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Nordwestmecklenburg Von Bienen und dicken Oberarmen
Lokales Nordwestmecklenburg Von Bienen und dicken Oberarmen
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12:23 01.11.2018
Imker Andreas Gerber bei den Bienenstöcken, die zurzeit auf dem Hof der Familie stehen. Die Bienen hatten einen langen Sommer – doch nun bereiten sie sich auf ihre Winterruhe vor. Quelle: Annett Meinke
Hilgendorf

Es war ein langer Sommer – für Imker Andreas Gerber und für seine Bienenvölker. „Arbeitsreich“, sagt der 38-Jährige, gebürtige Upahler, der aus Diedrichshagen stammt und seit 2012 in Hilgendorf lebt. Dass er nun bald wieder Upahler ist, weil Plüschow mit Upahl fusioniert, findet er „in Ordnung“. Genau wie der Sommer für ihn zumindest „gut war, denn der davor, mit dem vielen Regen“, sagt er, „war für mich und meine Bienen eine Katastrophe.“ Im Sommer kommt Gerber leicht auf eine 80-Stunden-Arbeitswoche. Doch so ist das nun mal, meint er, wenn man ein eigenes Geschäft hat, das man liebt.

Gerber führt mit der Imkerei „Der Cremige“ nicht nur eine Imker-Familientradition weiter, er hat auch, wie der gelernte Kfz-Mechaniker sagt, „seine Berufung gefunden.“ „Mein Großvater in Thüringen hatte Bienen“, berichtet er. „Mein Onkel in Thüringen auch. Mein Vater, der nach Mecklenburg kam, hat das nicht weitergeführt. Doch jetzt hilft er mir hier in meiner Imkerei.“ Immer, wenn Andreas Gerber als Kind seinen Onkel in Thüringen besuchte, war das erste, was er machte, wenn er dort ankam – „hin zu den Bienen.“ Von den acht Bienenvölkern des Onkels übernahm er nach dessen Tod zwei. Damit fing für ihn die Sache mit der eigenen Imkerei dann an.

Nicht von Haus aus immun

„Aus zwei Völkern wurden acht, aus acht 32 und jetzt sind es noch viel mehr“, sagt Gerber und grinst. Wer glaubt, Imker seien von Haus aus immun gegen die Stiche ihrer Bienen, der irrt. „Manchem Imker macht es anfangs gar nichts aus, und dann auf einmal, nach 40 Jahren und vielen Stichen, reagieren sie auf das Gift der Bienen plötzlich allergisch.“, sagt er. Bei ihm lief es anders herum. Er hat anfangs, sagt er, an den Armen ausgesehen wie „Popeye“ – die amerikanische Comic-Figur, die immer Spinat aus der Büchse trinkt und daraufhin dicke, fette Oberarme bekommt. In etwa solche Beulen, sagt Gerber augenzwinkernd, hat er an den Oberarmen bekommen, als Reaktion auf die ersten, zahlreicheren Stiche. Inzwischen reagiert sein Körper nicht mehr so. Aber ob das mit der Immunität seines Körpers gegen das Bienengift bleibt, meint er, kann man nicht wissen.

Hat - leider –zugestochen, beim Imker Andreas Gerber, die kleine Arbeitsbiene. Damit neigt sich ihr überaus arbeitsreiches Leben nun dem Ende zu. Quelle: Annett Meinke

Es gibt „liebe und böse Bienen“, sagt Gerber und meint damit – welche, die aggressiv auf den Imker und Menschen losgehen, denen man sich ohne Voll-Verhüllung gar nicht nähern kann und solche, die entspannt sind im Umgang mit den Menschen, die ihren Honig wollen. Letzere züchtet Gerber. Er hat einmal mit Königinnen-Neubesatz ein aggressives Bienenvolk „umerzogen“. Dabei half ihm auch die Natur – denn Bienen leben ungefähr nur 6 Wochen. Mit dem Einsatz einer anderen Königin konnten dann anders geartete Nachfahren erzeugt werden. Doch ganz so einfach war es nicht. Zweimal wurde die neue Königin totgestochen – erst beim dritten Anlauf, als die Königin selbst erst im Stock schlüpfte, wurde sie vom Volk akzeptiert. Mit der dann erzeugten Generation konnten endlich die sanften Nachfahren das Ruder übernehmen.

Von Raps bis Robinie

Gerbers Bienenvölker kommen weit herum, in Mecklenburg, aber auch bis nach Brandenburg. Gesammelt wird je nach Blütezeit, Nektar vom Raps, von der Lindenblüte oder in diesem Jahr auch von Lindenblättern, von Robinien – Honig von Robinien heißt bei manchen Imkern auch Akazien-Honig – doch nicht bei Gerber. „Akazienhonig ist meistens Robinienhonig, und deshalb heißt er bei uns auch so.“, sagt Andreas Gerber. Mit ungefähr 20 Völkern ist Gerber auch in der Brandenburger Heide noch im Spätsommer und Herbst unterwegs.

Normalerweise werden die Bienenvölker schon Mitte Juli bis Ende Juli auf die Winterruhe vorbereitet. Die fliegenden Nektareinsammler werden gegen Milben behandelt und mit Sirup gefüttert, um den Winter gut zu überstehen. „Sie brauchen Ersatz für den Honig, den man ihnen wegnimmt“, sagt Gerber. „Manche Landwirte legen auf schlechteren Böden oder schlechter zu erreichenden Ecken ihres Landes inzwischen auch Bienenweiden an, wo sich die Tiere dann für den Winter versorgen können.“ Die Winterzeit überstehen die Bienen, indem sie ihren Stoffwechsel herunterfahren und sich wegen der gesunkenen „Zimmertemperatur“ im Stock, eng „aneinanderkuscheln“, in einer Art Traube zusammenhängen.

Familie Gerber( v.l.): Kerstin Gerber, Töchterchen Charlotte und Andreas Gerber. Dass die Kleine mal in seine Imker-Fußstapfen tritt, hofft der Imker. Freuen würde es ihn jedenfalls, sagt er. Quelle: Annett Meinke

Gemeinsam mit seinem Vater und seiner Frau kümmert sich Andreas Gerber um das Imkergeschäft, wobei seine Frau Kerstin, sich nicht direkt an den Bienenstöcken zu schaffen macht. „Sie ist nicht scharf auf Bienenstiche“, sagt Gerber. Er und sein Vater arbeiten selten in Schutzanzügen, sie nähern sich den Stöcken im Sommer sogar in kurzen Hosen. „Deshalb eben legen wir Wert auf sanfte Bienen“, lacht der Imker. Ob Töchterchen Charlotte, die gerade einmal zehn Monate alt ist, die Passion ihres Vaters für die Bienen einmal übernimmt, das weiß man nicht, sagt Andreas Gerber. „Aber schön wäre es, wenn sie keine Angst vor Bienen hat und Lust hat, das einmal weiterzuführen. Ist doch schön, wenn ein Geschäft, das man aufgebaut hat, in Familientradition weitergeführt wird.“

Das ist Honig, der von Gerbers Bienen stammt. Stolz ist er besonders auf den Robinien-Honig, der etwas ganz Besonderes ist. Aber letztlich, sagt Andreas Gerber, ist jeder Honig, den seine Bienenvölker produzieren, etwas ganz Besonderes. . Quelle: Annett Meinke

Der kleine Hofladen der Imkerei, direkt auf dem Hof der Gerbers, hat jeden Mittwoch geöffnet, immer von 17 bis 20 Uhr. Da kann man dann Honig und noch vieles andere, das mit Bienen zu tun hat, kaufen. „Inzwischen kommen die Leute von überallher aus Mecklenburg“, freut sich Gerber. Es hat sich also schon im Land herumgesprochen – Honig aus Hilgendorf in Nordwestmecklenburg schmeckt extra gut.

Ein Bauernzaun traditioneller Machart grenzt den Hof der Gerbers zur Straße hin ab. Das Haus der Gerbers wurde als Holzhaus nach skandinavischem Vorbild komplett neu auf dem Grundstück gebaut. Dort stand früher eine alte Scheune, die zum Gutshaus in Hilgendorf gehörte. Quelle: Annett Meinke
Auf dem Gerber-Imker-Hof befindet sich der Hofladen, der jeden Mittwoch von 17 bis 20 Uhr geöffnet ist – das ganze Jahr über. Quelle: Annett Meinke

Annett Meinke

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