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Ostholstein 100 Prozent Hingabe für die Kunst
Lokales Ostholstein 100 Prozent Hingabe für die Kunst
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23:50 10.09.2013
Viele Entwürfe, am Ende ein perfektes Ergebnis: Maike Weilandt mit ihrem Totenschädel. Quelle: Foto: Thomas Klatt
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Fehmarn

Wenn es um die Verwirklichung ihrer Vorstellung geht, lässt Maike Weilandt nicht locker.

Die Aufgabe im Kunstunterricht lautete für alle: einen Totenschädel herzustellen. Zunächst sollte man sich aber über die Anatomie informieren, um sich dann an die Modellage mit Pappmaché zu machen.

„Maike hatte mehrere Entwürfe angefertigt und immer wieder verworfen — dabei war jeder der Entwürfe perfekt“, zeigt sich Brigitte Ilgen beeindruckt. Maikes Vorstellungen hätten sich während des Herstellungsprozesses immer wieder geändert. Sie habe dabei die Fähigkeit, ihren Vorstellungen möglichst nahe zu kommen und sei dafür auch bereit, einen hundertprozentigen Einsatz zu leisten.

Dieser „rücksichtslose Einsatz“, aber auch Maikes hohes Maß an Authentizität und die Fähigkeit, individuelle Vorstellungen umzusetzen und ihnen möglichst nahe zu kommen, seien Voraussetzungen, um letztlich ein Ergebnis zu erreichen, „das man tatsächlich auch als Kunst bezeichnen kann“, so Ilgen.

An den Herstellungsprozess kann sich nicht nur die Lehrerin, sondern auch Mutter Angelika Weilandt nur allzu gut erinnern. Ein ganzes Wochenende habe ihre Tochter bis in die Nacht hinein an dem Schädel gearbeitet. „Unser Wohnzimmer sah in dieser Zeit aus wie eine Werkstatt“, erinnert sie sich schmunzelnd. Maike hat dabei noch die entsetzten Gesichter von Mitschülern und Familienmitgliedern vor Augen, als „ich den eigentlich fertigen Schädel nochmal genommen und komplett gespalten habe“. Nägel aus dem Kopf — das war‘s irgendwie noch nicht. Stattdessen besorgte sie sich das Sägeblatt einer Kreissäge vom Schrotthändler. Wie (selbst-)zerstörerisch das sein kann, was im Inneren des Kopfes vor sich gehe, habe sie damit besser zum Ausdruck bringen können, erläutert sie. „Ihr war das Ergebnis wichtig. Die Note hat sie nicht interessiert“, beschreibt Angelika Weilandt rückblickend den Vorgang.

Maike macht für ihre künstlerischen Ambitionen einen einjährigen Auslandsaufenthalt mit ihren Eltern auf Malta verantwortlich. Viermal wöchentlich sei dort Kunst unterrichtet worden. Viele Verbesserungsvorschläge habe sie damals immer wieder von ihrem Lehrer erhalten.

Ob Maike eine künstlerische Laufbahn einschlägt, ist indes noch ungewiss. Jetzt steht erst einmal das Abitur ganz oben auf der „To-do-Liste“. Das Modellieren, sagt sie, habe ihr besonderen Spaß

gemacht, wenngleich ihre Lehrerin bei ihr besondere Fähigkeiten „in allen darstellenden Formen der Kunst“ ausmacht. Der Besuch einer Werkkunstschule könnte es sein, um zunächst einmal die handwerklichen Fähigkeiten zu erlernen, überlegt Maike. Vielleicht danach noch ein Kunststudium. Bei ihren Eltern findet sie dafür den nötigen Rückhalt: „Wenn das ihr Ding ist, werden wir sie unterstützen“, sagt Angelika Weilandt bestimmt.

„Einsatzwille und die Fähigkeit, eigene Vorstellungen umzusetzen, sind Voraussetzungen, um am Ende ein Ergebnis auch als Kunst bezeichnen zu können.“

Brigitte Ilgen, Lehrerin

Thomas Klatt

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