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20:51 04.01.2018
Das Feuer am 25. Januar zerstörte weite Teile des Gebäudes und wütete vor allem unter dem Dach. *FOTO: SEBASTIAN ROSENKÖTTER
Neustadt

Angeklagt vor dem Lübecker Landgericht ist ein 54-jähriger Bewohner. Bei der gestrigen Verhandlung stand Gutachterin Dr. Christine Heisterkamp im Mittelpunkt. Sie schilderte, dass Jürgen H. (Name geändert) eine kombinierte Persönlichkeitsstörung habe und seit Jahrzehnten immer wieder Straftaten verübe. Unter anderem wurde er wegen Körperverletzung, Vergewaltigung und Brandstiftung verurteilt.

In ihrer Analyse bezog sich Heisterkamp unter anderem auf Ermittlungsakten der Staatsanwaltschaft sowie Angaben des Neustädter Ameos-Klinikums, wo der Angeklagte von 2004 bis 2011 untergebracht war. Zudem hatte sie Jürgen H. im Juni 2017 persönlich befragt.

Probleme im Elternhaus, früh straffällig geworden

Dr. Christine Heisterkamp verdeutlichte, dass die Entwicklung von Jürgen H. von Beginn an schief gelaufen sei. Der Vater war alkoholabhängig, Aufenthalte in einer Pflegefamilie, schon als Kind selbst Alkohol konsumiert, Sonderschule nach Klasse 9 verlassen, mit 16 Jahren das erste Mal inhaftiert wegen Diebstahls. „Er hat den Großteil seines Lebens in Haftanstalten verbracht“, so Heisterkamp.

Immer wieder habe Jürgen H. gegen Bewährungsauflagen verstoßen.

Heisterkamp bescheinigte dem mutmaßlichen Brandstifter Stimmungsschwankungen ein hohes Aggressionspotenzial und paranoide Züge. Sie betonte aber auch, dass H. bei vorhandenen festen Strukturen funktionieren könne. Jedoch würde er sich und sein Verhalten nur schwer kontrollieren können und schnell explodieren.

Heisterkamp rechnet damit, dass der Angeklagte auch in Zukunft straffällig wird. „Es sind erhebliche Probleme zu erwarten, da es kein funktionierendes soziales Netzwerk gibt. Die Prognose ist ausgesprochen negativ. Bei Konflikten und Stress sind weitere Brandstiftungsdelikte zu erwarten.“

Indirekt übte die Gutachterin auch Kritik an dem Neustädter Ameos-Klinikum. Sie sagte, dass keiner der Ärzte bemerkt habe, dass die stationäre Therapie nichts bringe.

Verurteilter Brandstifter soll der Täter sein

Jürgen H. hingegen beteuert, die Feuer nicht gelegt zu haben. Vielmehr habe der ebenfalls zur Tatzeit in der Obdachlosenunterkunft lebende Klaus B. (Name geändert) das Feuer gelegt. Dieser wurde im Juni wegen Brandstiftung im Eutiner Amtsgericht verurteilt. H. sagt, dass er in der Lübecker Justizvollzugsanstalt ihm gegenüber die Tat gestanden habe. B. habe ihn aufgrund seines veränderten Aussehens nicht erkannt.

Ein Urteil wird frühestens am 18. Januar erwartet.

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