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Ostholstein 825 JAHRE ST. JOHANNISGILDE
Lokales Ostholstein 825 JAHRE ST. JOHANNISGILDE
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20:15 08.04.2017
Der Festumzug ist einer der Höhepunkte beim Gildefest. Neben dem bekannten Marsch der Gildebrüder soll es dieses Jahr einen weiteren mit insgesamt 1000 Teilnehmern geben. *FOTOS: JEN, FOTOLIA

Deutschlands älteste Gilde feiert Geburtstag: Die Oldenburger St. Johannis Toten- und Schützengilde von 1192 begeht in diesem Jahr ihr 825. Jubiläum. Die Tage der Rosen, das große Gildefest um den Johannistag, werden aus diesem Anlass um einen Tag verlängert: Das Fest beginnt diesmal schon am Sonnabend, 24. Juni, mit einem bunten Treiben auf dem Gildeplatz und einem großen Umzug durch die Stadt, bei dem auch Mitglieder befreundeter Gilden und Vereine mitmarschieren. Insgesamt werden etwa 1000 Teilnehmer und acht Kapellen erwartet. Bis es so weit ist, erscheint in den Lübecker Nachrichten zur Einstimmung jeden Sonntag ein Teil der Serie „825 Jahre St. Johannisgilde“, in deren Rahmen die Oldenburger Institution und ihre Traditionen vorgestellt werden.

Deutschlands älteste Gilde feiert Geburtstag: Die Oldenburger St. Johannis Toten- und Schützengilde von 1192 begeht in diesem Jahr ihr 825.

„An den Tagen der Rosen ist die ganze Stadt auf den Beinen“, sagt der erste Ältermann Helmut Schwarze voller Vorfreude, „alle feiern mit.“ Er finde es unheimlich schön, dass die Gilde in den Köpfen der Oldenburger so präsent sei. Das Ergebnis begeistere ihn jedes Jahr aufs Neue: „Wenn Gilde ist, dann stimmt die Harmonie in der Stadt“, stellt er fest.

Der Gemeinschaftssinn zähle ohnehin zu den Dingen, die die Organisation ausmachten, betont Schwarze. In Notsituationen Beistand zu leisten, sei eine wesentliche Tradition der Gilde. Das „Schützen“ im Namen habe weniger mit Schießen als vielmehr mit Schutz zu tun, erklärt er. Entstanden ist die Gilde einst als Kalandsbruderschaft, wie sie im Mittelalter vielerorts mit dem Ziel gegründet wurden, gute Werke zu verrichten. 1566 wurde aus der Bruderschaft die Brand-, Sterbe- und Notgilde der heiligen Katharina, bevor 15 Gildemitglieder am Johannistag 1688 schließlich die St. Johannisgilde gründeten. Letztere übernahm 1697 auch die übrigen Mitglieder der St. Katharinengilde. Im Vorfeld war es in deren Reihen aufgrund von allgemeiner Not und Armut zu Krisen gekommen. So geht es aus der großen Gilde-Chronik von Oberstudiendirektor i.R. Erich Koglin hervor.

Auch heute mache die Gilde es sich nach wie vor zur Aufgabe, Mitgliedern in Notsituationen zu helfen, sagt Erst Öllst Schwarze. Dazu gehörten natürlich Kondolenzbesuche und seelischer Beistand, es werde aber auch ein Sterbegeld an die Hinterbliebenen verstorbener Gildemitglieder gezahlt. Dazu habe sich der Verein freiwillig verpflichtet. Trotz der mehr als 1000 Mitglieder sei der Zusammenhalt groß, betont Schwarze, und das Miteinander familiär.

Die zweite große Aufgabe, die sich die Gilde zu eigen gemacht hat, ist die Bewahrung der plattdeutschen Sprache. Er selbst habe sie als „Zugereister“ auch erst lernen müssen, gesteht der in Lübeck aufgewachsene Helmut Schwarze. Als kleiner Junge sei er oft bei Verwandten auf dem Land gewesen, wo er die anderen Kinder für ihre „Fremdsprachen-Kenntnisse“ bewundert habe, weil sie alle Platt geschnackt hätten, erinnert er sich lachend. „Den Sound hatte ich also immerhin im Kopf“, sagt er. Nachdem er 1984 in die Oldenburger Gilde eingetreten sei, habe er dann so oft wie möglich Plattdeutsch gesprochen, erzählt er. Und mittlerweile „geht es zum Glück ganz gut“.

Dass die Gilde dem Plattdeutschen über all die Jahre treu geblieben sei, begeistere ihn, sagt Schwarze anerkennend. Selbst zu Zeiten, da die Sprache in Schleswig-Holstein allgemein keinen hohen Stellenwert gehabt habe, sei die Gilde nie von ihrem Kurs abgewichen.

Die St. Johannisgilde bedeute für ihn ein Stück Geschichte, sagt Helmut Schwarze. Es sei faszinierend, wie weit ihre Traditionen zurückreichten. 825 Jahre – so ein Jubiläum feiern wir nicht alle Tage, betont der erste Ältermann. Er sei stolz, einen Teil beitragen zu können, und hoffe, dass die Oldenburger das Jubiläumsfest mitfeiern und unterstützen.

Zum Jubiläumsfest soll es blühen

Die Rose ist als Symbol der Gilde sehr präsent. Die Mitglieder tragen sie im Knopfloch und in der ganzen Stadt wird zum Fest auf blühende Deko zurückgegriffen.

Für den Schmuck zum Jubiläumsfest bittet Ältermann Helmut Schwarze die Oldenburger um Mithilfe. In der Regel blühen die vielen Rosensträucher im Sommer pünktlich zum Fest. Sollte die ein oder andere Pflanze erneuert werden müssen, sei die Gilde auch bereit, neue Rosen zur Verfügung zu stellen. Auf dem Markt würden mit Unterstützung der KDO beispielsweise schon neue Rosen gepflanzt. Mehr Infos gibt Helmut Schwarze unter Telefon 04361/3059.

Jennifer Binder

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