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Wismarer Hafen vor großer Herausforderung

Wismar Wismarer Hafen vor großer Herausforderung

Norddeutsche Bundesländer beraten über Zukunft der Häfen / Genting-Konzern will vertiefte Zufahrt für Bau von Kreuzfahrtschiffen.

Wismar. Vertreter der fünf norddeutschen Bundesländer haben jetzt in der Hanse- und Kreisstadt Wismar über die Zukunft der Seehäfen an Nord- und Ostseeküste diskutiert. Bei dem informellen Treffen standen unter anderem EU-Bürokratie, Schadstoffausstoß und Hinterlandanbindung im Mittelpunkt.

Auf Straße, Schiene oder Seeweg – wie die Umschlagsgüter in und aus den Häfen kommen, entscheidet maßgeblich über die Attraktivität der Seehäfen. Kein Wunder also, dass die Vertreter Hamburgs, Bremens, Niedersachsens, Schleswig-Holsteins und Mecklenburg-Vorpommerns mehr als zufrieden waren mit den Maßnahmen, die im Rahmen des Bundesverkehrswegeplanes umgesetzt werden sollen. Allein für die Entwicklung des Hafenhinterlandes in Norddeutschland stehen dafür rund 17 Milliarden Euro in den kommenden 15 Jahren zur Verfügung. Maßnahmen, die dringend erforderlich seien, sagt Mecklenburg-Vorpommerns Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD). Bis 2030 werde sich der Umschlag in den Seehäfen gegenüber 2010 vermutlich verdoppeln.

Auch in Wismar rechnet Christian Pegel weiter mit einer positiven Entwicklung. So plane der malaysische Konzern Genting, von 2019 an ein bis zwei Kreuzfahrtschiffe von der Kiellegung bis zum Ausbau in der Hansestadt zu fertigen. Eine seeseitige Vertiefung des Hafens sei deshalb früher notwendig, als bislang geplant. Pegel habe in einer Anhörung im Bundestag dafür geworden, den Ausbau deutlich früher zu realisieren als bislang geplant. „Die Nachfrage von Genting eröffnet die Chance, dass der Bund die Maßnahme im Hinblick auf die Dringlichkeit neu bewertet“, ist Pegel zuversichtlich. Knapp 80 Millionen Euro würde die Vertiefung der seeseitigen Hafenzufahrt von derzeit 9,50 Meter auf 11,90 Meter kosten. Genting selbst habe den Wunsch geäußert, bereits 2019 durch das vertiefte Fahrwasser transportieren zu können. Doch Pegel zählt die üblichen Verfahrensschritte auf. Dämpft die Erwartungen. „Mitte der 2020er Jahre – das wäre schon ein Erfolg.“ An Investitionen in den Umbau oder in die Erhaltung der norddeutschen Häfen mangelt es grundsätzlich nicht. Als problematisch hingegen stufen die Vertreter der Länder eine Neuregelung aus Brüssel ein. Demnach müssen selbst Umbau- und Erhaltungsinvestitionen erst über den Tisch der Europäischen Union. Ein Zeitverlust von bis zu anderthalb Jahren, der in den Seehäfen für sinkende Umschlagszahlen sorgen würde, sagt Pegel. Die Länder wollen auch deshalb enger mit dem Bund kooperieren und ihre Interessen gegenüber der EU gemeinsam vertreten. Darüber hinaus soll es einen intensiveren Austausch geben zwischen Landesregierungen und Berlin.

Insgesamt aber haben die Seehäfen in Norddeutschland trotz kontinuierlicher Steigerungsraten das Niveau vor der Wirtschaftskrise noch nicht wieder erreicht. In Mecklenburg-Vorpommern ist Rostock der am schnellsten wachsende Hafen. Auch der Seehafen Wismar konnte im vergangenen Jahr einen Umschlag zu See von 3,7 Millionen Tonnen verzeichnen – das sind zehn Prozent mehr als im Jahr 2014. Allein in Sassnitz sind sowohl die Zahlen beim Passagierverkehr als auch beim Güterumschlag rückläufig. Die Russland-Sanktionen würden hier noch immer Wirkung zeigen, sagte Minister Christian Pegel.

Wirkung zeigen auch die neuen Grenzwerte für Schadstoffemissionen. Während der schleswig-holsteinische Verkehrsminister Reinhard Meyer (SPD) für Brunsbüttel als Standort für Flüssiggas-Betankung warb, haben die Rostocker bereits eine Anlage installiert. Flüssiggas als Antriebskraft der Zukunft – vor allem die Kreuzfahrtbranche steht mehr und mehr unter Druck.

Seit 2012 treffen sich Minister und Staatssekretäre der Länder zum Hafenentwicklungsdialog. Seit 2014 ist auch Mecklenburg-Vorpommern dabei. Erstmals fanden die Gespräche im Land statt.

Nicole Buchmann

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