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20 Jahre Neustädter Tafel - und noch immer nicht überflüssig

Fehmarn 20 Jahre Neustädter Tafel - und noch immer nicht überflüssig

Sechs Tage die Woche sammeln die Mitarbeiter der Neustädter Tafel Lebensmittel ein, sortieren sie und geben sie an bedürftige Ostholsteiner aus. 3500 Menschen werden monatlich versorgt. Das sind mehr als 100 Mal so viele wie 1996. In jenem Jahr wurde der gemeinnützige Verein gegründet.

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Das Flachdach-Gebäude am Sandberger Weg ist das Zuhause der Neustädter Tafel.

Quelle: Sebastian Rosenkötter

Burg a. F. Am morgigen Sonnabend wird das 20-jährige Jubiläum mit geladenen Gästen gefeiert. Ein Grund zur Freude ist das nur bedingt. „Es wäre besser, wenn die Tafeln überflüssig wären“, betont der 1. Vorsitzende Gerd Garczewski. Dennoch ist es beachtlich, was der aktuell 70 Mitglieder zählende Verein in den vergangenen beiden Jahrzehnten geleistet hat.

LN-Bild

Der gemeinnützige Verein hilft etwa 3500 Ostholsteinern im Monat – 1996 waren es gerade einmal 30 Bedürftige – Heimat ist ein ehemaliger Supermarkt im Sandberger Weg.

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Schriftführerin Sylvia Blankenburg erzählt, dass alles mit einer AG des Gymnasiums begann. Auf Initiative des damaligen Lehrers Rainer Jahnke sei Essen auf dem Parkplätze der Schule verteilt worden.

„Einerseits gab es Lebensmittel im Überfluss, andererseits wurden etliche weggeschmissen. Es war die Zeit, in der der Tafel-Gedanke von den USA nach Deutschland schwappte“, so Blankenburg. Andreas Schneider, derzeit 2. Vorsitzender des Vereins, erinnert sich, dass rund 30 Abnehmer im Monat kamen. Schnell sei die Zahl der Bedürftigen gewachsen.

Es folgten Jahre der Umzüge und Unsicherheit. Zunächst ging es für die Lebensmittelausgabe in die Sporthalle des Gymnasiums. Es folgten Stationen in einem früheren Gaswerk der Stadtwerke im Ziegelhof, in der Straße Bei der Friedenseiche und am Berliner Platz. Immer wieder fühlten sich Anwohner durch die Präsenz des Vereins gestört, beklagten unter anderem Parkprobleme an Ausgabetagen.

Auch in der ehemaligen Obdachlosenunterkunft im Hospitalmühlenweg gab es Unruhe. „Die Tafel war praktisch pleite, es gab große Probleme“, erinnert sich Sylvia Blankenburg.

Dann habe Heidi Förster die Vereinsführung übernommen und eine große Kampagne gestartet. Nicht einmal ein Jahr dauerte es bis 2010 die bis heute bestehende Heimat im Sandberger Weg gefunden wurde.

Das Gebäude, in dem sich einst ein Supermarkt befand, wurde von der Stadt für 150000 Euro erworben und wird seitdem an die Tafel vermietet. Neben der Ausgabe befinden sich in den Räumlichkeiten eine Kleiderstube sowie ein Café. Doch damit nicht genug. Die Ausgabe findet seit vergangenem Jahr sogar in vier Orten statt. Neben Neustadt, Timmendorfer Strand und Grömitz werden seit dem starken Zuzug von Flüchtlingen Lebensmittel auch in Schönwalde ausgegeben. Laut Gerd Garczewski gebe es im Bereich des Amtes Ostholstein-Mitte zahlreiche Bürger, die auf zusätzliches Essen angewiesen seien. Diese seien oftmals nicht mobil und Neustadt somit zu weit weg. Neben Frauen mit geringer Rente seien dies Bezieher von Hartz IV und sogenannte Aufstocker. Sie alle eint, dass sie einmal pro Woche kommen dürfen und pro Ausgabe zwei Euro zahlen müssen – das Tütengeld. Ohne die Tafel dürften ihre Nöte noch größer sein. Da ist das 20-jährige Jubiläum doch ein Grund zur Freunde.

Einen Tag der offenen Tür gibt es am 15. Oktober. Von 9 bis 14 Uhr können Besucher einen Einblick in die Arbeit der Tafel bekommen.

Gulasch für Fehmarner Tafel

Ein Gulasch-Essen gab es diese Woche für die Fehmarn-Tafel: Campingplatz-Betreiber Gunnar Mehnert hat es gesponsert, lecker zubereitet wurde die warme Mahlzeit im Restaurant „Wallnauer Hof“. Er war nicht das erste Mal, dass Mehnert die Kunden der Fehmarn-Tafel – darunter auch zahlreiche Flüchtlinge – bedachte. Er selbst nahm am gemeinsamen Essen im Evangelischen Gemeindehaus in Burg teil. Die Getränke stellte der Edeka-Markt Guttkuhn zur Verfügung. Vor dem Essen sprach Brigitte Kempe von der Fehmarn-Tafel ein Tischgebet. gjs

 Sebastian Rosenkötter

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