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Ostholstein 3000 Euro Schmerzensgeld für Baustellen-Prügelei
Lokales Ostholstein 3000 Euro Schmerzensgeld für Baustellen-Prügelei
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20:17 14.07.2016

Auslöser: eine Lappalie, Ergebnis: hohe Kosten und eine Bewährungsstrafe wegen gefährlicher Körperverletzung. Ein Ausraster auf einer Baustelle in Niendorf ist einen 34-jährigen Maurer gestern vor dem Eutiner Amtsgericht teuer zu stehen gekommen. Sein 35-jähriger Cousin kam mit der Zahlung eines geringen Schmerzensgeldes davon.

„Wie kann man wegen einer solchen Kleinigkeit so ausrasten?“Richter Otto Witt

Abgespielt hat sich die Geschichte in einem Niendorfer Neubaugebiet. Dort wollten der Installateur Jochen L. (57) und sein Sohn Mario (36, Namen geändert) Dämm-Material für die Fußbodenheizung in ein Haus schaffen. Zu diesem Zweck öffnete Mario L. ein großes Fenster – das die Maurer bereits mit Folie abgeklebt hatten, da sie sich demnächst ans Verputzen machen wollten. „Die Folie ist leider kaputtgegangen“, räumte Mario L. ein. „Aber das hätten wir wieder in Ordnung gebracht.“

Über die zerrissene Folie geriet jedoch der Maurer Cem A. (Name geändert) derart in Rage, dass er die Installateure beschimpfte und mit einer vollen Wasserflasche nach Jochen L. warf, woraufhin ihn dieser zu Boden schubste. Cem A. soll die Männer daraufhin mit einer Holzlatte bedroht haben, sein Cousin Erkan A. (Name geändert) konnte ihn aber beruhigen, und ein jeder ging wieder an seine Arbeit. „Ich dachte, die Sache wäre erledigt“, meinte Jochen L.

Stattdessen sei Stunden später Erkan A. mit einer verbogenen Wasserwaage bei Mario L. aufgetaucht, der allein im Erdgeschoss arbeitete, und habe ihn gefragt, ob er das Werkzeug beschädigt habe. Cem A. sei hinzugekommen, berichtete Mario L., ebenfalls mit einer Wasserwaage in der Hand, „und er wurde schnell immer aggressiver“. Cem A. habe ihn dann mit der Wasserwaage angegriffen, Erkan A. habe ihn festgehalten, so der Installateur, und obwohl er versucht habe, sich zu wehren, sei er „grün und blau“ geschlagen worden: „Mein Oberkörper sah hinterher aus wie ein Regenbogen.“

Mario L. zog sich bei der Auseinandersetzung außerdem eine zehn Zentimeter lange Platzwunde am Kopf, einen gebrochenen Finger und diverse Prellungen zu. Sein Vater rief die Polizei, doch als diese eintraf, waren die Maurer bereits getürmt.

„Und all das wegen dieser dämlichen Folie“, konstatierte Richter Otto Witt trocken. „Wie kann man wegen einer solchen Kleinigkeit so ausrasten?“, hielt er Cem A. vor. Darauf mochte sich dieser nicht so recht einlassen, entschuldigte sich jedoch bei Jochen und Mario L., was diese auch annahmen. Während das Verfahren gegen Erkan A. gegen die Zahlung eines Schmerzensgeldes von 300 Euro eingestellt wurde, wurde Cem A. zu sieben Monaten Haft auf Bewährung verurteilt. Außerdem muss er 3000 Euro Schmerzensgeld an Mario L. zahlen. Dessen Finger wird das allerdings nichts nützen, er ist dauerhaft geschädigt. „Mit der rechten Hand kann ich nie wieder eine Faust machen“, so der Installateur.

latz

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