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Ostholstein 100 Tage Bürgermeister: Jörg Webers erste Bilanz
Lokales Ostholstein 100 Tage Bürgermeister: Jörg Webers erste Bilanz
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20:24 12.08.2015
Seit dem 1. Mai ist Jörg Weber (SPD) neuer Bürgermeister der Stadt Fehmarn: „Mir macht es jeden Tag Spaß, ins Rathaus gehen zu können. Die Mitarbeiter sind eine ganz tolle Truppe.“ Quelle: Fotos: Schwennsen

Noch wirken die Wände ein wenig karg. Zwei dezent farbige Bilder, ein hölzernes Mini-Steuerrad. Nur der Scandlines-Kalender erinnert an seinen Vorgänger Otto-Uwe Schmiedt. Draußen flattert frisches Baumgrün im leichten Sommerwind — die Fensterputzer waren zufällig am Tag zuvor rund ums Burger Rathaus im Einsatz.

Seit 100 Tagen ist Jörg Weber (48) Fehmarns neuer Verwaltungschef. Genau besehen sogar schon ein paar Tage länger, doch der Einstieg für den Sozialdemokraten am langen ersten Mai-Wochenende war ein sanfter. Noch aus einem zweiten Grund: Zwei Jahre lang hat er wiederholt als 1. Stadtrat den Bürgermeister vertreten: „Ich wusste schon, was mich erwartet.“

Dennoch: Nicht alles war absehbar. Zum Beispiel das hohe Arbeitspensum der ersten Wochen. Das Kennenlernen in der Verwaltung und viele Kontakte nach außen kosten Zeit. Viel Zeit. Weber hat schon manche 16-Stunden-Tage bewältigt. Zum Herbst hofft er, einen „normalen Rhythmus“ gefunden zu haben. Ob es gelingt? Vor allem die enormen Herausforderungen durch immer mehr Asylbewerber fordern ihn und seine Verwaltung. Bei jeder Wohnraumplanung seien vier Fachbereiche betroffen. „Alle leisten viel mehr Arbeit mit weniger Personal“, so Weber. Auf die neu geschaffene halbe Stelle einer Integrationbeauftragten warte ab September ebenfalls viel Arbeit.

Weber sieht die Stadt Fehmarn durch Bund, Land und Kreis oft im Stich gelassen. Finanziell ebenso wie in Planungsfragen. Es ärgert ihn, wenn der Kreis erst einmal einen möglichen Mobilheim-Standort ablehnt. Oder wenn bei der Anschaffung von mehreren Mobilbauten eine europaweite Ausschreibung verlangt wird. Weber nachdenklich: „Da kommen doch nicht Zahlen zu uns, sondern betroffene Menschen aus Krisenregionen.“

Eine dritte böse Überraschung gab es im Stadtparlament. Der Sozialdemokrat Weber hat sich tüchtig über das „Durcheinander“ in der Stadtvertretung geärgert. Das Postengerangel, bei dem Marianne Unger Unger (SPD) mehrfach gescheitert ist, habe der Stadt geschadet. Er setzt darauf, dass die Krise in der Stadtvertretung im September „entschärft“ wird. Weber: „Man macht so ein Ehrenamt doch nicht, um der Insel zu schaden. Wenn das jeder einsieht, müsste es beim nächsten Mal eine Lösung geben.“

100 Tage Bürgermeister Weber — eine erste Bilanz hätte man auch ganz anders aufziehen können. Schließlich legte er im Wahlkampf das Faltblatt „Mein 100-Tage-Programm vor“. Heute zeigt sich deutlich:

Nicht alles ist planbar.

Trotzdem: Was ist aus Webers fünf „Big Points“ geworden? Eine Messlatte, die gedruckt vorliegt. Die LN fragten nach.

Erstens: Das Parkraumkonzept bleibt weiter für viele ein Reizthema. Wunderdinge aus dem Rathaus gibt‘s noch nicht. Weber hat einige Ideen im Kopf. Über eine mögliche Korrektur haben die LN schon gestern berichtet: ein Schrankensystem am Burger Südstrand, das erst abrechnet, wenn der Badegast den Strand verlässt. Realisiert werden könnte es frühestens 2016.

Zweitens: Am einfachsten ist es für ihn — bis auf das Dauerproblem mit den Holländern — im Tourismus. Weber hatte versprochen, den Tourismus Service Fehmarn (TSF) „in ruhigeres Fahrwasser zu bekommen“. Sein Hoffnungsträger heißt Oliver Behncke, von dem sich nicht nur Weber ganz viel verspricht: „Eine Kommune wie Fehmarn funktioniert nur dann, wenn die Spitzen von Stadt und TSF gut und eng zusammenarbeiten.“

Drittens: Beim Kulturtreff in Petersdorf sieht er gute Chancen, wenn der Verein das Objekt kauft.

Viertens: Der hartnäckig geforderte Wirtschaftförderer bleibt im Spiel. Vielleicht gelinge schon für 2016 eine halbe Stelle, sofern die Stadtvertretung bei der Haushaltsberatung zustimme.

Fünftens bleibe die Zielsetzung „Kein Kind ohne Kita-Platz“ eine Dauerherausforderung. Weber: „Wenn Flüchtlingsfamilien anerkannt werden, müssen wir ihnen auch Kita-Plätze anbieten.“

Ungeplante Personalentscheidung
Eigentlich wollte er schon längst im Ruhestand sein. Doch die offizielle Verabschiedung von Hans-Jürgen Moller, langjähriger Leiter im Fachbereich Ordnung und Soziales der Stadt Fehmarn, hat Bürgermeister Jörg Weber (SPD) erst einmal verschoben. Eine ungeplante Personalentscheidung — aber es fehlt ein Nachfolger.
Das hatte sich Moller, der in diesem Jahr zuletzt noch zwei Bürgermeisterwahlen leitete, anders vorgestellt. Ende April schied Bürgermeister Otto-Uwe Schmiedt (parteilos) aus dem Amt, einen Monat später sollte Moller folgen. Doch als die LN Weber kurz vorm Stichtag nach einem offiziellen Verabschiedungstermin fragten, rückte er heraus: „Das wird erst einmal nichts.“
Der Grund: Die Stadt hatte nach Ausschreibung der Stelle keinen geeigneten Nachfolger gefunden (ein Problem, das auch die Nachbarkommune Heiligenhafen bestens kennt). Zum Glück habe er Moller aber ermuntern können, drei Monate lang weiterzumachen.
Schließlich steigt das Arbeitspensum gerade in diesem Fachbereich wegen der Flüchtlingsthematik immens. Inzwischen ist klar, dass Moller vermutlich sogar bis Jahresende weitermacht. Weber setzt darauf, dass bis dahin nicht nur ein Nachfolger gefunden ist, sondern dass Moller diesen dann dank seiner langjährigen Erfahrungen auch noch einarbeiten kann. gjs

Gerd-J. Schwennsen

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