Gäste zu befördern, die nicht mehr so beweglich sind.

Dass Investitionen notwendig sind, zeige das Nachbarland Schleswig-Holstein. Während die Übernachtungszahlen in Mecklenburg-Vorpommern im vergangenen Jahr rückläufig waren, verzeichnete Schleswig-Holstein ein Plus. „Es wird dort erneut enorm investiert“, sagt Anett Bierholz, nennt als Beispiel die Promenade in Timmendorf mit neuen Hotels. „Das Land ermöglicht Investitionen in die Infrastruktur.“

Die Reisedauer der Urlauber verkürzt sich

Urlauber setzen zudem nicht mehr nur auf den Langzeit-Urlaub. „Die Reisedauer verkürzt sich“, sagt Anett Bierholz. Der übliche 14-Tage-Urlaub habe sich zum 8- bis 14-Tage-Aufenthalt entwickelt, der Trend zum Kurzurlaub sei ungebrochen. In den Monaten April bis Juni und Oktober/November werde oft auch kurzfristig nach Wetterlage entschieden. „Die Vor- und Nachsaison wird mehr denn je für einen Kuraufenthalt genutzt. Die Gäste fahren bis zu 400 Kilometer – auch, um nur für kurze Zeit Urlaub zu machen“, so Anett Bierholz. Die Wahl des Urlaubsortes sei auch eine Frage der Infrastruktur. Der Gast suche vor allem in der Nebensaison nach Unterkünften, die Sauna und Schwimmbad im Angebot haben. Hinzu komme, dass der Urlaubsort natürlich die Möglichkeit zahlreicher geöffneter Restaurants bieten sollte.

Der Trend, Kurzurlaube „einzuschieben“, habe mit der Entwicklung und der Einstellung der Menschen zu tun. In unserer schnelllebigen Zeit, auch der ständigen Erreichbarkeit, reiche ein einziger Jahresurlaub für viele nicht mehr aus. „Das haben die Orte hier in Mecklenburg-Vorpommern verstanden und sich darauf eingestellt“, lobt die Geschäftsführerin des Verbandes.

„Arbeitgeber müssen kreativ sein, um Arbeitskräfte halten zu können.“

Eine Herausforderung in der Branche ist nach wie vor der Fachkräftemangel. „Es muss erst einmal gelingen, Fachkräfte, die in Hamburg, Bayern oder woanders ein tolles Angebot haben, nach zum Beispiel Rerik oder Graal-Müritz zu bewegen, zumal in anderen Bundesländern das Freizeitangebot größer oder anders ist“, so Anett Bierholz. Nachwuchskräfte definierten heutzutage das Arbeitsleben anders. Das Gleichgewicht von Arbeitslohn und Wohlfühlen am Arbeitsplatz habe Priorität. „Die Arbeitgeber müssen kreativ sein, um Arbeitskräfte halten zu können.“

Ob die guten Übernachtungszahlen in Westmecklenburg auch im zweiten Quartal des Jahres im Plus liegen, wird die nächste Auswertung zeigen. Die Statistik dazu liegt derzeit noch nicht vor.

Tourismus in Westmecklenburg: Guter Start ins Jahr 2018

39 346 Ankünfte gab es in der Hansestadt Wismar von Jahresbeginnn bis April in den Beherbergungsbetrieben, einschließlich Camping. Das entspricht einem Plus von ganzen 10,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Es wurden 92 807 Übernachtungen gemeldet. Das entspricht einem Plus von 11,6 Prozent.

Für das Ostseebad Insel Poel wurden von Januar bis April 6781 Ankünfte – das sind immerhin 0,8 Prozent mehr als noch 2017 – und 42 594 Übernachtungen (plus 0,1 Prozent) in Beherbergungsbetrieben gemeldet.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer betrug hier 6,3 Tage.

Michaela Krohn

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