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Ostholstein 189000 Euro für Straßenausbau: Landwirt Ulrich Albert wehrt sich
Lokales Ostholstein 189000 Euro für Straßenausbau: Landwirt Ulrich Albert wehrt sich
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20:39 19.10.2017

Er bekomme zurzeit Anrufe aus ganz Deutschland, sagt Ulrich Albert. Durch das Internet habe sich sein Fall wie ein Lauffeuer verbreitet. Die Menschen am anderen Ende der Leitung würden ihm ähnliche Erlebnisse schildern. In den vergangenen zwei Tagen habe er kaum Zeit für andere Dinge gehabt, immer wieder habe auch die Presse bei ihm angefragt. „Das ist schon alles reiner Wahnsinn.“

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Fernsehteams waren in den vergangenen zwei Tagen ständiger Gast bei Ulrich Albert (l.) im Lütjenburger Nienthal.

Anfangs flatterten ihm noch die Hände, doch mittlerweile sei er etwas ruhiger geworden, erzählt Ulrich Albert, auch wenn er so langsam geschafft ist von dem Trubel um seine Person. Doch da steht dann auch schon das nächste Fernsehteam bei ihm vor der Tür. Albert berichtet trotz Aufregung vor der Kamera immer wieder bereitwillig von seinem langjährigen Konflikt mit der Stadt Lütjenburg und wie alles begann.

Rückblick: Vor einigen Jahren wollte die Stadt Lütjenburg die Auffahrtsscheune am Ende des 950 Meter langen Feldwegs im Nienthal zu dem Erlebniszentrum „Mensch, Energie, Technik“ (MEN) ausbauen. Der Weg führt an Feldern und Häusern vorbei, die Albert verpachtet beziehungsweise vermietet hat. Ulrich Albert weigerte sich aber, drei Hektar Land für Parkplätze an die Stadt zu verkaufen und das Projekt starb.

Die Sanierung der Straße für mehr als 600000 Euro, über die auch das Eiszeitmuseum und die Turmhügelburg zu erreichen sind, erfolgte trotzdem. Nach der Fertigstellung und einer Änderung der Ausbausatzung durch die Stadt erhielt Ulrich Albert schließlich einen Bescheid über anteilige Anliegerkosten von über 200000 Euro. „Als uns mit Verzugszinsen gedroht wurde, mussten wir einen Kredit aufnehmen, um die Summe zu bezahlen“, erläutert Albert. Gleichwohl zog er vor Gericht. Das Verwaltungsgericht in Schleswig war jetzt zwar der Meinung, dass er die Kosten für die Straßenlaternen nicht zu zahlen habe. Sein Baukostenanteil beläuft sich aber dennoch auf immerhin 189000 Euro.

Das ist Albert immer noch zu hoch: „Für den Bereich der Häuser und Scheunen sind wir ja bereit, den vollen Anteil zu bezahlen. Aber nicht für die Strecke an den Feldern.“ Auch weil es Durchfahrtsweg für landwirtschaftliche und Forst-Fahrzeuge der Gemeinden Giekau und Panker sei. „Es ist daher ungerecht, dass die Ländereien so stark mit eingerechnet wurden.“

Die Stadt Lütjenburg prüfe nach eigenen Angaben ein Verfahren der Zumutbarkeit. Wie das am Ende ausgehe, weiß Albert nicht. Er gibt die Hoffnung nicht auf, dass sich vielleicht noch was tut.

Ulrich Albert und seinem Anwalt liege das schriftliche Urteil vor und sie hätten Punkte gefunden, für die sie einen Widerspruch gerechtfertigt finden. „Dennoch bin ich etwas wankelmütig. Irgendwann muss doch mit dem Ganzen auch abgeschlossen werden“, sagt der Landwirt.

Aber Gründe hat er, warum er wohl weitermachen wird: „Sonst müssen wir Land verkaufen und würden dann trotzdem noch die nächsten 25 Jahre unsere Schulden abbezahlen.“

Von Markus Billhardt

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