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Nordwestmecklenburg Zwei Winterdienste für 1,4 Kilometer
Lokales Nordwestmecklenburg Zwei Winterdienste für 1,4 Kilometer
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20:26 16.01.2016
Retelsdorfer sind mit dem Winterdienst unzufrieden. Quelle: Christine Borgwaldt

Einwohner des kleinen Dorfes Retelsdorf bei Schönberg sind verärgert. Was den Winterdienst betrifft, fühlen sie sich wie das fünfte Rad am Wagen. Besonders ärgerlich war es für die 25 Einwohner am 8. Januar — dem ersten Tag im Jahr 2016, an dem es richtig geschneit hat. Mehrere Anwohner berichten, dass die Straße von Roduchelstorf in Richtung Retelsdorf bis zum Ende der Autobahnbrücke — also gut ein Kilometer — von Schnee befreit wurde und auch vernünftig gestreut war. Anders sah es dagegen auf den rund 400 Metern vom Ende der Autobahnbrücke bis ins Dorf aus. „Dort lag Schnee und es war glatt“, sagt eine Einwohnerin, die seinerzeit gegen 7.45 Uhr mit dem Auto unterwegs war. „Auch zwei Stunden später war die Straße noch nicht beräumt“, sagt eine andere Frau kopfschüttelnd.

Den Winterdienst auf der 1,4 Kilometer langen Straße von Roduchelstorf nach Retelsdorf teilen sich nach Auskunft von Jens Hillbrecht vom Amt Schönberger Land zwei Gemeinden. Die etwa 1000 Meter lange Strecke, auf der der Winterdienst offenbar gute Arbeit geleistet hatte, gehört zur Gemeinde Roduchelstorf. Die restlichen 400 Meter gehören zu Retelsdorf und damit zu Schönberg, denn das Dorf ist Ortsteil der Kleinstadt. Retelsdorfer sprechen von einem Schildbürgerstreich, dass für die so kurze Strecke zwei Winterdienste verantwortlich sind. Was sie besonders ärgert: wenn auf den einen Winterdienst Verlass ist, auf den anderen jedoch nicht. „Das nützt uns gar nichts“, beklagt eine Einwohnerin.

Laut Aussage von Jens Hillbrecht muss der Winterdienst die Straßen in und um Schönberg bis 8 Uhr beräumt haben — auch die Ortsteile. Das soll an dem besagten Freitag auch in Retelsdorf passiert sein, sagt Hillbrecht. Er habe mit dem zuständigen Firmenchef der Winterdienstfirma gesprochen. Der habe ihm versichert, dass morgens gegen 6.30 Uhr jemand zum Streuen nach Retelsdorf gefahren ist.

Die beiden Frauen aus dem Dorf, die morgens unterwegs waren, bestreiten das. „Davon haben wir nichts gemerkt.“ Laut Hillbrecht soll der Winterdienst im Laufe des Vormittags sogar ein zweites Mal in Retelsdorf gewesen sein. Dass am Vormittag ein Fahrzeug da war, beobachtete ein Anwohner aus Retelsdorf. Was ihm jedoch aufgefallen ist: Die Qualität des Winterdienstes ist offenbar unterschiedlich.

„Auf dem Roduchelstorfer Abschnitt war der Schnee gut beräumt und alles gut gestreut. Auf dem Retelsdorfer Teil war die Straße dagegen noch glatt“, erzählt er. „Wenn die Stadt schon nicht dafür sorgt, dass hier vernünftig geräumt wird, sollte sie die Nachbargemeinde beauftragen und Roduchelstorf dafür bezahlen“, schlägt er vor. Das, sagt Jens Hillbrecht vom Amt, gehe allerdings nicht — aus versicherungstechnischen Gründen und weil es „zurzeit keine vertragliche Regelung zwischen den beiden Gemeinden gibt.“

Nach so vielen bürokratischen Hürden hoffen die Retelsdorfer, dass es keinen schneereichen Winter gibt. „Denn das am Freitag, das war doch nur Spaß“, so ein Anwohner und ergänzt: „Ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn es viel schneit und der Winterdienst in Schönberg richtig zu tun hat. Wahrscheinlich gar nichts.“ Schließlich gehören sieben Ortsteile zu Schönberg. Und Fakt ist:

Hauptverkehrsstraßen wie die Lübecker Straße, das Gewerbegebiet und Straßen, auf denen Schulbusse fahren, haben laut Hillbrecht höchste Priorität für den Winterdienst. Die obere Feldstraße in Schönberg, die Straßen Am Speckturm und im Grünen Weg werden zum Schluss beräumt. Letztlich, so Hillbrecht, entscheide aber der Winterdienst selbst. Und dadurch, befürchten die Retelsdorfer, haben sie schlechte Karten. Schließlich ist Retelsdorf das kleinste Dorf, das zu Schönberg gehört. Hinzu kommt, dass es mit sechs Kilometern am weitesten von Schönberg entfernt liegt, die wenigsten Einwohner der sieben Ortsteile hat und gerade einmal 400 Meter beräumt werden müssen.

Was Bürgermeister Lutz Götze (SPD-Fraktion) über die Anliegen der Retelsdorfer denkt, ist übrigens unklar. Auf zwei schriftliche Anfragen hat er nicht geantwortet. Drei telefonische Versuche blieben ebenfalls unbeantwortet, obwohl er einen Rückruf per SMS zugesichert hatte.

Ärger gibt es auch in Wismar
Auch in Wismar herrscht Unzufriedenheit. Einwohner sprechen von teilweise spiegelglatten Wegen, Radfahrer seien gestürzt. Als Beispiele nannten sie die Ecke am Fischerturm/Schiffbauerdamm und die Gehwege an der kleinen Grünfläche im unteren Bereich der Breiten Straße. Diese Einschätzung deckt sich mit vielen kritischen Hinweisen, die am Winterdienst zwischen Ostseeblick und Dargetzow geübt wurden. Teilweise gingen Fußgänger auf der Straße, weil Gehwege spiegelglatt waren. Bauamtsleiterin Nadine Domschat-Jahnke sicherte eine umgehende Prüfung zu.
Ich möchte nicht wissen, was passiert, wenn es viel schneit und der Winterdienst in Schönberg richtig zu tun hat. Wahrscheinlich gar nichts.“Einwohner aus Retelsdorf

Steffen Oldörp

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