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AUS DEM LANDGERICHT

LN BERICHTEN AUS DEM LANDGERICHT

Wollte die Dahmerin, die sich zurzeit wegen versuchten Mordes vor dem Lübecker Landgericht verantworten muss, ihren Ex-Mann tatsächlich töten? Oder sollte die Portion Gift im Essen lediglich ein „Denkzettel“ sein, wie sie selbst sagt? Um diese Fragen ging es nun erneut.

Dahme/Lübeck. Giftpflanzen seien nicht Teil der Ausbildung zum Floristen, erläuterten zwei Berufsschullehrer, die als Zeugen gehört wurden. Das Thema werde höchstens am Rande behandelt, wenn es um Sicherheitsmaßnahmen bei der Arbeit gehe. Ein gelernter Florist oder Landschaftsbauer könne insofern in der Regel wohl kaum beurteilen, welche Dosis eines pflanzlichen Giftes tödlich sei, sagte einer der Fachleute.

 

LN-Bild

„Es soll eine Ent- schädigung geben.Christian Schumacher Verteidiger

Im Raum steht im Prozess nach wie vor die Frage, ob der Angeklagten bewusst war, wie gefährlich die Samen des Zerberusbaums sind. Der 50-Jährigen wird vorgeworfen, im August 2015 ihrem damaligen Ehemann einige davon ins Chili gemischt zu haben. Sie selbst hat das zugegeben, bestreitet jedoch, dass sie den 57-Jährigen damit töten wollte. „Bitte glaub mir, dass ich dich nie ernsthaft verletzen wollte“, hatte die Dahmerin zuletzt an ihren mittlerweile geschiedenen Mann appelliert. Sie habe lediglich gewollt, dass es ihm „in der Ehe auch mal so schlecht geht wie mir“ (die LN berichteten).

Das pflanzliche Gift ins Essen zu mischen, sei ein spontaner Einfall gewesen, sagte die Angeklagte gestern am vierten Verhandlungstag. Auf Nachfrage von Richter Christian Singelmann, Vorsitzender der I. Großen Strafkammer, erzählte sie, sie habe sich kurz vorher mit ihrem Mann gestritten. In ihrem Blumenhandel habe sie dann zufällig gerade Zweige des Zerberusbaums vor sich liegen gehabt – deshalb habe sie dessen Samen verwendet. Einen anderen Grund dafür, dass sie ausgerechnet diese Pflanze für ihr Vorhaben genommen habe, gebe es nicht.

Der Hausarzt des 57-jährigen Ex-Mannes, der im Prozess als Nebenkläger auftritt, bestätigte gestern, dass das Gift bei einem Bluttest nachgewiesen wurde. Sein Patient habe ihm zudem diverse E-Mails gezeigt, die er heimlich vom Account seiner damaligen Frau gezogen hatte. Unter anderem hatte die 50-Jährige an einen Hamburger Apotheker geschrieben, sie überlege schon, Fingerhut einzukaufen – aber „du kennst doch bestimmt noch etwas Besseres, oder?“

Ähnliche Äußerungen hatte es auch in anderen Mails gegeben – etwa war von einem „Plan B“ die Rede, um zur Not eine teure Scheidung zu vermeiden. Das habe sie jedoch „höchstens im Spaß geschrieben“, hieß es später in einer weiteren E-Mail der Angeklagten an den Apotheker, nachdem ihr damaliger Mann sie mit den Aussagen konfrontiert hatte. „Der spinnt doch total“, schrieb sie daraufhin.

Das Opfer fühlte sich derweil offenbar ernsthaft bedroht. Laut Hausarzt trank er nach der Vergiftung zu Hause nur noch Wasser aus der Leitung, kontrollierte genau, was er aß, und ließ seinen Teller nicht mehr aus den Augen, nachdem er sich aufgetan hatte. Sogar eine schriftliche Entbindung von der Schweigepflicht übergab er seinem Arzt – mit den Worten: „Für den Fall, dass ich plötzlich tot sein sollte.“

Später habe sein Patient ihm erzählt, dass er seine Noch-Ehefrau mit den Beweisen für seine Vergiftung erpresst habe, um eine Einigung bei der Scheidung zu erzielen. Er sei damals davon ausgegangen, dass das Thema damit erledigt gewesen sei.

Die Verteidigung stellte derweil gestern eine Schadenersatzzahlung an das Opfer in Aussicht. Die Höhe müsse noch besprochen werden. Er könne sich zum Beispiel auch vorstellen, dass eine solche Zahlung später als Bewährungsauflage festgesetzt wird, sagte Rechtsanwalt Christian Schumacher.

Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Jennifer Binder

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