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Ostholstein 380-kV-Leitung: Land soll Eutiner Gutachten prüfen
Lokales Ostholstein 380-kV-Leitung: Land soll Eutiner Gutachten prüfen
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21:52 09.01.2018
Eutin

Tennet-Sprecher Mathias Fischer erklärte auf LN-Nachfrage: „Wir haben den vom Gesetzgeber formulierten Auftrag zum Netzausbau mit der geplanten Ostküstenleitung auszuführen.“ Tennet setze dabei weiterhin auf den kontinuierlichen Bürgerdialog mit dem Ziel einer hohen Akzeptanz. Fischer betont auch, dass die Stromtrasse eine notwendige Maßnahme im Rahmen der demokratisch und mit breitem gesellschaftlichen Konsens beschlossenen Energiewende sei. Der Netzbetreiber geht mit keinem Wort auf den Inhalt des neuen Gutachtens, das von Kreis und Kommunen beauftragt wurde, ein. Dieses beschreibt eine komplette und in der Dimension kleinere Erdverkabelung als rechtssicher, leistungsstark sowie deutlich verträglicher als die Tennet-Variante.

Die geplante 380-kV-Leitung zwischen Göhl und Lübeck bleibt in der Diskussion. Das Eutiner Gutachten mit kosten- und umweltfreundlicheren Alternativvorschlägen (LN berichteten) lässt aber offenkundig Netzbetreiber Tennet kalt. Dieser verweist auf den verbindlichen Umsetzungsauftrag.

„Göhl profitiert von den Tennet-Planungen." Thomas Bauer, Göhler Bürgermeister

Fahrplan

Tennet plant weiter wie gehabt. Die Planfeststellungsunterlage soll im ersten Quartal dieses Jahres eingereicht werden. Sie soll dann nach der Prüfung öffentlich ausgelegt werden.

Die gewünschte Akzeptanz bei den Bürgern hatte stellvertretend für die Kommunen in Ostholstein Ratekaus Bürgermeister Thomas Keller (parteilos) infrage gestellt. Das Projekt sei auf Jahrzehnte ausgelegt, die Folgen für Mensch und Natur dabei gravierend. Keller: „Damit muss sich auch Tennet stärker auseinandersetzen.“

Landrat Reinhard Sager (CDU) möchte jetzt allen Beteiligten von Land und Tennet Zeit geben, das Eutiner Gutachten zu prüfen. Er hatte schon bei der Vorstellung im Kreishaus klargemacht: „Das Gutachten sollte eine ernsthafte Beachtung in Kiel und bei Tennet finden.“ Ansonsten werde man den Klageweg eingehend prüfen.

Die Windmüller in Ostholstein dürften die Diskussion interessiert verfolgen. Die laut Kreis- Gutachten mögliche Komplett-Erdverkabelung hätte für sie einen schönen Vorteil: Die an der Trasse liegenden Windparks könnten direkt an das Erdkabel angeschlossen und der Windstrom abgeführt werden.

Der Göhler Bürgermeister Thomas Bauer (BGG) findet die Eutiner Visionen durchaus interessant, doch hat er kein Problem mit den Tennet-Planungen. Bauer sagt: „Diese Planungen bringen für unseren Ort große Vorteile.“ Denn zwei von drei Stromleitungen, die derzeit zum Umspannwerk im Ortszentrum führen, würden kurzfristig entfallen. Langfristig könnten die Stromtrassen ganz aus dem Ortskern verschwinden. Bauer wünscht sich aber auch für die gesamte Region die verträglichste Lösung. Seinem Amtskollegen Klaus Winter (CDU) in Lensahn sind die bisherigen Reaktionen aus Kiel von Umweltminister Robert Habeck (Grüne) „zu dünn“. Er könne sich nicht vorstellen, dass die Landesregierung das Gutachten aus Eutin übergehen kann. Winter: „Das, was wir jetzt an Stromleitungs-Kapazität zu wenig haben, sollten wir nicht ins andere Extrem umkehren.“

 Peter Mantik

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