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Nordwestmecklenburg Freie Republik am Goldensee ausgerufen
Lokales Nordwestmecklenburg Freie Republik am Goldensee ausgerufen
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22:02 09.11.2018
War der Gesang zu Beginn der Veranstaltung noch etwas schüchtern, so zeigten Band und Sänger mit dem letzten Lied, wie viel Power und Leidenschaft in ihnen steckt. Demokratie und Rock - passt gut zusammen! Quelle: Dorothea Baumm
Groß Thurow

Stell Dir mal ’ne Welt ohne Länder vor, ohne Grenzen. Nichts, wofür es sich zu töten lohnte, auch keine Religion. Ist gar nicht so schwer. Das hat John Lennon im September 1971 gesungen: „Imagine“, den Song kennt wohl fast jeder. „Du kannst sagen, ich wär’ ein Träumer“, singt er da, „aber ich bin nicht er einzige.“ Dass das stimmt, war heute in der Begegnungsstätte des Vereins Alte Schule am Goldensee zu spüren.

Hier sehen Sie weitere Fotos von der Feierstunde im Workcamp am Goldensee

Träumer, wohin das Auge blickte. Ganz junge Menschen noch, 16 bis 25 Jahre die meisten, andere wiederum an der Schwelle zum vergnügten Rentnerdasein, wie Christof Müller, aber auch der: ein Träumer. Träumer, ja, aber keine Spinner, keine Fantasten. Nicht ohne Grund nannte sich das ganze Workcamp, was ja, Schreck, lass’ nach, „Arbeitslager“ heißt. Und auch wenn dort nicht körperlich geschuftet wurde, so haben die jungen Frauen und Männer doch ziemlich viel geleistet.

Zwei, die sich mit Herz, Seele, aber auch viel Hirn für Jugendliche und Europa engagieren: Kooperationspartner Christof Müller vom Verein Alte Schule und Katharina Teiting vom IBB. Quelle: Dorothea Baumm

Ihre Themen: Menschenrechte, Demokratie und aktive Bürgerschaft. Erarbeitet in Workshops, Exkursionen und Experimenten. Sie kamen aus der direkten Umgebung, aber zu je einem Drittel auch aus Dänemark und der Ukraine. Das Alter hat sie geeint, die Lust auf Leben, auf neue Erfahrungen. Andererseits hätten ihre Voraussetzungen unterschiedlicher nicht sein können.

Noch nie im Ausland gewesen

„Junge Menschen in der Ukraine haben nicht gelernt, wie man Verantwortung übernimmt, und dass man das tun sollte“, sagte Viktoriia Chetverikova. Mehr noch: Für einige aus ihrer Gruppe sei dies die erste Auslandsreise gewesen, berichtete die 30-jährige Deutschlehrerin. „Was für eine wunderbare Chance zu sehen, wie groß die Welt ist – und dass wir die Grenzen setzen können. Wir halten es in unseren Händen!“

Ach ja, die Ukraine, schon klar, da kann man sich viel vorstellen und glaubt fast alles, denn die Ukraine, die ist weit weg. Während wir hier in Westeuropa... Ja, wie ist es denn hier in Westeuropa? Alles Gold? Von wegen. Viktor sagte: „Es wird schwer, jetzt zurück nach Dänemark zu gehen.“ Verwunderte Gesichter bei einigen der „erwachsenen“ Gäste und Zuhörer. Die Erklärung des 21-Jährigen aus Roskilde: In Dänemark gehe es den Menschen gut. Zu gut, um ihnen mühelos klarmachen zu können, wie wichtig es sei, ein aktiver Bürger zu sein.

Kriege und Hass sind unsinnig

Das haben die jungen Menschen in diesen zwei bewegten und bewegenden Wochen gelernt. Dass es wichtig ist, für Menschen- und Bürgerrechte einzustehen. Dass Kriege und Hass unsinnig sind und nirgendwohin führen. Sie waren im ehemaligen Konzentrationslager in Neuengamme, sie haben das Schlagsdorfer Museum Grenzhus besucht und das Hansemuseum in Lübeck.

Für sie alle ein Meilenstein: die Begegnung mit Marianne Wilke, die als Halbjüdin den Naziwahnsinn in Deutschland überlebt und sich dennoch ihre menschenfreundliche, tolerante und liebevolle Art bewahrt hat. Ein weiterer Meilenstein: die Begegnung mit Burghard Pieske. Der Abenteurer und Weltumsegler berichtete den jungen Leuten von Segelfahrten mit jungen Leuten und dem Wikingerboot – woraufhin alle am liebsten sofort in See gestochen wären. Das muss nun warten. Ist aber für den kommenden Sommer fest geplant. Das haben Pieske und Müller direkt im Anschluss an die Feierstunde vereinbart.

Werdet Botschafter!

Im kommenden Sommer sind also auch Müller und Pieske erneut „Generation Europe“. Sie machen weiter, die jungen Männer und Frauen ebenso, ganz so, wie Kreispräsident Füllner es sich in seinem Grußwort gewünscht hat. Der hat sich gewünscht, „werdet Botschafter für dieses Projekt, für ein offenes und freies Europa“, und zum Schluss hat er gesagt „Glück auf für diese Zielsetzung“.

Das kam bei den Jugendlichen gut an, und auch bei den Organisatoren. Alle gemeinsam haben sie noch einmal das bunte Zelt gerockt und der herbstlichen Kälte mit ihren Visionen, ihrer Leidenschaft und Energie Paroli geboten. „Wir haben einen Traum“, gaben sie ihren Gästen mit. „Einen Traum von einer Welt ohne Gewalt, aber voller Solidarität. In der wir nicht nur auf die eigenen Probleme gucken, sondern auch auf die der anderen. Können wir eine solche Welt bauen? Ja, sicher können wir das!“

Was ist Generation Europe?

30 Jugendeinrichtungen aus 14 europäischen Ländern machen mit bei Generation Europe, einem Programm des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks e.V. IBB. Das Konzept: Jugendliche aus jeweils drei Ländern arbeiten über einen Zeitraum von drei Jahren zusammen. Das Ziel: Sie sollen lernen, sich politisch einzumischen.

An Generation Europe sind Jugendeinrichtungen aus Nordrhein-Westfalen, Thüringen, Schleswig-Holstein, Brandenburg und der Stadt München beteiligt. Jede dieser Einrichtungen hat eine Projektpartnerschaft mit zwei weiteren Jugendeinrichtungen aus insgesamt 13 anderen europäischen Ländern geschlossen.

Wer das erlebt hat, die unbändige Freude an der Gemeinschaft, am gemeinsam Erreichten, der nimmt den Verkündern der Freien Republik am Goldensee ihre Botschaft ab: „Wir können eine ideale Welt bauen, aber wir müssen bei uns selbst anfangen. Wir sind Regisseur des Films ,Leben’!“ Weiter so, Jungs und Mädels. Träumt weiter. Und: Lang lebe der Geist der Freien Republik am Goldensee!

Mehr über den Verein Alte Schule

Dorothea Baumm

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