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Ostholstein Jung geblieben: 50 Jahre Bauschule
Lokales Ostholstein Jung geblieben: 50 Jahre Bauschule
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15:00 24.10.2018
Die Auszubildenden stellten die Masse der Gäste bei der Feierstunde zum 50-jährigen Bestehen der Bauschule. Quelle: Peyronnet
Ahrensbök

JP Kraemer sagt zwar Ahrensböck, aber sonst ist sein Auftritt in der Bauschule ziemlich cool. Ebenso wie die Fragen des Stars aus der Fernsehserie „Die PS-Profis“: In der großen Halle, in der Lehrlinge lernen, Pflaster zu verlegen, will er wissen: „Wie oft wurde dieser Raum schon vollgepflastert.“ Antwort: bestimmt mehr als 1000 Mal. Kein Wunder, haben doch Generationen an Maurern, Beton-/Stahlbetonbauern, Kanalbauern, Straßenbauern und Straßenwärtern einen Teil ihrer Ausbildung in Ahrensbök absolviert. Die Bauschule, wie das Ausbildungszentrum kurz genannt wird, hat seit 50 Jahren ihren Sitz in der Gemeinde.

Der Leiter des Ausbildungszentrums, Andreas Ketzner, und sein Team haben dabei immer ihre jungen, zum Teil noch jugendlichen Lehrlinge im Blick. Das Gefühl für die Interessen der vorwiegend jungen Männer ist ihnen nie abhanden gekommen. Deshalb gab es zum Jubiläum weder eine langatmige Feierstunde noch eine ausführliche Chronik, sondern das Youtube-Video mit JP Kraemer. Auf 21 Minuten Videomaterial fragt er sich durch die Ausbildungshallen, löchert Ausbilder wie Lehrlinge und gibt seine Kommentare zu dem ab, was er sieht. Das kommt an bei den jungen Leuten, das Video verzeichnet bisher mehr als 150 000 Klicks. Zwei weitere Videos mit Kraemer sind bei der Messe Nordbau entstanden, auch sie wurden bisher über 100 000 Mal angeklickt.

So ganz ohne Feierstunde geht es aber dann doch nicht. Knapp eine halbe Stunde dauerte sie, und die Mehrzahl der Gäste waren die Lehrlinge, von denen jeweils 100 bis 120 gleichzeitig an der Bauschule sind. Aufmerksam hörten sie zu, wie es damals dazu kam, dass die Bauschule ihren Platz in Ahrensbök fand. Auslöser war Hatto Braesen, ein Lehrersohn aus der Ahrensböker Dorfschaft Holstendorf, der Hauptgeschäftsführer des damaligen Wirtschaftsverbandes Bauindustrie Schleswig-Holstein war. „Auf der Suche nach einem Standort für eine Lehrbaustelle erinnerte er sich an seine Heimatgemeinde“, sagte Ahrensböks Bürgermeister Andreas Zimmermann (parteilos) in seinem Grußwort. 3,7 Hektar Land wurden auf den Trägerverein überschrieben. „Es wurden viele Millionen investiert“, berichtete Zimmermann weiter.

Das Ausibldungszentrum Ahrensbök des Bauindustrieverbandes besteht heute aus einem großen Komplex mit Werkhallen. Quelle: Peyronnet

Das Zentrum in Zahlen

7 Ausbildungshallen

6 Lehrsäle

2 Außenarbeitsflächen

Speisesaal mit 144 Sitzplätzen

3 Internate mit 110 Betten

Dass die Begegnungen von Bauschülern und Ahrensbökern nicht immer reibungslos verliefen, auch daran erinnerte Zimmermann. „Man trifft sich am Denkmal oder am Rathaus“, wie es der Bürgermeister formulierte, gilt auch heute noch. Handfeste Streitigkeiten zwischen Bauschülern und Dorfjugend um die Mädels gehören aber offenbar der Vergangenheit an. Mehr noch: Laut Zimmermann lassen sich Bauschüler beobachten, die in Ahrensbök Müll einsammeln – wahrscheinlich nicht nur den eigenen.

Dass auf dem Bau nicht nur hart gearbeitet wird, sondern dass es auch die eine oder andere Kuriosität gibt, davon berichtete der Hauptgeschäftsführer des Bauindustrieverbandes, Frerich Ibelings. So holten sich Ahrensböker Bauschüler bei einer Beton-Kanu-Regatta 1988 in Ulm zwei vordere Plätze – in selbst entworfenen und gebauten Kanus aus Faserbeton, eines 118, das andere 180 Kilogramm schwer.

Alltag ist es für die Lehrlinge, im Ausbildungszentrum Mengen an Material zu verbauen. Die Chronik von 2008 weist 38 000 Steine aus, die für verschiedene Mauerwerkswerkstücke verbraucht werden. Anschließend wird alles wieder eingerissen, die Steine erneut verwendet. Ähnlich sieht es bei Pflastersteinen aus. Oder wie JP Kraemer beim Blick in einer der großen Hallen erstaunt feststellt: „Ihr baut hier gerade eine ganze Fußgängerzone.“

Spende für die Tafel

Träger des Ausbildungszentrums ist aus rechtlichen Gründen nicht der Bauindustrieverband, sondern der

Verein der Freunde und Förderer des Ausbildungszentrums Ahrensbök. Der Vorstand setzt sich zusammen aus Unternehmern, denen die Bauausbildung in Schleswig-Holstein am Herzen liegt.

Aus Anlass des 50-jährigen Bestehens des Ausbildungszentrums übergab der Verein eine Spende in Höhe von 5050 Euro an die Ahrensböker Tafel.

50 Jahre Ausibldungszentrum Ahrensbök des Bauindustrieverbandes: Eine Spende von 5050 Euro an die Ahrensböker Tafel, übergeben vom Leiter des Ausbildungszentrums Andreas Ketzer an den Vorstand mit Hans-Werner Dohse (Vorsitzender), Hans-Jürgen Schüttler (Kassenwart), Regine Hansen (Schriftführerin) und Johann Rademacher (2. Vorsitzender, v. l.). Quelle: Peyronnet

Susanne Peyronnet

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