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Ostholstein AUS DEM AMTSGERICHT
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21:10 08.02.2018
Eutin

Eine Verhandlung vor dem Amtsgericht ist keine Therapiesitzung. Und 50 Meter sind 50 Meter. Alles Erkenntnisse, die Amtsrichterin Anke Erlenstädt dem Angeklagten unmissverständlich klar machte. Taher T. (48, alle Namen geändert) sieht den Zustand seiner Ehe mit seiner Frau Ashura B. (44) völlig anders als sie. Er: „Wir sind ein Paar.“ Sie: „Wieso sind wir ein Paar?“ Die Probleme begannen damit, dass die Familie nach Schweden übersiedelte, Ashura B. aber nach wenigen Wochen mit ihren Kindern nach Ostholstein zurückkehrte.

Das wollte der Ehemann offenbar nicht hinnehmen. „Er hat mehrmals angerufen, ich solle die Kinder zurück nach Schweden bringen, sonst mache er mich einen Kopf kürzer. Ich konnte nicht mit ihm reden“, erzählte Ashura B. der Richterin. „Er war ganz schön sauer. Ich fühlte mich unsicher und hatte Angst.“ Das veranlasste die Ehefrau im Januar 2017, einen Gewaltschutzbeschluss beim Familiengericht zu erwirken.

Die Regeln waren von da an klar: Taher T. musste einen Mindestabstand von 50 Metern von seiner Frau einhalten, durfte keinen Kontakt zu ihr aufnehmen. Beides versuchte er jedoch im Mai 2017 in Pönitz. Als Ashura B. dort parkte, stellte er sein Auto zwei Parkplätze neben ihrem ab, weit weniger als 50 Meter. Sie reagierte sofort, stieg wieder ein, fuhr zur Tankstelle. „Ich hatte Angst, und da sind viele Leute“, begründete sie in ihrer Zeugenaussage ihr Ziel. Taher T. fuhr hinter seiner Frau her, ein Stück weiter, wendete und hielt dann einige Meter von der Tankstelle entfernt an.

Da waren es genau 83 Meter, wie die von der Ehefrau herbeigerufene Polizei feststellte.

Ehemann spricht von Zufall

Ein Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz ist strafbar. Und so erhielt Taher T. einen Strafbefehl über 650 Euro. Den wollte er nicht akzeptieren und legte Widerspruch dagegen ein. So landete der Fall bei Richterin Erlenstädt.

Die musste vor allem den Angeklagten immer wieder in die richtige Spur bringen. Es gehe nicht darum, die Eheprobleme des Paares zu besprechen, sondern den Verstoß gegen das Gewaltschutzgesetz. Den Einwand von Taher T., dass er hinter seiner Frau hergefahren sei, sei Zufall gewesen, ließ Erlenstädt nicht gelten. „Dann wäre es Ihre Aufgabe gewesen, einfach weiterzufahren. Das haben Sie nicht gemacht.“ Den Gewaltschutzbeschluss habe der Angeklagte nicht so ernst genommen, wie er ihn hätte nehmen sollen, schrieb sie ihm bei der Urteilsbegründung noch ins Stammbuch.

Das Urteil fiel milder aus als der Strafbefehl. Die Richterin legt 30 Tagessätze zu je zehn Euro als Strafe fest. Die Vertreterin der Staatsanwaltschaft hatte 60 Tagessätze zu je 15 Euro, insgesamt also 900 Euro Geldstrafe gefordert. Der Sachverhalt sei unstrittig, die Ehefrau habe alles klar geschildert.

Das Paar lebt noch immer getrennt, er in Schweden, sie in Ostholstein. Für die Verhandlung reiste Taher T. aus dem Ausland an. Das Verhältnis zu seiner Frau habe sich gebessert, er sehe seine Kinder regelmäßig. Der Streit darüber, wo die Familie wohnen soll, ob in Schweden oder in Deutschland, schwelt noch immer. Da half auch die Verhandlung nichts. Sie ist eben keine Therapiesitzung.

Von Susanne Peyronnet

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