Menü
Lübecker Nachrichten | Ihre Zeitung aus Lübeck
Anmelden
Ostholstein 6000 Kilometer: Mit dem Rad einmal zur Fußball-EM und zurück
Lokales Ostholstein 6000 Kilometer: Mit dem Rad einmal zur Fußball-EM und zurück
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:24 16.04.2016
Günter Behrend studierte vor seiner Abfahrt das Kartenmaterial seiner Radetappen. Quelle: Fotos: Peter Mantik (3)

„Das passt schon“ lautet das Motto von Günter Behrend in den kommenden drei Monaten. Der 73-Jährige startete gestern in Grube ein Abenteuer. Mit dem Tourenrad fährt er quer durch Deutschland — mit Stippvisiten bei Bundeskanzlerin Angela Merkel sowie Startrainer Pep Guardiola — und schließlich nach Frankreich zur Fußball-Europameisterschaft.

Zur Galerie
Günter Behrend radelt mit dem 30 Jahre alten Tourenrad nach Frankreich, feiert unterwegs seinen 74. Geburtstag und trifft Angela Merkel und Startrainer Guardiola.

„Die Fans aller Länder sollen sich benehmen. Wer das Turnier gewinnt, ist doch egal.“ Günter Behrend, EM-Reisender

Die LN treffen den Fußball-Fan in seinem Oldenburger Haus. Auf dem Tisch im Wohnzimmer liegen lauter Landkarten mit den einzelnen Etappen. Berlin, Hamburg, Köln, Frankfurt, München und dann Frankreich lautet die Route in etwa. 6000 Kilometer in drei Monaten. Die Kosten stemmt Behrend, in dem er noch immer auf dem Bau als Maurer schuftet, denn die Rente reicht vorn und hinten nicht, schon gar nicht für Exkursionen wie diese. Vier Bundesligaspiele möchte er sich unterwegs anschauen. Am 28. Mai feiert er seinen 74. Geburtstag. Doch beschenkt hat er sich bereits selbst mit diesem Abenteuer. Dann geht es über die Grenze. Angst vor Terroranschlägen hat er nicht. Sein Vertrauen in die französischen Behörden ist groß. „Ich kenne die ja schon von 1998.“ Auch sonst macht er sich kaum Sorgen, radelt sogar ohne Flickzeug im Gepäck. „Ich möchte ja das Glück nicht herausfordern. Es passiert ja eh‘ nix.“

Auf die Idee mit den außergewöhnlichen Radtouren kam er 1986 durch eine Wette mit seiner Ex-Frau. „Ich sagte, wenn Deutschland nicht in Mexiko Weltmeister wird, fahre ich 1990 mit dem Rad nach Italien und zeige den Spielern, das man Leistung bringen muss.“ Gesagt getan. Seither radelte Günter zu verschiedenen Großturnieren, war sogar mit dem Bike 1994 in den USA unterwegs.

Er habe auf seinen Touren viele interessante — oft auch prominente — Menschen getroffen. Die Audienz bei Papst Johannes Paul II in Rom 1990 war für ihn der Höhepunkt schlichtweg. „Der Papst redete mit mir vier Minuten lang. Alle um mich herum wunderten sich.“ Da seien TV und Radio-Leute gewesen, die Leibgarde des Papstes. Mitten drin Günter Behrend. „Der Papst sagte, es gefiele ihm, dass ich anderen Menschen helfen wolle.“ Behrend überreichte ihm einen Abguss der Oldenburger Wallglocke. Von dieser Szene existiert sogar ein Foto. Er sagt schwärmerisch: „Das ist eine andere Welt.“

In Berlin möchte er die Kanzlerin treffen und ihr eine Keramiktafel mit dem Gruber Wappen im Namen der Gemeinde überreichen. Diesen Termin koordiniert Hans-Uwe Hartert, der Dorfchronist, der sich Teamleiter des Projektes nennen darf. Hartert hat ihm auch drei Fahnen mit dem Grube-Wappen sticken lassen. Auf diesen sammelt Behrend Unterschriften von Prominenten — wie von Merkel — um sie bei seiner Rückkehr am 16. Juli beim Gruber Seefest zu versteigern. Behrend sagt: „Der Erlös kommt den Pfadfindern zugute.“ Die zweite Grube-Tafel möchte Behrend an Bayerns scheidenden Trainer Pep Guardiola nach dem letzten Bundesligaspiel gegen Hannover überreichen, „dafür, dass er die Bundesliga drei Jahre bereichert und aufgemischt hat“. Das sagt der Schalke-Fan Behrend. Natürlich stellt sich die Frage, wie er das schaffen will, wie er Guardiola antreffen möchte. „Das klappt schon“, sagt Behrend. Er werde zum Trainingszentrum an der Säbener Straße radeln und dann „mal sehen. Ich kenne nach all den Jahren so viele Leute, ob Franz Beckenbauer oder Uli Hoeneß.“

Ähnlich locker geht er die Ticketproblematik für die EM an. Denn noch hat er keine Karten für die Deutschlandspiele. Pragmatiker Behrend hat aber einen Plan. „Der DFB hat für die Funktionäre immer ein Zelt.“ Da sei er bisher immer reingekommen. „Die wissen, dass ich unterwegs bin. Wenn ich da bin, sagen sie immer: Der Günter ist da.“ Im Zelt bekäme er dann schon Tickets. „Von Uwe oder dem Franz.“ Also Seeler oder Beckenbauer. So einfach kann es gehen.

Seine Wünsche für die EM sind bescheiden: „Die Fans aller Länder sollen sich benehmen. Wer das Turnier gewinnt, ist doch egal.“ Beim Endspiel möchte er im Stade de France sein. Klappt schon.

Von Peter Mantik

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Bürgermeister Jens Reise sowie Götz Haß vom Kreissportverband waren die Ehrengäste bei der Jahressitzung des SV Großenbrode. Für 50 Jahre Mitgliedschaft wurde Siegfried Tessmann geehrt.

16.04.2016

Zaun soll Nachwuchs auf dem Graswarder schützen.

16.04.2016

Auch Pelzerhaken und Rettin sind betroffen.

16.04.2016
Anzeige