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Nordwestmecklenburg ZUR REFORMATION
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20:42 04.08.2017

Anlässlich der Reformation vor 500 Jahren hat sich Manfred Rohde aus Grevesmühlen mit der Entwicklung des neuen Glaubens im Klützer Winkel beschäftigt, hier der zweite Teil:

Am 27. Dezember 1529 brachen die von Plessen mit Gewalt in das Land Ratzeburg ein („Plesseneinfall“), um den Prediger zu befreien. Ihnen folgte der gesamte Adel des Klützer Winkels mit 100 Pferden und vielen Trossknechten und forderten Schloss Schönberg durch einen Trompeter zur Kapitulation auf. Der Bischof ließ mit drei Kanonenschüssen antworten. Das Schloss ergab sich nicht. Zum Stürmen aber war die Ritterschaft zu schwach.

So überfielen sie das Stift, plünderten sechs Dörfer und beraubten die Kapelle zu Blüssen.

Die Beute betrug über 4000 Mark an Wert (mehr als 1,4 Millionen Euro nach heutigem Wert) und wurde zu Gutow bei Damshagen verteilt. Auch Joachim von Both zu Kalkhorst nahm an diesem Raubzug teil, wohl mit entsprechend vielen Kalkhorster Trossleuten. Ebenso Volrath und Reimar von dem Brook zu Brook.

Bei der Plünderung ließen die verschiedenen Adligen 251 Pferde, 279 Kühe, 465 Schafe und 32 Schweine mitgehen. Die Trossleute werden natürlich auch ihren Anteil mitgenommen haben. Der Bischof klagte vor dem Reichskammergericht gegen die Teilnehmer des Raubzuges und erreichte in einem sich lang hinziehenden Prozess die Verurteilung derselben zu einer Bußgeldzahlung. Ob diese jedoch jemals geleistet wurde ist ungewiss.

Inzwischen kam der in Schönberg inhaftierte Prediger Thomas Aderpuhl in der ersten Hälfte des Jahres 1531 frei und wurde wieder in Gressow eingesetzt. Dort geriet er jedoch mit den Bauern in Streit, worauf er durch einen anderen Prediger ersetzt wurde.

Aderpuhl, der ohne Zweifel der erste lutherische Prediger im Klützer Winkel war, wirkte später in Malchin und dann bis zu seinem Tode 1556 in Bützow als Pastor.

Die Besetzung der Pfarrstellen mit evangelischen Predigern nahm ihren Fortgang, doch wurden auch diese vom Adel schwer bedrückt und ihre Einkünfte sehr beschnitten.

Auf dem Lande hing es meist von der Persönlichkeit des einzelnen Pfarrers und seiner Stellung in der Gemeinde ab, wie rasch die neue Lehre Fuß fasste.

In Klütz, Diedrichshagen und Friedrichshagen waren bereits 1530, in Mummendorf 1532, und in Damshagen 1534 evangelische Pastoren durch den Adel eingesetzt worden, trotz des bischöflichen Patronats und erbitterten Widerstandes. Zu den ersten evangelischen Predigern zählten neben Aderpuhl u.a. : Caspar Brügge (Damshagen), Nicolaus Schütte (Bössow), Steffen Prütze (Diedrichshagen), Anton Ebberth (Grevesmühlen), Christian Ringelstede (Dassow), Nicolaus Grim (Elmenhorst) und Theodor Walman (Klütz).

Im Jahre 1540 war der gesamte Klützer Winkel lutherisch.

1541/42 fanden die ersten Kirchenvisitationen in ganz Mecklenburg statt. Aus den Visitationsprotokollen jener Zeit geht hervor, dass der 1508 in Kalkhorst eingeführte Pfarrer Heinrich Blaffert um 1540 der erste evangelische Pastor der dortigen Gemeinde wurde und diese zum lutherischen Bekenntnis führte. Auf dem Landtag in Sternberg wurde schließlich am 20. Juni 1549 die evangelische Lehre ganz offiziell durch die Herzöge Johann Albrecht I. und Heinrich V. zur verbindlichen Staatsreligion in Mecklenburg erklärt.

LN

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