Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Nordwestmecklenburg Wohnen im „Dornröschenschloss“
Lokales Nordwestmecklenburg Wohnen im „Dornröschenschloss“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:26 21.12.2017

Wer es nicht besser weiß, der könnte glauben, dass in Rankendorfs Ortsmitte eine Kirche steht. Von weitem ist ein Turm zu sehen, der in die Höhe ragt. Und auch der Rest des Baus ähnelt einem Gotteshaus. Doch tatsächlich handelt es sich um ein Wohngebäude. Das Objekt war auch nie eine Kirche. Vielmehr ist es das besondere Wahrzeichen von Rankendorf:

„Räucherkaten“ oder „Speckturm“ genannt.

In diesem außergewöhnlichen Gebäude leben Andrea Mock und ihr Mann Michael. Im Jahr 1995 haben sie eine Hälfte des Hauses gekauft. „Mir erschien es wie ein Dornröschenschloss. Ich habe mich sofort verliebt“, erinnert sich die 54-Jährige. Ganze 18 Jahre lang brachten sie und ihr Mann das neue gemeinsame Heim dann nach und nach auf Vordermann. Es hat viele Nerven und nicht weniger Geld gekostet.

Doch für Andrea Mock ist klar: „Die ganze Mühe hat sich gelohnt. Wir haben uns ein respektables Kleinod geschaffen, auf das wir stolz sein können. Wir haben das Dornröschenschloss wachgeküsst.“

Bei dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude handelt es sich um einen Katen, der 1856 für vier Tagelöhnerfamilien gebaut wurde. Das Haus besteht fast ausschließlich aus beschlagenen Feldsteinen.

Dazu baute man einen Turm an, in dem Rinder- und Schweinehälften geräuchert wurden. „Es war schon damals ein kombiniertes Wohn- und Geschäftshaus“, erzählt Andrea Mock. Um den Speckturm rankt sich eine kleine Legende: Die Ähnlichkeit des Baus mit einer Kirche rührt der Erzählung nach daher, dass die Einwohner von Rankendorf einst einen großen Wunsch hatten – ein eigenes Gotteshaus im Ort. Doch der Pastor von Roggenstorf sah keine Notwendigkeit. Er verwies darauf, dass die Leute zum Gottesdienst in die nahegelegene Roggenstorfer Kirche kommen könnten. Daraufhin sollen die Rankendorfer das kirchenähnliche Rauchhaus erbaut haben – in gewisser Weise als Protest.

„So ein Haus hat sonst keiner“, sagt Andrea Mock stolz. Und sie will ihr spezielles Heim auch nicht mehr aufgeben. Sie schätzt diesen Ort zum Leben. „Die Entscheidung, nach Rankendorf zu ziehen, haben wir damals auch der Kinder wegen gefällt“, erklärt die Mutter zweier Söhne (31 und 26 Jahre alt). Nachdem sie und ihr Mann selbst in der Stadt aufgewachsen waren, stand für beide fest: „Das wollen wir für unsere Kinder nicht. Sie sollen in einer ruhigen, ländlichen Gegend groß werden.“

Auf den verschlungenen Pfaden der Umgebung unternahmen die Eltern mit ihrem Nachwuchs einst idyllische Radtouren. Jetzt sind die Kinder aus dem Haus. Heute nutzt Andrea Mock die gleichen Wege für Kutschfahrten. Denn sie besitzt zwei Shetland-Ponys. Hinzu kommen zwei Hunde, ein Kater und zahlreiche Schlappohren, die auf dem Grundstück leben. Denn die gebürtige Vogtländerin engagiert sich seit 2003 im Kaninchenzuchtverein Grevesmühlen. „Ich wollte schon immer viele Tiere haben“, sagt sie und ergänzt: „Man sagt doch immer: Das letzte Kind hat Fell.“ Für die Diplomingenieurin für Lebensmitteltechnologie, die lange in der Hotelbranche gearbeitet hat und jetzt Fahrerin eines Anrufbusses ist, sind die Tiere unter anderem auch „Kummerkasten“. Denn Ehemann Michael ist als Lkw-Fahrer oft nicht zu Hause. Der 54-Jährige weiß, was er an seiner Frau hat. „Wenn ich sie nicht hätte, würde das zu Hause alles gar nicht funktionieren. Sie managt den ganzen Alltag. Dafür bin ich sehr dankbar.“

Daniel Heidmann

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Rankendorf ist ein Ortsteil der Gemeinde Roggenstorf, die wiederum zum Amt Grevesmühlen-Land gehört. Weitere Ortsteile sind Alt-Greschendorf, Grevenstein und Tramm.

21.12.2017

Der neue Spielplatz auf der Bürgerwiese in Grevesmühlen ist gestern eingeweiht worden.

21.12.2017

Der Preßenhof am Rand von Rankendorf ist beliebt bei Naturliebhabern.

21.12.2017
Anzeige