Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein 24 Stunden: Marathon im Bibellesen
Lokales Ostholstein 24 Stunden: Marathon im Bibellesen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:36 26.06.2017
Eutin

Es ist Sonnabend, 22.10 Uhr, in Eutin. Seit 19 Uhr läuft der erste Bibellese-Marathon. Vorsichtig drückt Odil Evyapan den dicken Türknauf der Michaelis-Kirche herunter, betritt leise das hell erleuchtete Gotteshaus, sucht sich ihren Platz auf einer Kirchenbank und hört aus dem Altarraum heraus die Stimme einer Vorleserin. „Ich schaue vorher nur schon mal vorbei, denn ich habe keine Ahnung, wie das hier abläuft“, sagt die 26-Jährige. Sie kommt direkt aus Flensburg und trägt ihr Gepäck noch auf dem Rücken.

Mehr als 100 aktive Teilnehmer und viele Zuhörer waren in der Eutiner Gemeinde dabei.

Odil Evyapan gehört zu den 35 Jugendlichen und etwa 70 Erwachsenen, die an dem Bibellese-Marathon der Eutiner Kirchengemeinde teilnehmen. In knapp sieben Stunden, um 5 Uhr, will sie selbst etwa 20 Minuten lang vorlesen. Das frühe Aufstehen wird kein Problem für sie sein: „Ich meditiere oft um 4 Uhr, das ist sowieso die beste Zeit dafür.“ Als sie vor mehreren Wochen einen Flyer mit der Ankündigung für diese Veranstaltung in die Hände bekam, dachte sie, „das klingt interessant. Ich melde mich an“, erzählt sie.

Gestern, am Tag nach der etwa 24-stündigen Veranstaltung, befand Pastor Thomas Waack aus Eutin-Neudorf: „Experiment gelungen“. Er hatte die Idee des Lese-Marathons ins Gespräch gebracht, als darüber nachgedacht wurde, welche Veranstaltung die Eutiner Kirchengemeinde zum 500-jährigen Jubiläum des Reformators Martin Luther beisteuern kann. Eine gleiche Aktion, damals allerdings zum Bibel-Jubiläum, hatte Waack an seinem früheren Wirkungskreis in Malchin (Mecklenburg-Vorpommern) schon einmal erfolgreich organisiert. Schnell stieß Waack in Eutin auf offene Ohren, und recht bald fand sich ein 14-köpfiges Team für die Vorbereitungen bereit.

Fast 24 Stunden lang wurden von den etwa 100 Vortragenden große Teile aus der mehr 1400 Seiten starken Bibel vorgetragen. „Wir können natürlich nur einen Querschnitt lesen und können daher auch nicht alle Propheten zu Wort kommen lassen“, erklärt Pastor Waack. Also wurde Prophet Amos herausgesucht. Er war nach den Worten von Waack „ein politisch kluger, sozialkritischer Mann, der sich nicht vereinnahmen ließ“.

Zu den Vortragenden gehörte Eutins Kantorin Antje Wissemann. Sie las aus dem ersten Buch Mose und berichtete Thomas Waack, der während des Marathons mehrmals in der Kirche vorbeischaute danach, um 22.20 Uhr: „Wir sind sehr gut im Zeitplan.“

Nahezu alle die, die sich angemeldet hatten, seien zu den vorgegebenen Terminen erschienen, sagte Pastor Waack. Die ganze Zeit über habe es ein Kommen und Gehen in St. Michaelis gegeben. Abgesehen von den Nachtstunden und zur Mittagszeit am Sonntag seien stets viele Menschen in die Kirche gekommen.

Auffallend auch, wie unterschiedlich die Gemütslage der Vorlesenden war. Waack berichtete von der Konfirmandin, der zunächst hörbar „das Herz bis zum Hals“ geschlagen hätte, die dann aber tapfer weitergelesen hätte, aber auch von den Teilnehmern, die den Eindruck vermittelten, gar nicht wieder aufhören zu wollen. Die Aktion begann am Sonnabend mit einem Vortrag zum Thema „Die Bedeutung der Bibel bei Martin Luther“ und endete am Sonntag mit einem Abendmahl-Gottesdienst.

Waacks Fazit: „Diese Veranstaltung war ganz bestimmt im Sinne Martin Luthers, denn auch er wollte ja die Bibel ins Bewusstsein vieler Menschen bringen.“

Christina Düvell-Veen

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 22:00 und 07:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bei einem Einbruch in ein Eutiner Bekleidungsgeschäft haben unbekannte Täter Waren im Wert von mehreren Tausend Euro erbeutet. Die Kriminalpolizei in Eutin hat die Ermittlungen aufgenommen.

26.06.2017

Das ZDF-Schlager-Festival steigt im August – Große Ticket-Nachfrage.

26.06.2017

SPD will prüfen lassen, ob es dafür auf dem Berliner Platz Möglichkeiten gibt.

26.06.2017
Anzeige