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Ostholstein 125 Jahre: Neustädter Hotel „Holländersruh“ feiert Jubiläum
Lokales Ostholstein 125 Jahre: Neustädter Hotel „Holländersruh“ feiert Jubiläum
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10:23 08.12.2015
Die Aufnahme oben links entstand im Zeitraum zwischen 1890 und 1930. Das Gebäude wurde oft verändert, wie auf dem zweiten Bild (zwischen 1950 bis 1965 entstanden) zu sehen ist. Unten: Am 25. Januar 2010 zerstörte ein Feuer große Teile des Hotels. Das Löschwasser erledigte den Rest. Quelle: Fotos: Sebastian Rosenkötter

Um 11.47 Uhr beginnt die Katastrophe. Es ist der 25. Januar 2010. Christian Borchert hört ein Knistern im Dachgeschoss seines Hotels. Es brennt. Der Löschversuch mit einem Feuerlöscher scheitert. Er flieht, zieht seinen Hund „Brutus“ mit aus dem Haus.

Die Feuerwehr löscht, verhindert ein Übergreifen auf Nachbarhäuser und kann das Hotel „Holländersruh“ doch nicht retten. Alles ist zerstört. Totalschaden. „Was nicht durch die Flammen kaputt gemacht wurde, hat das Wasser erledigt“, erinnert sich Michaela Borchert. Es ist das schrecklichste Kapitel einer langen Geschichte.

Der Familienbetrieb in der Kremper Straße wird am kommenden Donnerstag, 10. Dezember, 125 Jahre alt. Was viele nicht wissen, es wird ein Doppelgeburtstag. Inhaber Christian Borchert feiert seinen 53. Geburtstag — ein Zufall.

Ebenso zufällig lässt sich auch der Einstieg Borcherts ins Unternehmen bezeichnen. Eigentlich sollte sein Bruder Friedrich, vielen Neustädtern nur als „Fiete“ bekannt, den elterlichen Betrieb übernehmen. „Er war nur knapp ein Jahr mit drin. Es passte nicht“, sagt sich Christian Borchert. Dass weder sein anderer Bruder noch seine jüngere Schwester miteinsteigen wollten, sei für ihn ein Glücksfall gewesen. Ludwig und Inge Borchert fragten ihren damals 23 Jahre alten Sohn, ob er das Hotel übernehmen möchte. „Das war wie ein Sechser im Lotto. Ich wusste, dass es eine Arbeit mit Zukunft ist“, erzählt Borchert, der das Hotel zunächst gemeinschaftlich mit seinen Eltern betrieb — und von 1995 bis 1998 auch noch seinen Hotelfachmann nachlernte.

Michaela und Christian Borchert stehen nicht nur hinterm Tresen. Sie empfangen Gäste, richten Feiern aus und sorgen mit ihren Mitarbeitern für Kulinarisches aus der Küche.

Eine ruhige Zukunft dürfte sich auch Borcherts Urgroßvater erhofft haben, als vor 125 Jahren die Gaststätte eröffnete. „Da gegen die Person des Johannes Gelius Borchert keinerlei Bedenken vorliegen, da es anderentheils sich um eine der ältesten und zugleich insbesondere von den Bewohnern der Umgebung mit Vorliebe zum Ausspann benutzten Wirtschaft handelt, wird ihm die Konzession erteilt“, schrieb der Magistrat der Stadt Neustadt in Holstein am 10. Dezember 1890. Damit war die Übernahme des seit 1835 bestehenden Betriebs gesichert. „Er durfte dann geistige und alkoholische Getränke ausschenken. So hieß das damals“, erklärt Christian Bochert.

Während das Familienunternehmen heute vor allem bei Übernachtungsgästen beliebt ist — darunter viele Skandinavier — war es in den Anfangsjahren lediglich eine Kneipe. „Fremdenzimmer gibt es erst seit einigen Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg. 1966 gab es einen Umbau. Aus sechs Zimmern wurden 17“, so der heutige Geschäftsführer. Und heute sind es sogar 21, plus Saal, Ferienwohnungen, Restaurant, Bar und Außenterasse.

Eines hat sich in all den Jahren allerdings nie geändert. Die Eigentümer wohnen nach wie vor mit im Haus. Das tragische daran ist, das fast alle Fotos und Erinnerungen an die 125-jährige Geschichte bei dem Großfeuer zerstört wurden.

Sebastian Rosenkötter

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