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Nordwestmecklenburg Wismarer Studenten bauen für die Ärmsten in Südafrika
Lokales Nordwestmecklenburg Wismarer Studenten bauen für die Ärmsten in Südafrika
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19:12 10.01.2018
Wismar

Im Februar diesen Jahres wird eine Gruppe von Wismarer Studenten wieder nach Südafrika fliegen, um dort zu helfen und auch zu lernen. Sie wollen ein Selbstbauprojekt im Township Joe Slovo West – ein Armenviertel, das hauptsächlich aus Wellblechhütten besteht und in dem der Volksstamm der Xhosa lebt – im südafrikanischen Port Elizabeth umsetzen.

Studenten aus Wismar und Bewohner haben gemeinsam im Armenviertel von Port Elizabeth (Südafrika) einen kleinen Laden gebaut. Quelle: Foto: Privat

Ein Ort, von dem sich Touristen meist fernhalten. Doch die Wismarer Studenten fliegen auch nicht dorthin, um Urlaub zu machen, sie wollen dort arbeiten. Es geht ihnen um ein Projekt, das weit über den Gedanken der Entwicklungshilfe oder der studentischen Praxis hinausgeht.

Sie wollen verschiedene Projekte, die vorher in Wismar am Rechner zeichnerisch entworfen wurde, gemeinsam mit den Einheimischen in die Praxis umsetzen. „Wir arbeiten an verschiedenen Entwurfsaufgaben. Ein Gemeindezentrum für Gottesdienste und Gemeinschaftsveranstaltungen, ein kleiner Shop oder eine kleine Sporthalle“, erklärt Larissa Niemann. Sie gehört zu den Master-Studenten, die sich unter der Leitung von Professorin Silke Flaßnöcker von der Fakultät Gestaltung mit dem Thema auseinandersetzen.

Die Gruppe besteht aus 15 bis 20 Studierenden, die weit über den Tellerrand der Architektur blicken dürfen und auch müssen. Sie lernen, was einen guten Architekten neben der Designidee ausmacht. Der Blick darauf, was wirklich gebraucht wird, was tatsächlich umsetzbar ist und was nachhaltig wirkt.

Architektin Silke Flaßnöcker ist die, die zur Weit- und zur Weltsicht anregt. Um eben nicht als gut situierte Europäer mit Spendengeldern und falsch verstandener Entwicklungshilfe Schulen dort hin zu bauen, wo keine Kinder sind oder keine Infrastruktur vorhanden ist, um die Kinder zur Schule zu bringen.

Die Idee der Wismarer ist einfach. Die südafrikanische Regierung ist seit Jahren dabei, die Wellblechhütten in den Armenvierteln durch einfache Häuser zu ersetzen. Die Wismarer Studenten versuchen, mit guten Ideen, Recycling und Gespür für die Bedürfnisse vor Ort diese so genannten Mandela-Hütten zu erweitern. Beispielsweise um einen Anbau für eine Werkstatt oder einen kleinen Laden, damit die Menschen vor Ort auch für ihren Lebensunterhalt arbeiten können.

„Wir greifen Geschäftsideen aus der Gemeinde auf und versuchen diese mit unseren Bauten zu unterstützen“, erklärt Silke Flaßnöcker. Sie war in Port Elizabeth am Bau der Fußballstadien zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010 beteiligt, bevor sie 2013 zur Wismarer Hochschule gekommen ist, hat die Studenten schon im Februar 2017 nach Afrika begleitet und lockt nun wieder mit der positiven Grenzerfahrung.

„Es war eine unglaubliche Erfahrung“, erzählt Masterstudent Morten Fuchs, der genau wie Larissa Niemann schon bei der ersten studentischen Südafrika-Reise dabei war. Damals bauten sie eine Werkstatt für Hilda, eine Flaschensammlerin. Ein einfacher Raum mit Spüle und Arbeitstisch und ganz viel Zukunft. Ein wichtiger Aspekt: Die Menschen vor Ort werden mit eingebunden – Studenten der Nelson Mandela University und des Port Elizabeth College helfen mit genauso wie die Bewohner der Viertel. Diese werden geschult für ihre jeweilige Geschäftsidee. Nachhaltigkeit ist das, was Studenten und Professorin wollen, keine leere Schule, die zerfällt und zur Quelle für Baumaterial wird.

Als Partner vor Ort stehen den Wismarern der kenianische Architekt Kevin Kimwelle und die Non-Profit-Organisation „IndaloWorld“ zur Seite. So entsteht Entwicklungshilfe in beide Richtungen: die jungen Erwachsenen sehen eine Welt, die ihnen als Touristen verborgen bliebe, und sie können etwas Geplantes mit den eigenen Händen umsetzen und erste internationale Erfahrungen und Kontakte knüpfen.

Die Menschen in Südafrika profitieren von der Hilfe, den Ideen und dem Wissen der Wismarer Studenten. Das nächste Projekt wird größer – auch dafür ist die groß angelegte Spendensammelaktion über die Internetplattform www.betterplace.org angelegt worden. Fast 10000 Euro brauchen die Studenten für Baumaterial. Die Flugkosten tragen sie selbst, die Unterkunft und Verpflegung übernimmt ein Sponsor. Der Rest sind Ehrenamt und Enthusiasmus. „Wir wollen nicht nur nach Afrika reisen, etwas bauen, ein tolles Foto machen und dann zurückfliegen. Wir wollen sicherstellen, dass die Projekte Zukunft haben“, betont Professorin Flaßnöcker.

Hier kann für das Projekt gespendet werden

15 bis 20 Studierende der Hochschule Wismar wollen im südafrikanischen Port Elizabeth ein Gemeindezentrum, einen Shop oder eine kleine Sporthalle bauen.

Dafür benötigen sie Spenden, die über die Internetplattform www.betterplace.org/p51290 gesammelt werden. Fast

Auf der Webseite der Fakultät (https://fg.hs-wismar.de, Link Projekte) gibt es weiterführende Informationen und ein Video der Studenten, das das Projekt vorstellt. 10000 Euro brauchen die Studenten für Baumaterial.

Nicole Hollatz

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