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Nordwestmecklenburg „Zu helfen, war mir immer ein Bedürfnis“
Lokales Nordwestmecklenburg „Zu helfen, war mir immer ein Bedürfnis“
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20:32 17.11.2016
Nur Kaffeekränzchen reichen Lore Faasch aus Zierow nicht aus für ein erfülltes Rentnerleben. FOTO: NICOLE BUCHMANN

Lore Faasch ist außer sich. Seit Tagen funktioniert das Internet nicht in ihrem Haus in Zierow. Dabei kommen fast jeden Tag E-Mails aus der Zentrale in Köln.

E-Mails, die informieren, die der kleinen Unicef-Gruppe um Lore Faasch bei ihrer ehrenamtlichen Arbeit helfen sollen.

Gerade bereiten sie und ihre Mitstreiter den Weihnachtsstand für den Markt auf Gut Brook vor. Fünf Kartons voller Karten stehen im Flur in Zierow. Ob sie alle verkaufen? „Es sind meist die Älteren, die Karten kaufen“, sagt Lore Faasch. Dieses Mal hat Udo Lindenberg welche beigesteuert – hat in bewährter Panikrocker-Manier für Unicef gezeichnet.

Begonnen hat Lore Faaschs Engagement für Kinder in der Welt damit, dass sie selbst jedes Jahr gespendet hat. Bis die Organisation sie ansprach, fragte, ob sie nicht auch ehrenamtlich tätig werden wolle. Die Gründungsveranstaltung im Wismarer Rathaus vor zehn Jahren war der Auftakt. Ein Mal im Monat treffen sie sich seitdem. „Wir waren richtige Heimatlose“, erzählt Lore Faasch aus den Anfangsjahren. Ohne festen Raum saßen sie mal in einer Kneipe, mal in der Winterkirche von St. Nikolai. Bis sie am Spiegelberg im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirche einen Treffpunkt von Dauer fanden. Helfen, Kindern helfen, das sei ihr ein Bedürfnis, sagt Lore Faasch. „Ich mag Kinder – sie sind offen, sagen, was sie denken. Das ist nicht immer angenehm – aber nun.“

Spenden einwerben, Karten verkaufen, mit Menschen sprechen – längst ist das nicht alles, was Lore Faaschs ehrenamtliche Arbeit ausmacht. Vieles will organisiert werden. Und mit den Jahren fällt vieles auch nicht mehr so leicht. „Wir werden immer weniger Autofahrer in unserer Gruppe – da müssen wir dann schon gucken, wie wir zu unseren Aktionen kommen.“

Grundlage jenes Engagements ist das Leiden anderer. Und die Truppe um Rentnerin Lore Faasch diskutiert. Diskutiert über die Bilder aus Aleppo, die im Fernsehen und im Internet Menschen zeigen, Kinder in Trümmern, Kinder mit leerem Blick, Kinder, die tot in den Armen ihrer Väter liegen. „Es ist so viel Elend auf der Welt“, sagt Lore Faasch und führt den Satz nicht fort. Auch man selbst habe nur ein bestimmtes Maß, in dem das zu verkraften sei. Manchmal, gibt sie zu, schalte sie die Nachrichten auch einfach ab. „Ich darf manchmal nicht weiter darüber nachdenken – sonst kriege ich die Krise.“

Lore Faasch geht dann in den Garten. Die Wut weghacken. „Das hilft.“

Und sie glaubt daran, dass ihr Engagement etwas bewegt. „Denken Sie an die Trinkwasserbrunnen in Afrika. Oder ein Toilettencontainer in einem der riesigen Flüchtlingslager – manchmal ist der schon Gold wert.“

Auf der Feier zum zehnjährigen Bestehen lobte Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) das Engagement: „Sie schauen über den Tellerrand hinweg – solche Menschen brauchen wir auch.“

Zehn Jahre Unicef in Wismar

Im Herbst 2006 haben sich fünf Leute in Wismar zusammengetan und sich ehrenamtlich Unicef angeschlossen.

Seitdem treffen sie sich ein Mal im Monat im Gemeindehaus der evangelisch-lutherischen Kirche am Spiegelberg. Mehr Informationen zur Gruppe in der Hansestadt gibt es im Internet unter www.wismar.unicef.de

Unicef ist das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen. Gegründet wurde es 1946, um Kindern im Nachkriegseuropa zu helfen.

Nicole Buchmann

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