Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein 44 Jahre im „Panoramic“: Der Herr der Türme macht Feierabend
Lokales Ostholstein 44 Jahre im „Panoramic“: Der Herr der Türme macht Feierabend
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:20 04.07.2016
Das Revier von Gerhard Kirner umfasst hunderte Wohnungen. Zuletzt kümmerte er sich viel um Außenanlagen und Schwimmbad. Quelle: Rosenkötter

408 Appartements, verteilt auf drei Gebäude. Das höchste ist 63 Meter hoch. Tausende Menschen haben hier schon Urlaub gemacht. Ostsee und Hansa-Park sind gleich nebenan. Das Sierksdorfer „Panoramic“ war in den Anfangsjahren ab 1971 eine eigene Welt. Dann begann der Ausverkauf. Läden schlossen. Die Wohnungen wurden verkauft. Eine Eigentümergemeinschaft bildete sich. Gerhard Kirner blieb. Der 63-Jährige ist Hausmeister. Seit fast 45 Jahren trägt er den Generalschlüssel „am Mann“. Das hat oberste Priorität. Heute wird er das Bund abgeben. Ruhestand. Rente mit 63. Motorradfahren. Die Enkelkinder treffen.

„Früher war das hier wie ein kleines Dorf.“ Gerhard Kirner

Die drei Betonklötze tragen die Buchstaben A, B und C. Sie haben den typischen 70er-Jahre-Charme. Ebenso wie das „Maritim“ in Travemünde gelten sie anfangs als modern, werden in Katalogen beworben, von Urlaubern aus ganz Deutschland nachgefragt. Gerhard Kirner erzählt von „einem kleinen Dorf“. Die meisten Gäste reisen mit der Bahn an. Gerade einmal 14 Millionen Autos sind 1970 in Deutschland gemeldet, heute sollen es mehr als 45 Millionen sein. Von Mega-Staus auf der A 1 pünktlich zu Saisonbeginn ahnt noch niemand etwas. „Wir haben die Gäste vom Bahnhof abgeholt und die brauchten dann 14 Tage nicht mehr weg“, sagt Kirner. Kein Wunder: Wer Boutiquen, Bank, Tennisplatz, Friseur, Restaurant, Kegelbahn und Supermarkt mit Frischfleischtheke hat, der kann bleiben, wo er ist. „Wer wollte, der konnte sich auch einen tragbaren Fernseher leihen“, sagt Kirner.

Wenn doch etwas hakt, kommen er und seine sechs Hausmeisterkollegen zum Einsatz. 45 Stunden pro Woche. Nachts und am Wochenende haben sie abwechselnd Bereitschaft. Glühbirnen erneuern, kaputte Stühle austauschen, Betten reparieren. Morgens und abends werden Fahnen gehisst. „Die Bundesländer, die gerade Urlaub hatten, wurden hochgezogen“, so Kirner. Schleswig-Holstein und Deutschland wehen immer.

Dann – 1976 – beginnt der Ausverkauf. Der Eigentümer, eine Kommanditgesellschaft, will die Appartements loswerden. „Viele der Urlauber haben eine Wohnung gekauft“, sagt Gerhard Kirner. Mit dem Wegfall des ständig wechselnden Urlauberpublikums verschwinden auch die Läden. Keine Kunden, keine Einnahmen. Pleite. Gerhard Kirner ist ab sofort nicht mehr für kaputte Möbel zuständig. Die Wohnungen sind privat. Die Pflege der Außenanlagen, Treppenhäuser und Schwimmhalle bleibt. Ebenso wie das Vertrauen vieler Nutzer. „95 Prozent der Eigentümer haben uns Hausmeister einen Schlüssel gegeben. Dann kommen wir zum Beispiel bei einem Wasserschaden rein“, so Kirner.

Notfälle hat der 63-Jährige so einige erlebt. „Vor 27 Jahren ist die Schwimmhalle abgebrannt. Fast ein Jahr lang war die nicht nutzbar. Die Decke kam runter. Die Lüftungsanlage war hinüber“, erinnert er sich. Deutlich weniger zerstörerisch, aber ebenfalls dramatisch, waren die zahlreichen Rettungsaktionen von eingeschlossenen Urlaubern. „Die Fahrstühle sind immer wieder steckengeblieben. Mal waren es Kinder, die zu viel gesprungen sind. Mal Ältere, die wissen wollten, wie viel Gewicht der Fahrstuhl schafft“, schildert Kirner. Gerne erinnert er sich auch an den Mann, der einige Jahre TV-Geräte vermietete. „Der hatte einen Hund, einen Pudel namens ,Lady’. Und auf dem saß ein Affe. Das war ein Hingucker.“ Erinnerungen, wie diese wird Gerhard Kirner mit sich nehmen. Seinen Schlüsselbund lässt er zurück.

 Sebastian Rosenkötter

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Thema geistert schon länger durch den Ort. Was geschieht mit der Vicelin-Kapelle in Riepsdorf? Das Gebäude ist sanierungsbedürftig und Geld ist kaum vorhanden. Pastor Burkhard Kiersch erklärt nun: „Ein Verkauf ist aktuell aber kein Thema.“

04.07.2016

Acht Jahre lang hat Marion de Vries ihren Spinning-Kursus im Dahmer Fitnesscenter angeboten. Mitte Juni erhielt die Trainerin und Honorarkraft jetzt die Kündigung – ohne einen Grund mitgeteilt zu bekommen. Die Mitglieder sind erbost.

04.07.2016

Neuer Jugendverein benötigt dringend Unterstützung für die Bauarbeiten.

04.07.2016
Anzeige