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Nordwestmecklenburg Seniorenresidenz ist kein Wohnheim
Lokales Nordwestmecklenburg Seniorenresidenz ist kein Wohnheim
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14:06 27.09.2018
In der Seniorenresidenz Alte Schäferei findet betreutes Wohnen statt. Betreiber ist die Arbeiterwohlfahrt (AWO), Vermieter der Appartements de Wobag Grevesmühlen. Quelle: Annett Meinke
Grevesmühlen

Viele Leute denken, dass die Seniorenresidenz Alte Schäferei zum DRK-Seniorenheim am Tannenberg, das vor der Wohnanlage steht, gehört. „Ist aber gleich zweimal komplett falsch“, sagt Cornelia Bleiß (53), die Leiterin der Seniorenresidenz – man könnte sie vielleicht auch die „Hausdame“ nennen. Es ärgert sie immer, wenn sie Leuten von der Wohnanlage erzählt und die abwinken und sagen: „Nee, das ist doch das Altenheim da am Tannenberg, dahin will ich nicht.“

Betreutes Wohnen ist eigenständiges Wohnen

„Wir sind kein Seniorenheim, wir sind ein von der Arbeiterwohlfahrt betreutes Wohnen“, sagt Cornelia Bleiß dann – und meistens lacht sie auch, wenn sie das immer und immer wieder erklären muss. Obwohl es sie eigentlich schon stört, wie wenig Menschen immer noch den Unterschied zwischen einem betreuten Wohnen und einem Seniorenheim zu kennen scheinen. Und dass auch viele Grevesmühlener offenbar nicht wissen, dass das DRK-Seniorenheim am Tannenberg das eine – und das Betreute Wohnen der AWO, die Seniorenresidenz Alte Schäferei mit zwei Häusern dahinter, das andere ist. Immer wieder erklärt sie dann den Leuten auch, was denn betreutes Wohnen bedeutet. Sie erklärt, dass es sich um eigenständige Wohnungen in einer Wohnanlage handelt, jeweils 29 in einem Haus.

Dass im Haus 4 mehr Paare in größeren Wohnungen leben, im Haus 5 mehr Einzelpersonen, in etwas kleineren Appartements. Dass die, die keinerlei Hilfe oder Pflege brauchen, vollkommen für sich leben, so wie vorher auch – lediglich einen bestimmten Service dazubekommen – mal mehr, mal weniger, je nach Bedürfnislage.

Zu dem Service in der Residenz gehört unter anderem, dass am Dienstag ab 8 Uhr ein Bäcker-, ein Obst- und ein Schlachter-Wagen auf dem Parkplatz der Anlage stehen. Auch am Freitag, ab 13 Uhr. Wem das Angebot dort nicht ausreicht, der kann am Dienstag in der Zeit von 13 bis 14 Uhr mit Cornelia Bleiß und dem Anlage-eigenen Kleinbus-Transporter mit zum Lidl einkaufen fahren. Acht Personen können mitfahren, Cornelia Bleiß chauffiert. „Erst kauft jeder für sich ein, dann kaufen wir für andere ein, die nicht mitkommen können, per Einkaufsliste “, erzählt sie. Auch am Mittwoch fährt Cornelia Bleiß in der Zeit von 9 bis 11 Uhr in das Stadtzentrum von Grevesmühlen. „Die Leute kaufen entweder ein oder besuchen Ärzte in dieser Zeit. Um 11 Uhr sammel ich sie wieder ein“, sagt sie.

Wer außerhalb dieser Fahrzeiten etwas zu besorgen hat, ruft den Anrufbus, viele Anlagenbewohner sind aber noch mobil mit eigenem Pkw. Denn in die Residenz kann man schon ab 60 Jahren ziehen. Wer gesundheitlich beeinträchtigt ist, auch schon vorher.

Nicht erst dann kommen, wenn man schon eine Pflegestufe hat

Cornelia Bleiß findet, dass sich die Leute zu spät entscheiden, aus ihrem Haus oder ihrer Wohnung auszuziehen. „Wer erst kommt, wenn er schon viel Pflege braucht, die er natürlich hier auch über unsere Awo-Sozialstation, über die Pflegerinnen, die dann kommen, erhält, kann die Schönheit des Lebens hier gar nicht so genießen, wie er es könnte, wenn er noch fit wäre.“ So wie zum Beispiel Rosemarie Tralau (73), die vorher in Upahl in einem Haus wohnte.

Als es mit Haus und Hof schwerer wurde – die Kinder hatten alle ein eigenes Haus – und ihr Sohn die Seniorenresidenz vorschlug, sagt sie: „Wollte ich erst nicht, weil ich auch dachte: Oh, nein, jetzt werde ich ins Altenheim abgeschoben. Doch als ich diese hübsche, helle, freundliche Wohnung mit Balkon sah, und verstand, worum es ging, da war alles klar.“ Seit drei Jahren wohnt die Upahlerin nun in der Alten Schäferei. Sie ist viel mit ihrem Elektro-Rad unterwegs, fährt schnell mal rüber in die Stadt, freut sich aber auch über die Angebote, die Cornelia Bleiß an „ihre“ Senioren macht.

An jedem Mittwochnachmittag passiert etwas anderes – für die, die Lust haben. Spiele in den Awo-Seniorencafés, die es in beiden Häusern im Erdgeschoss gibt, Ausfahrten mit dem Kleinbus, mal ins Museum, mal zum Eisessen oder ins Restaurant oder zu Kaffee und Kuchen irgendwohin. Manchmal gibt es auch Kino oder ein gemeinsames Grillfest. Cornelia Bleiß, die seit 16 Jahren in der Seniorenresidenz arbeitet, lässt sich einiges einfallen.

Sich mal alles selbst anschauen – am Tag der offenen Tür

Man merkt Anlagen-Chefin Bleiß an, wie gern sie dort arbeitet. Und wenn sie sagt, sie selbst würde gerne im Alter, wenn sie nicht mehr so richtig kann und klarkommt in ihrem Haus in Hanshagen, am liebsten in eine der Wohnungen der Anlage ziehen, dann meint sie das auch so.

Für Notfälle gibt es übrigens auch einen Knopf in jeder Wohnung. Der Notruf geht an eine zentrale Leitstelle, die leitet dann die entsprechenden Maßnahmen ein. „Manch einer drückt vielleicht ein bisschen öfter drauf, manch einer weniger“, sagt Cornelia Bleiß. Die Schwestern der Sozialpflegestation sind jedenfalls immer erreichbar. Immer hat jemand Bereitschaft. Auf ihre Kolleginnen ist Cornelia Bleiß genauso stolz wie auf „ihre“ Anlage. „Wenn da einer hingefallen ist, nachts um 3 Uhr, und nicht mehr hochkommt, dann kommen sie. Es gibt nur noch wenig Menschen, die so einen Beruf ausüben wollen, mit Schichten, auch sonn- und feiertags.“

Die Wohnungen werden von der Wobag Grevesmühlen vermietet, auch der Hauswart Reimund Röchert, der für alle Bewohner der Ansprechpartner ist, wenn der Abfluss mal verstopft ist oder irgendetwas nicht funktioniert, ist bei der Wobag angestellt. Ihn und Cornelia Bleiß können Interessierte am 29. September in der Zeit von 11 bis 15 Uhr kennenlernen.

Auch von der Wobag, Abteilung Vermietung, wird jemand vor Ort sein, genauso wie Wobag-Chefin Uta Woge. „Die Leute sollen ihre Eltern nehmen und einfach mal herkommen und schauen“, sagt Cornelia Bleiß. „Sie werden überrascht sein.“ Zurzeit ist alles vermietet, aber wer sich rechtzeitig anmeldet, hat bessere Karten, meint Cornelia Bleiß – und „mehr Zeit die Zeit in der Seniorenresidenz zu genießen.“

Annett Meinke

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