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Ostholstein 825 JAHRE ST. JOHANNISGILDE
Lokales Ostholstein 825 JAHRE ST. JOHANNISGILDE
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18:24 10.06.2017
Besuch vom ersten Ältermann: Wilhelm Wolf (95, l.), Oldenburgs ältester Gildebruder, mit Helmut Schwarze. Quelle: Foto: Binder
Oldenburg

Früher war nicht alles besser. Einiges aber schon, wie Wilhelm Wolf scherzhaft erklärt: Einst habe ein Gildebruder alle Gildeschwestern küssen dürfen, erinnert er sich. Heute „kann man das leider nicht mehr einfach so machen“, bedauert er schmunzelnd.

Der 95-Jährige ist der älteste Mann in den Reihen der Oldenburger St. Johannisgilde. Seit 63 Jahren gehört er der Gemeinschaft an und feiert auch heute noch gerne bei den Tagen der Rosen mit. Auch die Teilnahme am Festumzug lässt er sich im Jubiläumsjahr nicht nehmen: Im Cabrio wird er zwischen den Marschierenden herkutschiert, wie der zweite Ältermann Hans-Jürgen Löschky verrät.

Neben seiner Mitgliedschaft in der St. Johannisgilde hat sich Wilhelm Wolf in vielen weiteren Institutionen in seiner Heimatstadt engagiert, darunter die Liedertafel oder die Zentral-Schweinegilde.

Zahlreiche Urkunden und Fotos an den Wänden seines Zimmers in einer Seniorenresidenz erinnern an seinen Einsatz. „Ich hab’ alles mitgemacht“, sagt der Oldenburger, „das gehörte sich so – und es hat mir Spaß gemacht.“

Auch für die St. Johannisgilde hat er freiwillig bei diversen Projekten geholfen – unter anderem beim Bau des früheren Gildelokals. „Das haben wir gerne gemacht damals“, sagt Wilhelm Wolf, „jeder, der mit Werkzeug umgehen konnte, war dabei. Das war selbstverständlich.“ Er habe „viel gearbeitet, aber auch viel gefeiert“, fasst er mit einem Augenzwinkern zusammen, „so wie sich das gehört“.

Mit seiner Zeit in der Gilde verbinde er viele schöne Erinnerungen, sagt der 95-Jährige. Er erzählt von Späßen mit seinen Gildebrüdern, von schönen Zeiten mit seiner mittlerweile verstorbenen Frau Charlotte, die „immer und überall dabei war“, von unvergesslichen Festumzügen („Wir haben gesagt, der Schwanz wackelt, wenn die jungen Leute am Ende des Zuges betrunken waren.“) und von dem Moment, als der drei Zentner schwere Holzvogel kurz vor Beginn des Schießwettbewerbs plötzlich auf den Boden krachte – was in der Situation selbst zwar gar nicht lustig gewesen sei, worüber er im Nachhinein aber trotzdem lachen kann. Sie seien gerade dabei gewesen, den Vogel auf seiner Stange nach oben zu ziehen, berichtet Wolf, und dann sei die Stange gebrochen. Die Konstruktion sei damals noch nicht mit dem modernen Sicherheitssystem von heute zu vergleichen gewesen, erklärt er. Die Holzstange sei das einzige gewesen, das das Tier gehalten habe. Zum Glück sei das Zielobjekt trotz seines Unfalls größtenteils unbeschädigt geblieben – und die hektische Suche nach einem Ersatz für die kaputte Stange sei letztendlich auch von Erfolg gekrönt gewesen. „Die Erleichterung war groß, als der Vogel endlich oben war“, erinnert sich Wolf.

Das Gildefest in Oldenburg sei etwas Besonderes, sagt Wilhelm Wolf, damals genau wie heute. Die ganze Stadt feiere mit, das sei einfach schön. Jetzt sei er gespannt auf die Tage der Rosen im Jubiläumsjahr. Die 800-Jahr-Feier sei zuletzt fantastisch gewesen – 25 Jahre später freue er sich nun auf das nächste rauschende Fest.

Jennifer Binder

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