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Ostholstein 20 Jahre Ausbildung bei der DGzRS
Lokales Ostholstein 20 Jahre Ausbildung bei der DGzRS
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21:39 22.08.2016
Geübt wird bei den Seenotrettern fast das ganze Jahr über - und das auf See und an Land. Quelle: Suhwa Lee/DGzRS
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Neustadt

33 Jahre Arbeit bei der Marine sind nicht genug. Horst Kagel war gerade einmal 52 Jahre alt, als er 1993 pensioniert wurde. „Da kann man doch noch nicht in Rente gehen“, erinnert er sich. Statt auf der Gartenliege Sonnenstrahlen zu zählen, stieg er bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ein. Am 26. August 1996 wurde die Ausbildungsstation auf dem Neustädter Wieksberg gegründet. Zwei Jahrzehnte später treffen die LN Vormann Horst Kagel in seinem Büro. Das Leben als „Rentner“ ist für ihn nun deutlich näher gerückt. Am kommenden Freitag wird der 74-jährige Leiter der Station verabschiedet. Parallel dazu wird das 20-jährige Bestehen der Einrichtung gefeiert.

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Vor zwei Jahrzehnten wurde die Neustädter Station der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ins Leben gerufen. Seitdem rücken die Helfer immer dann aus, wenn auf See jemand in Not geraten ist.

„Eigentlich wollte ich mit 65 Jahren aufhören. Aber das passte nicht. Da war die Schule noch im Aufbau“, erzählt Kagel. Mittlerweile habe er aber all das erreicht, was er wollte. Die unter dem Namen SAR-Schule (Search and Rescue) gegründete Ausbildungsstation funktioniere hervorragend. Rund 4600 Rettungsfrauen- und männer aus 14 Ländern hätten bislang ihr Wissen in Neustadt aufgefrischt und erweitert. Horst Kagel hat die meisten von ihnen kennengelernt. „Ausbildung passt zu mir. Ich bin von dem überzeugt, was ich unterrichte“, betont Kagel.

Wer ihm zuhört, kommt schnell zu der Einsicht, dass die Grenze zwischen Arbeit und Hobby für ihn fließend ist: „Das konnte ich schon bei der Marine schwer trennen. Ich hatte das wahnsinnige Glück, dass ich einen Beruf ausgeübt habe, der mir viel Spaß machte.“ Ein weiterer Faktor sei die Unterstützung durch seine Frau. Zusammen mit einigen anderen Damen kümmerte diese sich am Wochenende um die Versorgung der Teilnehmer.

Das eingespielte Team kennt sich bereits seit Schulzeiten. Horst Kagel wurde 1941 in Lübeck geboren und wuchs unweit der Wakenitz auf. Schwimmen zählte früh zu seinen Leidenschaften. Nach der Mittleren Reife an der St.-Jürgen- Schule ging er freiwillig zur Marine. Grundausbildung in Glücksstadt, Hochzeit in Lübeck, acht Jahre leben auf Sylt. 1974 folgte der Umzug nach Neustadt. „Ich wollte in die Taucherei, eine Zusatzausbildung“, so Kagel. Er ist nie wieder gegangen. Gleich 56 Lehrgänge habe er in den 19 Jahren auf dem Wieksberg absolviert. „Ich habe mal nachgerechnet, dass ich zwölf Jahre auf der Schulbank gesessen habe“, sagt Kagel.

Lernen und unterrichten, diese beiden Dinge liegen Horst Kagel. Da verwundert es auch nicht, dass die DGzRS ausgerechnet ihn vor mehr als 20 Jahren ansprach, eine Schule einzurichten. „Anfangs hatten wir unser Büro in einer Kaserne der Marine“, sagt Kagel. Zudem seien Lehrgangsteilnehmer in Vier- bis Sechsbettzimmern untergebracht gewesen und Boote habe man sich leihen müssen. „Irgendwann waren es so viele Lehrgänge, dass es nicht mehr weiterging“, erinnert sich der 74-Jährige. Die Folge: 2004 kaufte die DGzRS das ehemalige Standortverwaltungsgebäude der Bundeswehr. Nach einigen Umbauarbeiten hatte die Ausbildungsstation eine neue Heimat, wenige Meter neben dem hochgesicherten Bereich von Marine und Bundespolizei See. Bis heute lernen Seenotretter hier, wie man Menschenleben rettet, Schiffe repariert und Brände bekämpft.

Horst Kagel hingegen wird in wenigen Tagen „Tschüs“ sagen und es fällt ihm leicht. „Ich muss langsam Platz für einen Nachfolger machen und möchte ein bisschen mehr Zeit für mich.“ Eben diese wird er wohl in Neustadt verbringen. Dem Ort, den er längst als Heimat bezeichnet. „Ich schätze das Kleinstadtleben. Die Lebensqualität ist hoch.“ Und sollten die Kameraden von der DGzRS mal seine Hilfe benötigen, sei er selbstverständlich zur Stelle. Sonnenstrahlen zählen kann er ja auch noch später.

International gefragt

Die DGzRS-Ausbildungsstation wurde gegründet, um die rund 800 freiwilligen und 180 fest angestellten Seenotretter aus- und fortzubilden.

Seenotretter aus 14 Nationen wurden bislang bei der DGzRS in Neustadt ausgebildet. Zu Gast waren Engländer, Dänen, Schweden, Norweger, Finnen, Isländer, Iren, Schotten, Franzosen, Niederländer, Kanadier, Bulgaren, Inder und Slowenen.

• Mehr Bilder gibt es in einer Galerie auf unserer Internetseite www.LN-Online.de/Ostholstein zu sehen.

 Sebastian Rosenkötter

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