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16,7 Kilogramm Geld für Brautschuhe

Tankenrade/Ammersbek 16,7 Kilogramm Geld für Brautschuhe

Eine Braut folgte einer alten Tradition: Sie hatte ihr Leben lang Pfennige gesammelt, diese später in Cent-Stücke getauscht - und jetzt damit in Tankerade ihre Brautschuhe bezahlt. 

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Inmitten von Centstücken traf die Braut ihre Entscheidung für das passende Schuhpaar.

Quelle: Fotos: Christina Düvell-Veen

Tankenrade. Miriam Tönnißen ist eine junge Frau, die weiß, was sie will. Die 31-Jährige Redakteurin hatte sich schon als kleines Mädchen vorgenommen, eines Tages ihre Brautschuhe mal mit Pfennigen zahlen zu wollen. Sie ließ sich auch durch größte Widrigkeit nicht entmutigen. Gestern in Tankenrade war es so weit.

Als das Euro-Bargeld am 1. Januar 2002 eingeführt wurde, schwenkte sie in Gedanken den Brautschuh-Kauf auf Cent-Stücke um. Es dauerte dann aber doch eine ganze Weile, ehe sie in dem gleichaltrigen Falk Bitter vor über zwei Jahren den richtigen Mann fand. Beide verlobten sich an ihrem zweiten Kennenlerntag, am 25. August 2015. Geheiratet wird genau ein Jahr später, am 25. August 2016. Ein Vorhaben hat sie schon verwirklicht: Sie bezahlte ihre Brautschuhe mit Cent-Stücken. Gestern kam sie mit ihren Schwiegereltern Hans Bitter und Christiane Krapp, die in Heikendorf leben, sowie mit ihren Freundinnen Julia Thalmann aus Hamburg und Marlene Hollander aus dem ostfriesischen Emden in das Brautmodengeschäft „Rotensia“ von Erika Rickert nach Tankenrade in die Gemeinde Ahrensbök.

Eigentlich wollte sich Miriam Tönnißen in Hamburg für den großen Tag festlich einkleiden. Dort, in der großen Hansestadt, wollte sie auch ihre Schuhe kaufen. „Ich habe mit sieben Unternehmen telefoniert und gefragt, ob ich auch mit Centstücken zahlen kann“, erzählte sie. Es habe aber ausschließlich Absagen gegeben. In einem Laden werden nur noch Kreditkarten und kein Bargeld mehr angenommen, aus einem anderen Betrieb hörte sie: „Neh, das machen wir nicht. Und Sie werden dafür auch kein anderes Geschäft finden.“ Miriam Tönnißen ließ nicht locker, forschte im Internet und fand dort „Rotensia“.

Erika Rickert, die seit 1995 Braut- und Abendmode verkauft, freute sich riesig. „Das ist ganz toll. Früher haben häufig Bräute für ihre besonderen Schuhe Pfennigstücke mitgebracht. Seit der Euro-Einführung waren es leider nur noch zwei.“

Miriam Tönnißen hatte gleich am Tag der Verlobung, der zugleich der Tag war, an dem ihr Frank ihr einen Heiratsantrag machte, mit dem Sammeln begonnen. Gestern fuhr sie mit schweren 16,7 Kilogramm Ein-, Zwei- und Fünfcent-Münzen nach Tankenrade.

Die Fünfer hatte sie vorsichtshalber schon selber in offizielles Papier gerollt. „Damit Sie nicht so viel Arbeit haben“, ließ sie Erika Rickert wissen. Die aber lachte nur: „Rollen war gestern.

Früher bin ich mit meinem Hackenporsche zur Bank gefahren und habe dort Stunden mit dem Sortieren zugebracht.“ Heute, mit den modernen Zählmaschinen, sei das sehr viel einfacher. Die Geschäftsfrau glaubte der Braut auch so, dass sich in den beiden großen Gläsern zusammen 140 Euro befanden.

Das Geld hat Miriam Tönnißen nicht alleine zusammengesammelt. Die „Brautschuh-Kasse“ füllten auch ihre Schwiegereltern, Freunde und Freundinnen, aber auch die Kollegen. „Manche habe ich damit sicherlich ganz schön genervt“, überlegte sie gestern, erntete dafür aber heftiges Kopfschütteln ihrer Freundinnen. Die erzählten dann von der Kassiererin in der Kantine des Verlages, in der die Braut arbeitet, und davon, wie viel Spaß es ihr gemacht hat, Miriam das Wechselgeld stets in Centstücken herauszugeben.

Die Bald-Ehefrau entschied sich gestern für ein elfenbeinfarbenes Schuhpaar und fand natürlich auch das passende Brautkleid. Aber das, so ein weiterer Brauch, darf der Bräutigam vor der Hochzeit nicht sehen — weder vorgeführt noch auf einem Foto. Denn auch da gilt für Miriam Tönnißen: „Manchmal bin ich schon ein bisschen altmodisch.“

„Manchmal bin ich schon ein bisschen altmodisch.“
Braut Miriam Tönnißen (31)

Christina Düvell-Veen

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