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Nordwestmecklenburg Wismarbucht: Backhaus ist gesprächsbereit
Lokales Nordwestmecklenburg Wismarbucht: Backhaus ist gesprächsbereit
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22:35 22.01.2016
Die Insel Walfisch liegt mitten in der Wismarbucht, sie ist bereits ein Vogelschutzgebiet.

Beim Thema Europäisches Vogelschutzgebiet „Wismarbucht und Salzhaff“ geht Till Backhaus (SPD) auf die Kritiker zu. Der Minister für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz hat Naturschützer, Wassersportler, Angler sowie Gemeindevertreter in dieser Woche nach Schwerin eingeladen. Es wurde sich über die Ausübung moderner Wassersportaktivitäten im betroffenen Areal beraten. Vor allem Wassersportler und Angler hatten den vorgestellten Managementplan harsch kritisiert.

„Für mich stellt der Plan eine Handlungsmaxime dar, an der wir auf Grundlage naturschutzfachlicher Gutachten nachjustieren können“, sagte Backhaus beim Treffen. Die Beteiligten einigten sich im Sinne der im Jahr 2005 geschlossenen Freiwilligen Vereinbarung weiter im Gespräch zu bleiben und am aktuellen Managementplan im Interesse aller Seiten zu arbeiten. „Ich bin sehr dankbar denen gegenüber, die an der Freiwilligen Vereinbarung mitgearbeitet haben, denn so ein freiwilliges Abkommen ist für mich mehr wert, als mit administrativen Anordnungen zu arbeiten", so der Minister.

Bei aller Kompromissbereitschaft deutete Backhaus aber nochmals darauf hin, dass es einen Schutzauftrag nach europäischen Anforderungen gebe, der zu erfüllen sei. „Darüber hinaus sollte uns allen auch ganz persönlich daran gelegen sein, diesen Schatz an der Küste zu bewahren. Andernfalls drohen Sanktionen“, meinte der 56-Jährige. Deshalb erwarte er von allen Beteiligten Dialog, Kreativität und Ergebnisorientiertheit.

Anlass zur Diskussion gaben bislang vor allem die im Managementplan vorgeschlagenen Einstiegsstellen für Surfer und Kiter. Sie waren bisher so gelegen, dass die Sportler je nach Windrichtung in nahegelegene Schutzgebiete gedrängt werden können. Das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt habe seine Unterstützung bei der Suche nach verträglichen Einstiegsstellen angeboten und bereits erste Vorschläge unterbreitet. Auch gegenüber punktuellen Flächenerweiterungen zeigten sich der Minister und die anwesenden Naturschützer offen.

Der Dialog mit den Angelvereinen soll ebenso intensiviert werden. Sie befürchten, ihre Reviere innerhalb des Schutzgebietes zeitweise gar nicht mehr nutzen zu dürfen. Zudem soll das Driftangeln verboten werden. Nun sind Arbeitsgruppen geplant, in denen die Angler ihre individuellen Bedürfnisse noch einmal konkret herausarbeiten. Einig waren sich Teilnehmer darüber, dass es einen Verhaltenskodex braucht, der von allen Interessengruppen akzeptiert und umgesetzt wird.

Das Europäische Vogelschutzgebiet „Wismarbucht und Salzhaff“ umfasst insgesamt 42472 Hektar, die Ostseefläche darin beträgt 24373 Hektar. Das Gebiet zeichnet sich durch eine arten- und individuenreiche Vogelwelt mit bedeutsamen Brut- und Rastbeständen aus, die für die Ostseeküste typisch sind. Küstenseeschwalbe und Sturmmöwe kommen landesweit fast nur noch hier vor. Im Sommer mausern tausende Höckerschwäne sowie zahlreiche Schell- und Eiderenten in den Flachwasserzonen.

Doch auch Wassersportler, insbesondere Kiter und Surfer, zieht es ganzjährig in den hochsensiblen Lebensraum zwischen dem Festland und den Inseln Poel, Langenwerder, Walfisch sowie der Halbinsel Wustrow. Der aktuelle Managementplan schlägt vor, den Wassersportlern im Sommer 59 Prozent und im Winter 39 Prozent der gesamten Wasserfläche zur Nutzung zur Verfügung zu stellen.

Projektgruppe erarbeitete freiwillige Vereinbarung

2005 unterzeichneten Umweltministerium, Wassersportler, Angelvereine sowie die Gemeinden die Freiwillige Vereinbarung „Naturschutz, Wassersport und Angeln in der Wismarbucht“.


Die „Projektgruppe Wismarbucht“, die sich 2002 mit dem Ziel gegründet hatte, einen tragfähigen Kompromiss zwischen naturschutzfachlichen Anforderungen und Nutzerinteressen zu erreichen, brachte die Freiwillige Vereinbarung auf den Weg.

24373 Hektar beträgt die Wasserfläche innerhalb des Schutzgebietes „Wismarbucht und Salzhaff“. Laut Managementplan stehen den Wassersportlern im Sommer 59 Prozent und im Winter 39 Prozent zur Verfügung.

Daniel Heidmann

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