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Zwei ehemalige Lehrer zeigen das Grauen der Grenze

Schlagsdorf Zwei ehemalige Lehrer zeigen das Grauen der Grenze

Das Grenzhus in Schlagsdorf hat eine neue Sonderschau eröffnet: „18 Fluchtorte. Ratzeburger See bis Boizenburg 1976 bis 1989“.

Schlagsdorf. Die neue Sonderausstellung „18 Fluchtorte. Ratzeburger See bis Boizenburg 1976 bis 1989“ belegt im Grenzhus in Schlagsdorf eindrucksvoll, wie weit Menschen zu gehen bereit sind, die sich nicht mit ihren Lebensumständen abfinden wollen. Erke Kurmies, dem diese Ausstellung zu verdanken ist, sagt: „Die Fotos zeigen die Blindheit und letztlich die Ohnmacht der DDR: Gegen die Träume, Hoffnungen und Verzweiflung der Menschen ließen sich keine noch so hohen Zäune errichten.“

 

LN-Bild

Erke Kurmies (l.) und Andreas Wagner haben aus der Arbeit zweier Lehrer eine Ausstellung gemacht.

Quelle: Dorothea Baumm

Erke Kurmies und Klaus Lemitz verbindet manches. Beide sind Hamburger Lehrer im Ruhestand, beide sind Nachkriegskinder, für die die Grenze ein neuralgischer Punkt war. Sie hatten noch zu DDR-Zeiten viele Jahre Grenzerfahrung, beide haben den Hang, nachzuforschen, unangenehme Fragen zu stellen, den Dingen auf den Grund gehen zu wollen. Und so kam nach der Pensionierung die Idee, gelungene und gescheiterte Fluchtversuche zu recherchieren.

Als Lehrer war ihnen klar, dass das nicht mal eben in der Mittagspause zu erledigen ist. „Wir mussten einen Forschungsantrag stellen – mit klarer Formulierung des Themas“, erzählt Kurmies. Von 2006 bis 2008 haben sie dann in Görslow in der Außenstelle des Bundesbeauftragten für die Stasi-Unterlagen recherchiert. „Uns wurde ein Mitarbeiter zur Seite gestellt, der uns eine Auswahl von Fällen rausgesucht hat. Unsere Ergebnisse beruhen auf dem damaligen Kenntnisstand: Keine Namen, kein Fluchthintergrund, wir hatten ausschließlich das, was die Ermittler protokolliert und dokumentiert haben.“

Im Gespräch mit dem Berater haben Kurmies und Lemitz ihre Forschung lokal und in der Zeitebene eingeschränkt. „Unsere Kriterien waren: wir waren Anfänger, das Grenzgebiet sollte nahe an Hamburg liegen und wir wollten Fluchten nach 1976 untersuchen.“ Warum 1976? Kurmies, ganz alter Geschichtslehrer, erinnert an den „Fall Michael Gartenschläger“. Der hatte die Staatsführung der DDR Lügen gestraft, als er am 30. März 1976 eine Selbstschussanlage vom Typ SM-70 demontiert hatte. Bis dahin hatte die DDR-Spitze den Einsatz von Selbstschussanlagen an der innerdeutschen Grenze bestritten.

Derart eingegrenzt, ergab die Recherche schließlich „18 Fluchtorte. Ratzeburger See bis Boizenburg 1976 bis 1989“. In der Ausstellung im Grenzhus ist natürlich eine Karte zu sehen, für den regionalen Überblick. Jedem Fluchtort ist ein Bild gewidmet, die Anordnung ist chronologisch. Die Bilder, schwarz-weiß, ohne umfassende Erläuterung, sollen für sich sprechen. Zum Beispiel Fluchtort 4, am 28.

Januar 1982, bei Dechow am Culpiner See. Der Bildtext, knapp: „Eine männliche Person, 36 Jahre, löst beim Überwinden des Grenzzaunes die Selbstschussanlagen aus und schafft es trotz schwerster Verletzungen, über den zugefrorenen Culpiner See das Ufer der Bundesrepublik zu erreichen.“

Ausführlicher informiert die begleitende Broschüre. Es war der damals 37-jährige Hans Brandt, dem die Flucht gelungen war. Und obwohl ihn in der BRD eine Welle der Hilfsbereitschaft erreichte, kehrte der Kraftfahrer der LPG Carlow am 7. Mai des gleichen Jahres zurück in die DDR.

Öffnungszeiten der Ausstellung: bis 20. Dezember montags bis freitags 10 bis 16.30 Uhr, sonnabends und sonntags 10 bis 18 Uhr

Dorothea Baumm

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