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Ostholstein 75000 Euro: Offene Rechnungen beim Schloss Eutin
Lokales Ostholstein 75000 Euro: Offene Rechnungen beim Schloss Eutin
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21:47 05.06.2015
Stiftung Schloss Eutin ist seit Monaten Zahlungen in Höhe von rund 75000 Euro schuldig. Quelle: LN-Archiv
Eutin

Während sich die Stiftung Schloss Eutin über einen gelungenen Saisonstart und bereits über 4500 Besucher freut, gibt es hinter den Kulissen Ärger. Nach LN-Informationen warten mehrere Handwerks-Betriebe aus Ostholstein, die in den vergangenen Monaten im Schloss gearbeitet haben, auf ihr Geld. Die Gesamtsumme soll bei mehreren zehntausend Euro liegen.

Ja, sie wüssten, dass andere auf Zahlungen warteten, ja, möglicherweise betreffe es auch sie — die befragten Firmen waren größtenteils mehr als reserviert. Kein Wunder: Von den in den kommenden Jahren im Schloss anstehenden Aufträgen wollen alle gern profitieren. Einer, der kein Blatt vor den Mund nimmt, ist Michael Harms (46), Geschäftsführer der Eutiner Firma Steenbock. Er wartet seit Mitte März auf die Überweisung von mehr als 16000 Euro.

Schon im vergangenen Sommer hatte er schlechte Erfahrungen mit der Stiftung Schloss Eutin gemacht. Für Sanierungsarbeiten am Mönch — ein Bauwerk, das den Wasserabfluss zum Schlossgraben regelt — sollte sein Betrieb 7500 Euro bekommen. „Das Rechnungsdatum lautete auf den 17. Juli, die Mahnung ging am 20. August ‘raus, bezahlt wurde am 2. Oktober“, schildert er und fügt an: „Ich habe mich damals immer wieder beschwichtigen und hinhalten lassen.“ Seinen Vorsatz, danach nicht mehr für die Stiftung zu arbeiten, hielt er nicht durch: „Mir wurde zugesichert, dass so etwas nie wieder vorkommen würde. So habe ich nochmal einen Auftrag übernommen.“

Weil es eilte, die Saison bevorstand und die Toiletten im Schloss behindertengerecht umgebaut werden sollten, zog Michael Harms sogar Personal von anderen Baustellen ab, „um die Wünsche des Bauherrn zu erfüllen. Letztendlich wurde ich dafür noch bestraft“, sagt er verärgert. Seit dem 17. März läuft er einer ersten Abschlagszahlung von über 16000 Euro hinterher. Dabei sei die Rechnung vom Architekten geprüft und für in Ordnung befunden worden.

Eine Mahnung (4. Mai) mit Frist sei unbeachtet geblieben, es habe überhaupt keine Reaktion aus dem Schloss gegeben. „Jetzt hat mein Anwalt die Sache in der Hand“, sagt Harms. Er staune selbst, dass eine zweite Abschlagszahlung von knapp 14000 Euro geleistet worden sei. Allerdings stehe auch die Schlussrechnung noch aus.

„Unter den derzeitigen Bedingungen führe ich im Schloss keine weiteren Arbeiten mehr aus“, hat der Steenbock-Geschäftsführer beschlossen. Er habe sogar noch die Pflasterung für den Blitzschutz aufnehmen sollen, aber bereits abgewunken. „Die Stiftung hat aus der Vergangenheit anscheinend nichts gelernt“, sagt er. Ihr Verhalten könne sich aber für kleine Betriebe bedrohlich auswirken, im schlimmsten Fall müsse man Insolvenz anmelden, wenn es mehrere säumige Zahler gebe und die Bank nicht mitspiele.

Kreishandwerksmeister Ulrich Mietschke bestätigt, dass es in Einzelfällen immer wieder Probleme mit der Zahlungsmoral gebe. Er findet allerdings, das diese sich insbesondere bei öffentlichen Auftraggebern verbessert habe. Den Ärger von Michael Harms könne er jedoch nachvollziehen.

Die Stiftung Schloss Eutin ist seit gestern um Schadensbegrenzung bemüht. „Wir bedauern, dass es zu Verzögerungen bei der Bezahlung von Handwerker-Rechnungen gekommen ist“, sagt Interims-Geschäftsführer Matthias Bönsel. Er versichert, dass alle offenen Beträge am kommenden Dienstag überwiesen würden. Acht oder neun Firmen seien betroffen, ihnen stünden teils kleinere, teils größere Summen in Höhe von mehreren tausend Euro zu. Insgesamt handele es sich um rund 75000 Euro, räumt er ein. Keinesfalls befinde sich die Stiftung in finanzieller Schieflage, betont Bönsel.

Seine Erklärung für das Zahlungsversäumnis: „Unser Baubereich hat viele Themen, die zu managen sind. Leider hat er Anträge beim Land zu spät gestellt. Die Gelder sind dort vorhanden, aber nicht abgerufen worden.“

Ulrike Benthien

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