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Ostholstein 30 Jahre nach Tschernobyl — ein trauriges Gedenken
Lokales Ostholstein 30 Jahre nach Tschernobyl — ein trauriges Gedenken
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20:12 27.04.2016
Das Lager muss geräumt werden: Oft bis an die Decke stapelten sich — hier ein Archivbild — die Kisten im Obergeschoss der ehemaligen Petersdorfer Schule.

Rückschau und Blick in die Zukunft: Auf den Tag genau 30 Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl steht die fehmarnsche Gruppe um Christa Woitalla an einem Wendepunkt. Die derzeit fast 30 Helfer haben in den vergangenen Jahren viele Tausend Hilfspakete an bedürftige Familien in Weißrussland und in der Ukraine geschickt. Doch das geht künftig nicht mehr.

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Die Tschernobyl-Gruppe auf Fehmarn macht weiter — Nächste Woche muss sie aber ihren Lagerplatz in der ehemaligen Schule Petersdorf räumen.

Langjährige Hilfe

2004 luden Christa und ihr inzwischen verstorbener Ehemann Gerhard Woitalla zwei Kinder zu sich ein. Später kamen jedes Jahr Dutzende aus Weißrussland und der Ukraine nach Fehmarn. Sie erhielt dafür die Ehrennadel des Landes (2015) und des Kreises (2008).

Kommende Woche muss sie ihre Lagerräume in der ehemaligen Petersdorfer Schule räumen. Dort soll Wohnraum für Flüchtlinge entstehen.

„Von Jahr zu Jahr wurde es mehr. Wir haben die Kisten hier bis unter die Decke gestapelt“, bilanziert Christa Woitalla diese Woche auf einem Treffen der Gruppe eine Etage weiter unten im früheren Schulgebäude. Aber sie freut sich doch: „So viele sind heute gekommen, ist das schön.“ Bei Kaffee und selbstgebackenem Kuchen nutzen sie den ebenso denkwürdigen wie traurigem Tag, um miteinander über den gemeinsamen Zukunftsweg zu sprechen.

Die wichtigste Erkenntnis: „Wir machen weiter.“ Allerdings zunächst einmal im kleineren Rahmen. Vor den Toren Burgs hat die Gruppe auf dem Amalienhof zu einem „Freundschaftspreis“ einen 16 Quadratmeter kleinen Raum angemietet. Dort werden weiter Spenden gelagert, derzeit aber nur für die regelmäßigen Flohmärkte.

Denn der Raum reicht bei weitem nicht aus, um das bisherige Hilfsangebot aufrecht zu erhalten. „Wir müssen Platz haben zum Lagern, Sortieren und Packen“, so Woitalla. Zuletzt hat die Gruppe 86 bedürftige Familien betreut, außerdem zwei Kindergärten, zwei Schulen und ein Waisenhaus. Woitalla: „Vor allem die Kinder leiden bis heute unter der Tschernobyl-Katastrophe.“

Nebenan auf dem Tisch stapeln sich die persönlichen Dankesbriefe. Außerdem reichen Christa Woitalla und andere Mitstreiter Fotos aus den vergangenen Jahren herum — vor allem von glücklichen Kindern.

In einer Gedenkminute würdigt die Gruppe die Verdienste ihrer verstorbenen Mitstreiter Gerhard Woitalla und Silke Pedersen. Danach regt Frank Borner, einst Koordinator der Unesco-Gruppe, die Helfer an, wieder den Kontakt zur Inselschule zu suchen, an der er mittlerweile nicht mehr unterrichtet.

Für zwei besonders bedürftige Mädchen übernimmt die Tschernobyl-Gruppe ab sofort eine Patenschaft mit regelmäßigen monatlichen Geld-Zuweisungen. Christa Woitalla nimmt im Sommer zwei Kinder im Alter von zehn und 14 bei sich auf, die sich schon mal auf Fehmarn waren. Sie haben kürzlich ihre Mutter verloren. Der jährliche Besuch einer ganzen Gruppe von Kindern, der mit einem befreundeten Verein aus Hildesheim organisiert wird, fällt 2016 dagegen aus. Die Kinder bleiben diesmal alle im Zeltlager in Niedersachsen.

Von Gerd-J. Schwennsen

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