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Ostholstein Aus und vorbei: Gewerbeverein Westfehmarn verabschiedet sich
Lokales Ostholstein Aus und vorbei: Gewerbeverein Westfehmarn verabschiedet sich
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16:18 29.11.2018
Überraschung für die Lütten vom Kindergarten "Gänsewiese": Pastor Dr. Martin Grahl (von links) nahm die Spende von Helene Sommer, Heino Müntzel, Brigitte Draenkow und Elwine Sievers-Tilsen entgegen. Quelle: GERD-J. SCHWENNSEN
Petersdorf a. F.

Er war jahrzehntelang der Motor im Inselwesten. Der Gewerbeverein Westfehmarn hat 30 Jahre das „Rapsblütenfest“ veranstaltet – inzwischen ist der Verein aber Geschichte. Er hat sich aufgelöst. Jetzt gab es ein versöhnliches Ende: Der ehemalige Vorstand um Heino Müntzel übergab eine Spende von 5000 Euro an den Petersdorfer Kindergarten „Gänsewiese“.

Ein trister November-Vormittag in Petersdorf. Die Lütten vom evangelischen Kindergarten sitzen im Kreis vorne in der St.-Johnanniskirche. Pastor Dr. Martin Grahl spielt auf seiner Gitarre, die Mädchen und Jungen singen ein fröhliches Lied. Und sind ganz gespannt darauf, was auf sie zukommt.

Lockere Plauderei mit den Lütten

„Wer von euch will denn mal Rapsblütenkönigin werden?“, sorgt Müntzel im Nu für Stimmung. Ganz viele melden sich, auch einige Jungen. Denn kleine Kinderprinzessinen und -prinzen werden ebenfalls jedes Jahr gesucht. „Meine Mama war auch schon mal Königin“, zieht ein Mädchen alle Augen auf sich. „Meine noch nicht“, kontert eine andere aus der Runde. Der Bann ist gebrochen. Rasch entwickelt sich eine lockere Plauderei zwischen den Lütten und den Gästen.

Krönender Abschluss ist die offizielle Scheckübergabe. Mit einer auf 5000 Euro aufgestockten Summe sorgt das Quartett vom ehemaligen Gewerbeverein – neben Heino Müntzel seine Stellvertreterin Elwine Sievers-Tilsen, Schriftführerin Helene Sommer und Kassenwartin Brigitte Draenkow – für eine große Überraschung. Das Geld soll vor allem für neues Mobiliar einschließlich Schränke für die Spielsachen verwendet werden, dankt Pastor Grahl den großzügigen Spendern und Sponsoren.

Es ist ein schöner Ausklang für den Gewerbeverein. Offiziell am 7. Juli 1984 gegründet, hat das zunächst in ganz kleinem Rahmen gestartete Rapsblütenfest rasch riesige Ausmaße gewonnen. Heino Müntzel, einer der Köpfe der allerersten Stunde, hat mit Unterbrechungen immer wieder die Regie übernommen.

Rauschende Feste, illustre Gäste

Es gab rauschende Feste, illustre Gäste aus Show und Politik, artistische Einlagen, fulminante Umzüge – aber auch Krisen und manchen Streit. Zuletzt holte der Gewerbeverein Impulse von außen: Studenten der FH Westküste aus Heide entwickelten neue Ideen, um wieder Schwung in das Traditionsfest zu bringen.

Doch einige frühere Mitstreiter starben oder zogen sich aus Altersgründen zurück. Auch das Geschäftsleben rund um Petersdorf erlebte – parallel zum Aus für die Dorfschule – viele Rückschläge. Höhepunkte der Feste blieben bis zuletzt die alljährliche Inthronisierung der neuen Rapsblütenkönigin und der große Festumzug, an denen viele Hoheiten aus ganz Deutschland sowie zahlreiche Kapellen teilnahmen.

Immer wieder ein Hingucker: Majestätinnen aus ganz Deutschland geben sich – wie hier 2011 – beim Rapsblütenfest in Petersdorf die Ehre. Quelle: GERD-J. SCHWENNSEN

„Es war eine schöne und erlebnisreiche Zeit“, so Müntzel. Als der Gewerbeverein 2015 den Ausstieg erklärte, gab es einigen Zoff. Doch inzwischen freut sich der alte Vorstand, dass Marion Schmidt vom Fremdenverkehrsverein Westfehmarn, die schon damals das Königshaus betreute, heute keine Probleme mehr kennt, jährlich für Nachwuchs zu sorgen. Die amtierende Rapsblütenkönigin schlägt selbst ihre Nachfolgerin vor – ein großer Vorteil, denn mit ihr zusammen soll sie ein Jahr lang Fehmarn nach außen hin repräsentieren.

Mit einem Zuschuss von 13 500 Euro gewährt der Tourismus-Service Fehmarn dem Rapsblütenfest zudem eine finanzielle Stabilität. Denn anders als Ende der 80er Jahre muss das heute mit einer Vielzahl von Veranstaltungen auf der Insel konkurrieren und ist kein Selbstgänger mehr.

Vereinssterben auf Fehmarn

Äußerst lebendig ist das Vereinsleben auf der Insel Fehmarn. Doch nicht alle haben durchgehalten. Hier einige prominente Beispiele auf der Liste der ausgelösten Vereine: Bürger- und Verkehrsverein Burg (2016):Drei Jahrzehnte lang veranstaltete er – im jährlichen Wechsel mit dem Hafenfest in Burgstaaken – das Altstadtfest in Burg (Hauptmotor Wolfgang Stahnke). Dann passte der Politik wie der Tourismuswirtschaft das Konzept nicht mehr. Als Stadtfest mit neuem Konzept wird es heute vom TSF mit weiteren Partnern fortgeführt.

Norder-Wildersche Toten- und Schützengilde Burg (2013): Für die Traditionsgilde von 1775 fand sich kein neuer Vorstand. Viele wechselten danach zur St.-Mariengilde Landkirchen. SV Puttgarden (2007): Viele Jahre führte Hans Schimpf die Geschicke des kleinen Dorfvereines. 2007 schlossen sich die meisten Mitglieder dem TSV Westfehmarn an.

Vermieterverein Burg (2017): Kein aktives Vereinsleben mehr, nur mit großer Kraftanstrengung ein neuer Vorstand: Der Verein konnten auf Dauer nicht an die Stärke der historisch gewachsenen drei ländlichen (Fremden-)Verkehrsvereine Bannesdorf, Fehmarn-Mitte (früher Landkirchen) und Westfehmarn heranreichen.

Fusionen: Nach der Fehmarn-Fusion 2003 lösten sich nach und nach die Ortsvereine der Parteien auf (als letzter der SPD-Ortsverein Landkirchen-Avendorf). Auch bei der Awo und dem Reichsbund (heute Sozialverband) gibt es nur noch einen Ortsverein Fehmarn. Von den fünf DRK-Ortsvereinen hat sich inzwischen Meeschendorf ausgelöst (niemand wollte den Vorsitz übernehmen). Die Feuerwehren Sulsdorf und Petersdorf haben sich 2018 zur Feuerwehr Westfehmarn zusammengeschlossen.

Schulvereine: Mit mit dem Dorfschul-Sterben in Puttgarden und Petersdorf kam das Aus für die vorher rührigen Schulvereine.

Gerd-J. Schwennsen

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