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Ostholstein 166 Euro für drei Mal Strand: Ehepaar verärgert über Abgabe
Lokales Ostholstein 166 Euro für drei Mal Strand: Ehepaar verärgert über Abgabe
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09:30 05.08.2015
Dieses Mobilheim in Lensterstrand hatten Jochen und Waltraud Pesch geerbt. Für die Auflösung mussten sie nun teuer bezahlen. Quelle: Fotos: Privat (hfr)

 „Das ist unverhältnismäßig und grenzt an Abzocke“, ärgert sich Waltraud Pesch (62) aus Budenheim bei Mainz. Denn eines sei klar, zum Urlaub machen waren sie nicht an der Küste.

Was war passiert? Beide mussten im April für eine Woche in den Norden kommen, weil sie den Nachlass ihrer Eltern regeln mussten. Die hatten ein Mobilheim auf dem Ahoi-Campingplatz in Lensterstrand.

Also einen festen Wohnmobilplatz. „Nachdem Ende letzten Jahres auch mein Vater gestorben war, hatten wir uns entschlossen, das Mobilheim zu verkaufen“, sagt Waltraud Pesch. Denn die Anreise sei ihnen mit 650 Kilometern zu weit für einen spontanen Kurzurlaub. „Wir haben in der Woche den Nachlass gesichtet, das Haus geräumt und sauber gemacht“, erklärt ihr Mann Jochen Pesch. Gleichzeitig haben sie sich um den Verkauf bemüht, was auch schnell gelang. Im Juni hat das Heim den Besitzer gewechselt.

Doch kurz darauf erhielten sie Bescheide der Gemeinde Grömitz, den Jahrestourismusbeitrag von 78,40 Euro pro Person zu entrichten. Zusammen also 156,80 Euro. Der Grund: Im Rahmen der Auflösung des Erbes lägen — so die Begründung in reinstem Verwaltungsdeutsch — „Tatbestandsmerkmale vor, die dem Grunde nach zur Erhebung eines Tourismusbeitrages in Form eines Jahrestourismusbeitrages für das Jahr 2015 berechtigen“, liest Waltraud Pesch vor.

Für sie ein Unding. Ihr Einspruch, nur wegen des Nachlasses angereist zu sein, wurde ohne Begründung abgewiesen. „Wir waren in der Zeit auch drei Tage am Strand. Dafür haben wir sogar extra die Abgabe bezahlt“, ergänzt Jochen Pesch. Das sind drei mal 1,50 Euro pro Person: 9 Euro obendrauf. Macht satte 165,80 Euro.

Unter Verweis auf das Steuergeheimnis macht das Amt mit Bitte um Verständnis keine Angaben zu dem Fall, teilt Kämmerer Dietmar Schmidt auf Anfrage mit.

Die Verwaltung handelt jedoch rechtens. In der Satzung über die Erhebung einer Kurabgabe heißt es: „Die Zahl der Aufenthaltstage wird auf 28 Tage der Hauptsaisonzeit pauschaliert.“ Das bedeutet, allein weil jemand 28 Tage lang theoretisch die Möglichkeit hatte nach Grömitz zu kommen — unabhängig davon, ob die Möglichkeit auch genutzt wurde — , wird der Jahresbeitrag fällig. „Einen Ausnahme-Tatbestand gibt es nicht“, bedauert der 61-Jährige. Die Gemeinde hätte ihnen wenigstens entgegenkommen können. Beide wären bereit gewesen, die Tourismusabgabe bis zum Verkauf des Häuschens Ende Juni anteilig zu begleichen.

Das Ehepaar ist auch deshalb verärgert, weil „Grömitz doppelt kassiert. Wir gehen davon aus, dass auch die neuen Besitzer die volle Abgabe bezahlen müssen“, moniert Waltraud Pesch. Doch klagen wollen sie nicht, es lohne den Aufwand nicht. Und somit haben sie den Beitrag überwiesen. „Wir hätten damit zwar ein Recht auf die Jahreskarte, aber Urlaub in Grömitz hatten wir nicht vorgesehen“, sagt er.

„Es gibt ja auch noch andere schöne Gemeinden an der Lübecker Bucht“, sagt seine Frau.

„Es gibt ja auch noch andere schöne Gemeinden an der Lübecker Bucht.“
Waltraud Pesch

Irene Burow

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